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Schwabmühlhausen

31.03.2019

Ein Dorf im Schubkarren-Rennfieber

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8 Bilder
Die 35,5 Kilogramm schweren Wagen brachten nur die besten unfallfrei über die Hindernisse. Wer seine Stangen verlor musste sie wieder aufsammeln.
Bild: Hieronymus Schneider

Kühne Sportler drehen mit ihren historischen Karren die Runden um den Kirchberg. Tausende Zuschauer fiebern und feiern mit. Wer am Ende die Nase vorn hat.

Die 21. Auflage des beliebten Schubkarrenrennens hat Schwabmühlhausen einen Besucheransturm beschert. Bei angenehm milden Temperaturen füllten sich die Straßenränder entlang der Rennstrecke rund um die Kirche schnell mit Zuschauern. Natürlich war das ganze Dorf auf den Beinen und die Teilnehmer aus den angrenzenden Landkreisen Landsberg, Ost- und Unterallgäu lockten viele Fans dieses Kultrennens an. Das Staudendorf Siegertshofen verdoppelte seinen Teilnahmerekord von fünf auf zehn Teams, die einen Bus zur Anreise charterten.

Und da war sie wieder da, diese einmalige Atmosphäre dieses Ereignisses. Die Rennsportler trippelten nervös hin und her, um ihre Muskeln aufzuwärmen, als Georg Stammel alle auswärtigen Starter zum „Briefing“ ins Schützenheim rief. Zusammen mit dem amtierenden Dorfmeister Andreas Kramer gab er die Regularien der Gästewertung bekannt. „Jedes Team hat drei Läufer. Jeder läuft eine Runde, übergibt den Karren an den nächsten und der letzte Läufer schiebt am Ziel seinen Karren zur Seite, kriecht durch die Saukiste und schlägt die Zielglocke an. Erst dann wird die Zeit gestoppt“, erklärte Stammel, traditionell im schwarzen Frack mit Zylinder gekleidet. Trotz des sportlichen Wettbewerbs, ermahnte Stammel die Teilnehmer, nicht zu viel zu riskieren: „Denn es bleibt halt doch ein Gaudirennen.“

Bunte Lichter und männliche Boxenluder

Die Strecke wurde sorgfältig von den Feuerwehren aus Schwabmühlhausen, Langerringen und Gennach abgesperrt und war zusätzlich zur Straßenbeleuchtung noch bunt ausgeleuchtet. Buden mit Getränken, Würstchen, Schupfnudeln und Schokospießen beim Startplatz am Schützenheim und in der letzten Kurve vor dem Anstieg zum Ziel versorgten die Zuschauer. Wandelnde männliche Boxenluder verkauften höherprozentige Getränke.

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Beim Einmarsch der Gladiatoren zogen die Akteure angeführt von der Lamerdinger Musikkapelle um den Kirchberg, um sich die Rennstrecke einzuprägen und sich den Zuschauern zu präsentieren. Der Titelverteidiger der Gästewertung, das Team „Hütte Aufkirch II“ durfte den Glockenwagen mit den Siegestrophäen ziehen.

Frühere Dorfmeister im direkten Duell

Dann wurden die Hindernisse aufgebaut und das 21. Schubkarrenrennen begann mit der Schwabmühlhauser Dorfmeisterschaft, die in einem Einzellauf von je einer Runde entschieden wird. Je vier Läufer gingen gleichzeitig an den Start. Die Zeiten wurden bei allen Wertungen nicht gleich bekannt gegeben, sondern blieben bis zur Siegerehrung geheim. 23 junge Männer kämpften um den begehrten Titel, mit dem nur die Sieger der sechs Läufe rechnen konnten.

Die beiden Moderatoren, Georg Stammel auf einer Kutsche beim Start und Matthias Mayr auf etwa halber Strecke auf der Kirchenmauer, kommentierten den Rennverlauf witzig und unterhaltsam. Schon der erste Lauf war mit vier ehemaligen Dorfmeistern gespickt. Der Titelverteidiger Andreas Kramer startete in der letzten Gruppe. Auch den Meistern passierte es, dass die vier Rundhölzer bei den Hindernissen abgeworfen wurden und zeitraubend wieder eingesammelt werden mussten. Beladen wiegt ein Rennkarren 35,5 Kilogramm, der über einen meterhohen Balken, zwei querstehende Schlitten und ein Odelfass gehoben werden muss. Geschicklichkeit ist bei den Balkenwippen, Balkengittern, Bretterbrücken und -wippen gefragt.

Feuerwehr gibt den Schubkarren-Pilotinnen Hilfestellung

Beim Damenwettbewerb mit sechs Mannschaften wurden die Karren nur mit zwei Rundhölzern beladen und beim Heben über die Hindernisse halfen die Feuerwehrleute mit. Die Männer aus den 23 Gästeteams mussten das alleine schaffen. Rennleiter Rochus Mayr, sorgte dafür, dass alle Teams pünktlich an den Start gingen und erst wenn alles passte, wurde der Start mit einer Böllerkanone frei gegeben. Rochus Mayr ist der Begründer der „Schubkarrenrennen der Neuzeit“, die seit den 1980er-Jahren vom Schützenverein „Singoldtaler“ organisiert werden.

Nach etwa zwei Stunden war das 21. Schwabmühlhauser Schubkarrenrennen beendet und Teilnehmer und Besucher warteten im beheizten Zelt bei Getränken und leckeren Braten- und Würstchensemmeln auf die Siegerehrung. Bevor es so weit war, gab es noch eine besondere Ehrung. Der frühere Rennmoderator Franz Keller feierte just am Renntag seinen 80. Geburtstag. Er erhielt ein Erinnerungsfoto aus alten Zeiten mit dem ehemaligen Bürgermeister Hermann Urban und Landrat Karl Vogele als Geschenk.

Platztausch auf dem Siegerpodest des Schubkarrenrennens

Neuer Schwabmühlhauser Dorfmeister wurde Rudi Kramer, der den Titelverteidiger Andreas Kramer diesmal mit der Siegerzeit von 1:17 Minuten um zehn Sekunden distanzierte. Den dritten Platz belegte Andreas Mayr mit 1:28 Minuten. Auch bei der Gästewertung waren die drei besten Teams auf dem Stockerl die gleichen wie vor zwei Jahren, aber mit einem neuen Sieger. Das Team „Stüberl Kitzighofen II“ ließ diesmal die beiden Mannschaften von der „Hütte Aufkirch“ um 15 Sekunden hinter sich. Beim Damenwettbewerb machten die „Staudamädla“ ihrem Herkunftsort Siegertshofen alle Ehre und siegten vor den Schwabmühlhauser Lokalmatadorinnen „Turboschnecken“ und den „Einhorn Zimmerinnen“ aus Fuchstal.

Die jüngste Mannschaft, der Schwabmühlhauser Jugendchor, belegte den achtbaren fünften Platz. Die „Trinkerbells“ wurden Vierter und das Team mit den originellsten Kostümen, die „Einhorn-Bitches“ aus Großaitingen, zierte das Ende der Wertung. Die ersten drei in jeder Wertung erhielten Kuhschellen als Trophäen und Verzehrbons. Die Stimmung im Zelt erreichte bei der Siegerehrung ihren Höhepunkt, aber die Party ging noch weit in die Nacht hinein weiter. Die Siegertshofer wurden gegen vier Uhr wieder mit dem Bus abgeholt. Georg Stammel versprach ihnen eine Spanferkelpartie als „Meistpreis“ für die größte Teilnehmerzahl.

Eine Bildergalerie zum Rennen finden Sie hier

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120 Bilder
Riesengaudi beim Schubkarren-Rennen in Schwabmühlhausen
Bild: Hieronymus Schneider
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