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Schwabmünchen/Augsburg

23.07.2015

Ein Fall fürs Gericht: Gewichtszunahme im Fitnessstudio

Fitnessverträge sind zuweilen kündbar. Doch es kommt auf den Einzelfall an. Ein Beispiel aus Schwabmünchen

Kunden eines Fitnessstudios können einen Vertrag unter Umständen auch vor Ablauf der Vertragsfrist kündigen, wenn ihnen die Fortsetzung des Vertrages bis zur vereinbarten Beendigung nicht mehr zuzumuten ist. Das bekräftigte jetzt das Amtsgericht Augsburg. Es hatte deshalb über einen Fall aus Schwabmünchen zu entscheiden. Der endete allerdings mit einem Vergleich.

Zum Hintergrund: Verträge mit einem Fitnessstudio haben regelmäßig eine festgelegte Laufzeit. Den Vertrag vor Ablauf der Vertragszeit zu kündigen ist schwierig. Der oft nicht geringe monatliche Beitrag schmerzt besonders dann, wenn man das Fitnessstudio nicht mehr nutzen kann.

Kunde nimmt zu statt ab, Fitnessstudio akzeptiert Kündigung nicht

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So erging es jetzt einem übergewichtigen Schwabmünchner, der sich mit dem festen Vorsatz abzunehmen, bei einem Fitnessstudio anmeldete. Nachdem der ersehnte Erfolg ausblieb und der Kunde sogar noch an Kilo zulegte anstatt abzuspecken, kündigte er den Vertrag. Als Kündigungsgrund nannte er sein Übergewicht. Ein Arzt attestierte dem Kunden, dass er aufgrund seiner Körperfülle die Geräte nicht mehr benutzen könne.

Das Fitnessstudio akzeptierte die Kündigung jedoch nicht und verklagte auf Zahlung der ausstehenden Mitgliedsbeiträge in Höhe von etwa 1.650 Euro. Das vertragliche Risiko einer weiteren Gewichtszunahme trage der Kunde, so die Begründung der Klage.

Richter Thomas Kessler, Pressesprecher der Familienabteilung am Amtsgericht, erläutert, worin das Problem liegt: „Das Gesetz (§ 314 BGB) bestimmt, dass aus wichtigem Grund ein Vertrag auch vor Ablauf der Vertragszeit gekündigt werden kann, wenn einem Vertragspartner unter Berücksichtigung aller Umstände die Fortsetzung des Vertrages bis zur vereinbarten Beendigung nicht mehr zuzumuten ist.“

Gerichte erkennen deshalb unter Umständen einen wichtigen Grund an, wenn einem Kunden aufgrund einer Erkrankung die Nutzung des Fitnessstudios nicht mehr möglich ist. Doch in dem Schwabmünchner Fall war das zunächst genau zu prüfen.

Gericht sieht Kündigung als nicht gerechtfertigt

Das Amtsgericht Augsburg sah schließlich in der Gewichtszunahme des Kunden keine Erkrankung, die eine Kündigung rechtfertige. Das Risiko der Gewichtszunahme liege im Bereich des Kunden. Die Kündigung sei unwirksam und der Vertrag bestehe fort, so das Gericht.

Eine Entscheidung musste das Gericht nicht treffen, da sich die Fitnessstudio und Kunde doch noch einigten. Der Kunde verpflichtete sich, Mitgliedsbeiträge in Höhe von 1.300 EUR in Raten zu bezahlen. Mit dem Preisnachlass war auch das Fitnessstudio einverstanden und der Rechtsstreit damit beendet. (pit)

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