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Untermeitingen

20.01.2016

Ein Haus nur für Demenzkranke in Untermeitingen

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2 Bilder
Nicht nur in diesem Spiel: Kräftige Farben und harte Kontraste ermöglichen Senioren eine leichtere Orientierung. Das soll ihnen im Haus Lechfeld räumliche Sicherheit vermitteln.
Bild: Susanne Raffler

Das „Haus Lechfeld“ in Untermeitingen arbeitet nach einem besonderen Konzept. Die Wohngruppen sind auf die unterschiedlichen Phasen der Bewohner ausgerichtet. Was „Weite Wiese“ und „Fühl mich wohl“ bedeuten.

Das Seniorenheim „Haus Lechfeld“ in Untermeitingen soll zu einem Modellprojekt werden. Auf einem 7500 Quadratmeter großen Areal steht ein Haus mit 60 Plätzen, das ein Lebensumfeld für Bewohner in den fortschreitenden Phasen der Demenz bieten will. Dafür sind jeweils passende Wohngruppen vorgesehen. Im Februar soll das Haus eröffnen. Auf den zwei Etagen sind Räume für 45 Bewohner mit Demenz eingerichtet, die in drei Wohngruppen leben werden. Außerdem wird es eine Wohngruppe für Menschen mit dauerhaften körperlichen Beschwerden geben.

Träger ist die Johann-Müller-Altenstiftung, die bereits ein Pflegeheim in Langerringen betreibt. Geschäftsführer Michael Brzeski betont: „Das zentrale Thema in unseren Wohngruppen ist die Gemeinschaft, was aber nicht bedeutet, dass private Rückzugsmöglichkeiten nicht möglich sind.“ Neben den eigenen Zimmern gibt es Gemeinschaftsbereiche. Dort finden sich Nischen mit Sesseln, aus denen Senioren am Gemeinschaftsleben mit ein wenig Abstand teilnehmen können. Die Idee für das Haus Lechfeld hat man aus Erfahrungen im Altenpflegeheim in Langerringen entwickelt. Jeder Bewohner soll so leben können, wie es ihm entspricht. Jeder werde mit seinen Bedürfnissen angenommen und solle die notwendige Geborgenheit, Sicherheit und Versorgung finden. Sicherheit geben unter anderem unterschiedliche Farben, die eine Orientierung im Gebäude erleichtern sollen.

Es gibt vier unterschiedliche Wohnbereiche

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Solche Ansätze sind nicht neu. Viele Seniorenheime haben sie sich auf die Fahnen geschrieben, unabhängig davon, ob sie Demente in eigenen geschützten Gruppen betreuen oder nicht. Die Leitlinien im Haus Lechfeld beruhen laut Brzeski auf den Forschungen des englischen Sozialpsychologen Tom Kitwood, der die momentane Situation des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Folgerung: Mit der Veränderung der Krankheitssymptome müsse sich das räumliche, soziale und pflegerische Umfeld immer wieder anpassen, so das Konzept in Untermeitingen. Den Rahmen dafür bilden „differenzierte Hausgemeinschaften“. Das Konzept bietet Bewohnern je nach ihrer Verfassung und ihren Bedürfnissen vier unterschiedliche Wohnbereiche:

Weite Wiese Hier erhalten die Bewohner größtmögliche Bewegungsfreiheit. Ein ganzes Stockwerk mit großem Bewegungsradius ermöglicht es, sich gefahrlos und selbstbestimmt zu bewegen.

Schön, dass Du da bist Die Bewohner leben möglichst selbstbestimmt und selbstständig. Maßnahmen und Angebote werden mit ihnen abgestimmt und orientieren sich an ihren geistigen Fähigkeiten.

Lasst es uns gemeinsam tun In dieser Wohngruppe stehen das Leben in der Gemeinschaft und die Gestaltung des Alltags im Mittelpunkt.

Fühl mich wohl Hier steht für die Bewohner das verbleibende Leben im Vordergrund, der Übergang in eine palliative Versorgung (also Versorgung für Schwerstkranke und Sterbende bis zum Tod) verläuft fließend.

Dafür sind besondere Qualifikationen der Mitarbeiter notwendig. So sei ein hoher Anteil an Fachkräften mit gerontopsychiatrischer Weiterbildung vorgesehen, sagt Brzeski. Zudem Fach-Hauswirtschafter und Mitarbeiter mit Qualifikationen wie Schmerzmanagement, Aromapflege und Ernährung. Insgesamt entstehen in Untermeitingen 35 Arbeitsplätze.

Weitere Einrichtungen in der Region

In der Region gibt es bereits mehrere spezialisierte gerontopsychiatrische Einrichtungen. Auch die Arbeiterwohlfahrt setzt mit dem Christian-Dierig-Haus im Augsburger Stadtteil Pfersee einen Schwerpunkt auf Demenz. Sie hat dort zum Beispiel ein Nachtcafé eingerichtet, in dem Menschen sich aufhalten können, die ihr Zeitgefühl verloren haben. Ein schwabenweites Modellprojekt, das auch wissenschaftlich begleitet wird, sind die Pflegeoasen im Haus Lechrain der Altenhilfe Augsburg. In Gruppen mit nur je sieben Bewohnern werden dort hochgradig verwirrte Senioren betreut. Durch die homogenen kleinen Gruppen ist es möglich, die Potenziale der alten Menschen bestmöglich zu fördern. (mit kru)

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