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Bobingen

30.06.2019

Ein Manager für die Künste

Nicht allein: Der neue Vorsitzende des Kunstvereins, Rainer Ehrhardt, setzt auf gemeinsames Beraten und Entscheiden.
Bild: Ingeborg Anderson

Der neue Vorsitzende des Kunstvereins Bobingen tritt ein großes Erbe an. Er ist nun hundert Tage im Amt und setzt eigene Zeichen, vertraut aber ebenso auf die Erfahrung im Team.

Quasi in letzter Minute und aus dem Hintergrund kam im März die Rettung für den Kunstverein: Rainer Ehrhardt, Oberstudiendirektor im Ruhestand, kandidierte für das Amt des Vorsitzenden, als sich in den Reihen der Vereinsmitglieder kein Kandidat dafür finden ließ. Nach hundert Tagen im Amt setzt er Zeichen.

Über einen Zeitungsartikel hatte er von der Not des Vereins erfahren und fühlte sich angesprochen. Er trat an und wurde gewählt. Nun ist er die ominösen hundert Tage im Amt und hat die Weichen für die Zukunft des Vereins neu gestellt. „Ich sehe mich eher als Kunstbegleiter“, sagt er und berichtet, dass es eines seiner Anliegen ist, Einladungssignale auszusenden und die Galerie im Unteren Schlösschen noch mehr zu öffnen. Ein erstes Signal in dieser Richtung ist für die Jubiläumswochen im Schlösschenpark vorgesehen.

Er will ein Begleiter sein

Im Jahr 2014 hat sich Rainer Ehrhardt bewusst für die Region als Wohnsitz für seinen Ruhestand entschieden und fühlt sich sehr wohl in seiner neuen Heimat. Der Pädagoge mit den Fächern Deutsch und Englisch war langjähriger Schulleiter, zuletzt am Helene-Lange-Gymnasium in Fürth. Seine Erfahrungen bei der Organisation und Koordination einer so komplexen Bildungseinrichtung bringt er bei seiner neuen Aufgabe ein. „Ich lege besonderen Wert auf ein gutes Miteinander. Deshalb trifft sich der erweiterte Vorstand mehrmals im Jahr und berät und beschließt gemeinsam“, erklärt er.

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Was ihm besonders am Herzen liegt, ist die Kinderkunstschule des Vereins. Hier will er künftig Akzente setzen. „Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche die Möglichkeit bekommen, die Magie des künstlerischen Schaffens zu entdecken.“

In der Schule ging ihm das Herz auf

Und Rainer Ehrhardt erzählt, wie sich sein Interesse an der Magie der Kunst intensivierte: Als Schulleiter zählte es zu seinen Aufgaben, Lehrproben im Fach Kunst abzunehmen und zu bewerten. „Da fühlte ich mich zunehmend hingezogen und mir ging das Herz auf“, sagt er. Die Kunst ließ ihn nicht mehr los. Er besuchte Ausstellungen, beschäftigte sich mit Kunstgeschichte und begann sogar, Kunst zu sammeln. Unter anderem besitzt er eine Grafik von Salvador Dalí und eine Zeichnung von Charlie Brown – Erfinder Charles M. Schulz.

Der neue Vorsitzende sieht sich außerdem als Netzwerker. So sondiert er Kooperationsmöglichkeiten mit den Kunstschaffenden in Königsbrunn und Schwabmünchen und setzt natürlich auf gute Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturamt. Sein Konzept für die Ausstellungspraxis des Kunstvereins legt den Fokus nicht ausschließlich auf zeitgenössische Kunst mit überwiegend regionalen Künstlern. Das zeigt ein Projekt, das von Mitte Oktober bis Ende November stattfinden soll. Denn 2019 feiert nicht nur die Stadt ein Jubiläum, sondern auch das Bauhaus, das vor 100 Jahren in Weimar gegründet wurde. Daran soll mit Film, Vortrag, Gesprächskreis und Installation erinnert werden. Mit der Übernahme dieses Amtes hat es Rainer Ehrhardt übernommen, einen Verein zu führen, der sich seit seiner Gründung im Jahr 1987 zu einem auch überregional renommierten Kunstort entwickelt hat. Das zeigen die Bewerbungen von Künstlern um eine Ausstellung in den schönen Räumen der Galerie. Der Verein, der mehr als hundert Mitglieder hat, hat sich sowohl die Förderung der Kunst in der Öffentlichkeit als auch die Förderung seiner künstlerisch aktiven Mitglieder auf die Fahnen geschrieben.

Er muss einem großen Erbe entsprechen

Alle drei Jahre wird zusammen mit der Kreissparkasse ein hoch dotierter Kunstpreis ausgeschrieben, zu dem Bewerbungen aus ganz Bayern eingehen. Neben den Künstlern des Vereins, die regelmäßig in Ausstellungen Einblicke in ihr Schaffen geben, gab es in der Galerie auch spektakuläre Aktionen und Präsentationen, die den Kunstfreunden sicher noch in Erinnerung sind: etwa 2008 die Installation von Hama Lohrmann und Georg Kleber „Eine Brücke schlagen“, deren Holzkonstruktion das Untere Schlösschen umlief und sich dann ins Innere der Galerie ergoss. Oder die Raumgestaltung der Berliner Künstlerin Irene Anton, die dem Betrachter das Gefühl gab, sich zwischen den Synapsen eines Gehirns zu bewegen. Und nicht zuletzt 2016 die Ausstellung der international gefragten Künstlerin Dorothea Reese-Heim, die aus Hightech- und Baumarktmaterialien wunderschöne, schwerelose Objekte macht.

Rainer Ehrhardt tritt also ein großes Erbe an. Der Kunstverein Bobingen strahlt in der Region weit aus. Dem muss der neue Vorsitzende weiter gerecht werden. Bei der Auswahl der Künstler für künftige Ausstellungen setzt Rainer Ehrhardt auf die Erfahrung der Beiräte, die viele Künstler kennen, will aber auch offen bleiben: „Man kann sich für eine Ausstellung im Kunstverein bewerben. Und wir werden auch gezielt Künstler einladen.“

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