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Schwabmünchen

11.01.2019

Ein Mann und zehn verschiedene Rollen

Der Wiener Stefan Leonhardsberger überzeugte das Publikum in Schwabmünchen mit seiner Wandlungsfähigkeit.
Bild: Radloff

Auf der Bühne der Schwabmünchner Stadthalle spielt sich eine grausige Mordsgeschichte ab und das Publikum lacht. Was Stefan Leonhardsberger auszeichnet.

Eine grausige Mordgeschichte spielt sich auf der Bühne ab und das Publikum lacht sich kaputt. Was ist da los? Stefan Leonhardsberger – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn seine „One-Man-Show“ mit zwei Personen und zehn besonderen Gestalten in einer Person lassen die Neujahrstragödie, den Kabarett-Thriller Rauhnacht, zu einem einmaligen Erlebnis in der ausverkauften Stadthalle in Schwabmünchen werden.

„Da Billi Jean is net mei Bua“, das war das Erstlingswerk des preisgekrönten Stefan Leonhardsberger, dem Schwabmünchner Publikum bestens bekannt. Wer den österreichischen Satiriker allerdings zum ersten Mal genoss und einen gemütlichen Kabarettabend erwartete, der war anfangs sicherlich irritiert.

Sicherheitshinweise von Leonhardsberger bevor die Geschichte startet

Da steht ein hagerer großer, bärtiger Mann, völlig in Schwarz gekleidet, gibt Sicherheitshinweise und startet anschließend seine Geschichte auf einer schwarzen Bühne mit einem einzigen Requisit, einem Stuhl. Stimmt nicht. Die bitterböse „One-Man-Show“ ist eigentlich gar keine, denn ohne Leonhardsbergers genialen musikalischen Begleiter und Gitarren-Tonmeister Martin Schmid würde der Abend sicherlich nicht so gut gelingen – so schaurig, so fröhlich, so witzig.

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Wie das zusammenpasst? Das wird dem Leonhardsberger-Neuling im Publikum auch erst nach einiger Zeit klar. Denn der Kabarettist hat sich eine Geschichte für diesen Abend zusammengeschrieben, die es in sich hat und am Anfang nicht ganz leicht zu durchschauen ist. Mit der Zeit wird einem klar: Da ist unter anderem die Familiendynastie Röbelreiterer, die eine Schottergrube irgendwo in Österreich betreibt: Vater Rudolf, der im Suff von einem selbst erbauten Big Ben gefallen ist und im Koma liegt; die Mutter Brigitte, die es mit dem Tankwart und Riesen Andreas treibt; die ausgeflippten, kleingeistigen Söhne und Juniorchefs Robert und Ronald; die Tochter Doris, das Mord-Monster, das unter anderem ihre Brüder im Backenbrecher zermalmt; und die etwas umnachtete Oma, die mehrmals die Geschichte von der Rauhnacht, damals, vom „elektrischen Stuhl“ aus, erzählt.

Verschiedene Rollen ohne jegliche Verkleidung

All diese Charaktere, und vor allem auch noch Vater und Tochter Höllerbauer und deren tragische Geschichte, mimt das Sport-Multitalent Leonhardsberger, und das manchmal in unglaublich schneller Abfolge, voneinander getrennt nur durch eine elegante Körperdrehung, mit fantastischem Einfühlungsvermögen, starker Anpassungsfähigkeit, toller Lautmalerei, Mimik, Gestik, Motorik. Ein Mann und zehn verschiedene Rollen, und das ohne jegliche Verkleidung und kaum einen Meter Ortswechsel. Eine Kunst, die der 33-jährige Wiener hervorragend beherrscht, natürlich dank der Unterstützung von Martin Schmid.

Beide zusammen bringen das Publikum trotz der schaurig blutrünstigen Story immer wieder zum Lachen. Ein Lachen, das manchmal auch zur psychischen Entspannung von der irren Mordszenerie mit überraschendem Ende dient. Ob aus Liebe zum grusligen Krimi oder zum lauthalsen Lachen oder einer Kombination daraus, das Publikum war erfreut.

Und Veranstalter Hans Grünthaler, Chef der Buchhandlung Schmid, kann sich der Faszination des Abends ebenfalls nicht entziehen, im Gegenteil: Zum ersten mal vergibt er den Einstein für Genialität auf der Bühne: an Martin Schmid für den Soundtrack und an Stefan Leonhardsberger für die beste One-Man-Show in der Kategorie Alpenwestern und Kabarett-Thriller. (rr-)

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