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Königsbrunn

29.08.2015

Ein Naturforscher wird erforscht

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Albert (links) und Christoph Zieher haben den umfangreichen Nachlass des Augsburger Naturforschers Dr. Heinz Fischer (1911 - 1991) - hier einige der zahlreichen Karten des Lech - sondiert und ein zweibändiges Werk über sein Wirken zusammengestellt.

Das Begegnungsland Lech-Wertach gibt zwei Bänder über Dr. Heinz Fischer heraus

Das Wirken und die Wirkung von Dr. Heinz Fischer (1911 – 1991) zu dokumentieren ist eine gewaltige Aufgabe. Zwei Bände mit 23 Texten von 15 Autoren, die mit Geleitworten, Bildtexten und ausführlichen Anmerkung immerhin 636 Seiten füllen, legen die Herausgeber Albert Teichner und Christoph Zieher nun vor. Am Mittwoch, 9. September, um 19 Uhr wollen sie das Werk, mit dem die neue „Wissenschaftliche Schriftenreihe“ des Begegnungslandes Lech-Wertach startet, im Rathaus der Öffentlichkeit vorstellen.

Der Startschuss für das Projekt fiel in aller Stille im Jahr 2011, als der Geburtstag des Augsburger Wissenschaftlers 100 Jahre zurücklag. Knapp 30 Jahre hatte sein Nachlass damals schon im Königsbrunner Naturmuseum und später im Stadtarchiv geschlummert. In den vier Jahren, so betont Zieher, habe man allerdings gerade mal einen „Sondierungsgraben“ durch den umfangreichen Nachlass des Naturwissenschaftlers und Universalgelehrten ziehen können.

Der 51-jährige Grafiker und Mitarbeiter im Rathaus wählt nicht ohne Grund einen Fachbegriff aus der Archäologie. Denn wie eine verschüttete Burg, deren Inneres vorsichtig freigelegt und sachkundig interpretiert werden muss, präsentiert sich Fischers Nachlass. Rund 100 Regalmeter nehmen seine Schriften sowie die von ihm gesammelten Unterlagen, Aufsätze und Bücher im Stadtarchiv ein. 1983 hat, angeregt vom damaligen Bürgermeister Fritz Wohlfarth, die Stadt Königsbrunn das gesamte wissenschaftliche Werk Fischers erworben, als Grundstock für ein künftiges Naturmuseum. 1300 Kisten mit präparierten Insekten waren ebenfalls darunter. Im Gebäude an der Bgm.-Wohlfarth-Straße wurde die Sammlung über Jahre hinweg von nur wenigen Besucher gewürdigt. Im Zuge der Neugestaltung des Naturmuseums wurden die Insektenkästen vor einigen Jahren als „wissenschaftliche Dauerleihgabe“ im Naturmuseum in Augsburg eingelagert.

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Fischer hat den ursprünglichen Lech dokumentiert

Dem Vermächtnis von Dr. Heinz Fischer fühlt man sich in Königsbrunn weiter verpflichtet – auch deshalb, weil seine Dokumentationen und Fotos zum ursprünglichen Lech, vor der Verbauung durch zwei Dutzend Staustufen, jüngst wieder auf großes Interesse in der Öffentlichkeit stoßen.

Die beiden Bände zeigen allerdings, dass man Fischer nicht auf den Lech und nicht mal auf Naturwissenschaften eingrenzen kann. Er war, wie es schon der Titel der beiden Bände feststellt, ein „Universalgelehrter“. Fischer habe ein Jahr Philosophie studiert, ehe er sich für die Naturwissenschaften entschied und 1938 sein Studium der Biologie und Geografie mit einer Dissertation abschloss. „Er hat immer den Blick für Zusammenhänge, für das große Ganze“, stellt Zieher fest und zitiert dazu Fischer selbst: „Ein Lebewesen ohne seine Umwelt hat es noch nie gegeben.“

Auch den Lebensweg von Heinz Fischer durch acht bewegte Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts ist spannend: Er war in den 1920er Jahren bei Pfadfindern und der sogenannten „bündischen Jugend“ aktiv, in der politisch links und rechts orientierte junge Menschen zusammentrafen.

In die unberührte Wildnis des Matto Grosso in Brasilien führte ihn 1937/38 eine Expedition. Von 1941 bis 1944 organisierte er Ausgrabungen zur Heimatkunde am Goldberg bei Türkheim – und bewahrte so etwa 40 junge Menschen vor dem Kriegsdienst. Nach 1945 erforschte Fischer unter anderem intensiv die Sage vom Mäuse- und Katzenkrieg, die sich aus dem Orient in Mitteleuropa verbreitet hatte.

Einige Schwerpunkte im Wirken von Dr. Heinz Fischer werden wir bis zum 9. September in Einzelbeiträgen vorstellen.

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