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Baustelle

13.09.2014

Ein Pavillon (nicht nur) für die Lechfeldschlacht

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Zahlreiche „Schirmherren“ hatte gestern das Projekt „Regionaler Informations- und Präsentationspavillon Lechfeldschlacht“ mit (von links) Götz Beck, Chef der Regio Augsburg Tourismus GmbH, Architekt Eberhard Wunderle, Bürgermeister Franz Feigl, gleichzeitig auch Vorsitzender des Begegnungslandes Lech-Wertach, Leader-Manager Erich Herreiner, Bauunternehmer Michael Dumberger, Walter Amman von der ReAL West sowie Martin Sauter, dem Schöpfer der drei Zinnfiguren-Dioramen zur Lechfeldschlacht (siehe Bild unten).
Bild: Hermann Schmid

Auftakt für das 2,2 Millionen Euro teure Projekt. Besonders hohe Förderung hat mehrere Gründe

Während hinter dem Bauzaun schon die Arbeiten am Kellergeschoss laufen, fiel gestern vor der Bautafel der offizielle Startschuss für ein markantes Bauprojekt der Stadt. Die errichtet für 2,2 Millionen Euro zwischen der Bushaltestelle Zentrum und dem Handelsmuseum Mercateum einen „Regionalen Informations- und Präsentationspavillon Lechfeldschlacht“. 723000 Euro fließen dazu an Zuschüssen aus Töpfen des Freistaats und der EU, 100000 Euro gibt der Erholungsgebieteverein Augsburg (EVA) dazu.

Der neun Meter breite und knapp 44 Meter lange flache Bau soll im Erdgeschoss einen Ausstellungs- und Vortragsraum mit 170 Sitzplätzen aufnehmen, zudem einen Kiosk und Toiletten, die auch von außen genutzt werden können.

Im Untergeschoss – das im Frühjahr 2013 zusätzlich eingeplant wurde, die Umsetzung des Projekts verzögerte und die Kosten um eine halbe Million nach oben trieb – werden künftig die drei Dioramen zur Lechfeldschlacht präsentiert. Eines von ihnen wird seit zwei Jahren provisorisch im Foyer des Rathauses gezeigt, ein zweites soll dort in Kürze präsentiert werden.

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„Die Dioramen werden nicht in den Keller abgeschoben“, betonte gestern Bürgermeister Franz Feigl. Vielmehr sei Tageslicht eher störend, wenn man die detailreichen Szenen mit Tausenden von drei Zentimeter hohen Zinnfiguren betrachten wolle. „Wir werden den Pavillon so gestalten, dass er zum Betrachten einlädt.“

Feigl hob bei dieser Gelegenheit den Einsatz von Martin Sauter hervor, der in „mühevollster Kleinarbeit mit sehr viel Akribie“ die Kämpfe im Raum Augsburg am 9. und 10. August 955 dargestellt habe.

Der Sieg König Ottos in dieser Schlacht habe dazu geführt, dass die Ungarn ihre kriegerischen Beutezüge nach Mitteleuropa einstellten und sesshaft wurden. Die Kämpfe hatten mithin eine europaweite Bedeutung, so Feigl. Das sei auch ein Grund dafür, dass für den Bau im Rahmen der Leader-Förderung von EU und Freistaat eine besonders hohe Fördersumme bewilligt wurde.

Üblicherweise gelte eine Höchstgrenze von 150000 Euro je Einzelprojekt, erläuterte auch Leader-Manager Erich Herreiner vom Amt für Landwirtschaft in Nördlingen. Wenn hier nun fast fünfmal so viel Geld fließt, dann deshalb, weil hier „ein Eckpunkt deutscher Geschichte“ ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werde. Zudem arbeiten hier mehrere lokale Aktionsgruppen zusammen, um die Region attraktiver zu machen.

Um die volle Leader-Förderung zu erhalten, muss der Infopavillon bis Herbst 2015 komplett abgerechnet sein. Architekt Eberhard Wunderle, in dessen Büro die Pläne entstanden, versicherte, man werde „definitiv Termine und Kosten einhalten“. Realisiert wird der Bau vom Königsbrunner Bauunternehmen Dumberger.

Er fügte noch hinzu, dass die Planung öffentlicher Bauten zunehmend langwieriger werde. „Es sind komplexe Projekte – und viele sind eingebunden.“ Er sei deshalb froh, dass nun ein schlagkräftiges Team im Rathaus das Projekt begleite.

Steht der Infopavillon überhaupt da, wo die Lechfeldschlacht stattfand? Die Frage, die in der Vergangenheit besonders Kreisheimatpfleger Prof. Walter Pötzl aufgeworfen hatte, schnitt auch Bürgermeister Feigl an. Man dürfe sich die Kämpfe vom August 955 nicht wie eine Schlacht im Kino vorstellen, wo zwei Reiterheere im Galopp aufeinander zureiten, sagte er.

In Gesprächen mit Historikern habe er unter anderem erfahren, dass jeder der rund 10000 ungarischen Kämpfer acht bis zehn Pferde hatte, jeder der 5000 ottonischen Ritter zwei bis drei. So waren also in jenen Tagen ungefähr 100000 Pferde in der Region. Gekämpft wurde im ganzen Gebiet um Augsburg herum, so Feigl. „Der Standort hier steht für die ganze Region.“

Für den Infopavillon nehme die Stadt „einiges an Geld“ in die Hand, so Feigl. „Sie wird so ihrer Verantwortung für die Region gerecht.“

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