Newsticker

Erneut mehr als 11.000 neue Corona-Fälle in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Ein Schwabmünchner im „Vorhof zur Hölle“

20.02.2015

Ein Schwabmünchner im „Vorhof zur Hölle“

Tough Guy 2015: Jürgen Ober aus Schwabmünchen beim härtesten Lauf der Welt: Kälte, Schlamm, Wasser, Feuer, Qualen. Das macht den Tough Guy in England aus.
Bild: Jürgen Ober / Oberlicht

Beim „Tough Guy“ gehen die Sportler an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Jürgen Ober war zum zweiten Mal mit dabei.

Die Temperatur liegt irgendwo um den Gefrierpunkt. Das Wetter ist typisch britisch – trüb und nass. Doch statt gemütlich den Tag in einem britschen Pub zu verbringen, haben ein paar tausend Menschen etwas anderes vor. Der „Tough Guy“ in Wolverhampton steht an. Seit 1986 findet dieser Lauf in der Mitte Englands statt. Er gilt als der härteste Extremlauf der Welt. Und der Schwabmünchner Jürgen Ober ist nun bereits zum zweiten Mal dabei gewesen.

Entwickelt wurde der „Tough Guy“ von Billy Wilson, genannt Mr. Mouse, der früher Trainingscamps für Elitesoldaten entwarf. Auf 15 Kilometern Strecke packt Mr. Mouse über 200 Hindernisse. Die härtesten davon sind auf einen Bereich reduziert: Das sogenannte „Killing Field“ (Todesfeld) beinhaltet 21 Hindernisse der besonderen Art.

Zusammen mit mehr als 5000 Startern aus 37 Nationen ging Ober ins Rennen. „Alleine das Prozedere vor dem Start ist spektakulär. Mr. Mouse schreitet im Kilt umher. Von überall kommt Gebrüll“. Passend zum militärischen Hauch kommt der Startschuss des Rennens nicht aus der Pistole, sonder aus einer Kanone. Ober durfte, da dies seine zweite Teilnahe war, in der zweiten Startgruppe los. „Das ist ein kleiner Vorteil. Als Neuling geht man zuletzt ins Rennen. Da sind schon ein paar Tausend vor einem über die Hügel, dementsprechend schlecht sind dann die Bodenverhältnisse,“ erklärt er.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die ersten Kilometer der Strecke führen die Läufer an die „normalen“ Hindernisse. Unzählige Holzbarrikaden, steile Berghänge, Schlammgruben und Wasserlöcher warte auf die Teilnehmer. „Das schlimmste da war, dass man vor dem einen oder anderen Hindernis warten musste. Dann steht man klatschnass bei Temperaturen um den Gefrierpunkt rum. Das kostet fast mehr Kraft und Überwindung als das Hindernis selbst“. Nach über zehn Kilometern durch Wasserlöcher, Schlamm, an Holzwänden hoch und runter, wartet die maximale Tortur auf die Läufer: die „Killing Fields“. Typisch britisch schon die Namensgebung der Hindernisse: „Vietcong Torture Tunnels“, „Brandenburg Gate“ oder „Dragon Pool“ stehen zwischen Ziel und Läufer. „Das ist richtig hart. Man macht einfach irgendwie weiter,“ erzählt Jürgen Ober. „Der Vietcong Tunnel ist eine halb mit Wasser gefüllte Röhre. Man kriecht durch. Von der Decke hängen Stricke, an denen man sich entlang hangeln kann. Nur einige davon stehen unter Strom“, erklärt Ober. „Als wenn ein Schwergewichtsboxer dir eine verpasst“, beschreibt er das Gefühl, einen Stromstoß im Tunnel zu bekommen. Und immer wieder geht es ins eiskalte Wasser. Schwimmen, tauchen, Hindernisse überwinden. In den „Killing Fields“ scheitern die meisten der Teilnehmer. Die Hauptursache ist Unterkühlung. Aber auch Verbrennungen an den Händen oder Füssen führen zur Aufgabe. Die Veranstalter empfehlen die richtige Kleidung, dazu gehören auch stabile Handschuhe. Doch auch Abstürze können das Rennen beenden. „Bei einem Hindernis musste man in zwölf Meter Höhe ein Seil entlang hangeln. Der erste Teil der Strecke führte über festen Boden, dann kam Wasser. Ein Absturz am Anfang wäre das Ende,“ vermutet Ober.

Jürgen Ober kam unbeschadet durch, für die 15 Kilometer Qual benötigte er etwas mehr als drei Stunden. Überraschend wenig Zeit brauchte er zur Erholung. „Man so mit Adrenalin vollgepumpt, da spürt man zwei Tage lang keine Müdigkeit“, berichtet er. Auf die Frage, warum man sich einen solchen Lauf – meist kommen über ein Drittel der Läufer nicht ins Ziel – antut, zuckt er mit den Schultern. „Ich habe davon gehört und mitgemacht,“ sagt er. „Und wenn man das einmal geschafft hat, will man das wieder“. Dabei ist Ober eigentlich kein Läufer, er radelt lieber. Ob er nächstes Jahr wieder mitmacht, ist offen. Doch ganz auf solche Läufe verzichten kann er nicht. Bereits im März tritt er in Füssen beim „Allgäuman“ an. „Der wird aber nicht so hart.“

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren