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Schwabmünchen/Augsburg

09.05.2015

Ein Strick für die Tochter und etwas vermisster Schmuck

Vor dem Amtsgericht wird ein langes Familiendrama offenbar. Zu einem Urteil kommt es aber nicht.

Immer öfter, vor allem immer heftiger kreiste ein Berg in den vier Wänden der Familie im Raum Schwabmünchen. Aber letztlich wurde vor Gericht nur ein Mäuslein geboren. Die Mutter machte nämlich von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, zudem zog sie ihren Strafantrag zurück. Dabei hatte doch die Seniorin ihre Tochter wegen Diebstahls vor den Kadi gezerrt. Und das alles wegen ihrer vermeintlich abhandengekommenen Preziosen, die längst wieder aufgefunden wurden. Aber auch umgekehrt tat sich Schlimmes auf.

Einer der Höhepunkte der Auseinandersetzung war wohl der von der Mutter auf den Tisch gelegte Strick mit der Aufforderung an die Tochter: „Bring dich doch um …“ Ein entsprechendes Foto legte der Anwalt der Richterin vor. Auch Briefe der Mutter sollten nicht zuletzt Zeugnis geben von deren resoluter Art. So wurde hierin unter anderem die Tochter „ultimativ“ aufgefordert, endlich zu gehen, da sonst andere Schritte unternommen werden müssten.

Doch Richterin Martina Triebel stellte am Ende das von unterschwelligen Emotionen geprägte Verfahren ein. Dafür stellte sich in der Verhandlung ein vielleicht gar nicht so seltener Familienkonflikt umso größer dar:

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Mit der Scheidung der Tochter hatte das familiäre Drama seinen Anfang genommen. Die Frau und ihre beiden Söhne fanden damals Unterschlupf in der kleinen Drei-Zimmer-Wohnung der 73-jährigen Mutter. Doch die ungewohnte Enge führte zu Spannungen und forderte ihren Tribut, was dem Zusammenleben keineswegs förderlich war. Denn in einer „Abstellkammer“ hätte sich laut der Erklärung des Verteidigers seine Mandantin ihr Schlafdomizil eingerichtet, während ihre Söhne auf einer Couch im Wohnzimmer nächtigten.

Was anfangs noch recht harmonisch verlief, verkehrte sich alsbald ins Gegenteil. Immer häufiger kam es zu Zwistigkeiten zwischen den Generationen, so Rechtsanwalt Florian Engert. „Bald funktionierte gar nichts mehr.“ Selbst vor Drohungen wie etwa: „Ich bring dich in die Psychiatrie“, habe die Seniorin nicht zurückgeschreckt. Doch trotz vieler Bemühungen fand die 48-jährige Tochter bis heute keine für sie bezahlbare Wohnung.

Die zahlreichen Vorfälle auf den Punkt brachte Engert, als er sagte: „Auch wenn es bei Gericht nicht so gerne gehört wird: Aber das, was in dieser Wohnung ablief, war eine von der Mutter inszenierte Verschwörung.“ Auf den Diebstahl und damit den Auslöser der Anzeige ging der Verteidiger nur kurz ein, weil die angeblich gestohlenen Schmuckstücke – hier ein goldener Ring mit zwei Rubinen und einem Saphir, ein Armband und eine Halskette aus geflochtenen Goldsträngen im Gesamtwert von circa 2750 Euro – wieder aufgefunden wurden.

In Tränen aufgelöst verfolgte die angeklagte Tochter der Ausführung ihres Verteidigers. Trotz strammer Haltung recht verunsichert wirkte die alte Dame im Zeugenstand. Ob sie denn aussagen wolle, wurde die Mutter von der Richterin gefragt und wie sie es mit dem Strafantrag halte. „Mei, lass mer’s lieber. So was is halt schwer“, murmelte leise die Rentnerin.

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