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Bobingen

07.10.2019

Ein Stück aus dem Mittelalter

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2 Bilder
Stadtpfarrei Thomas Rauch und Architekt Michael Treupel freuen sich zum Abschluss der Baumaßnahme auch über das sogenannte Sichtfenster, das Steine aus verschiedenen Zeiten zeigt.

Nach der modernen Neugestaltung des Brauereiareals wurde die angrenzende Kirchhofmauer saniert. Sie scheint nun wie neu, verbirgt jedoch nicht ihr historisches Alter.

Die ersten Steinschichten der alten Kirchhofmauer auf der Nordseite von St. Felizitas wurden vermutlich schon im Mittelalter gelegt. Nach einer Sanierung scheint die Einfriedung fast neu. 180000 Euro muss die Kirche dafür aufbringen. Über die Entstehung der Mauer wird künftig neben frei sichtbaren Steinen auch eine Infotafel berichten, die dort vom Heimatverein d’Hochsträssler angebracht wird.

Bauarbeiten offenbarten den Zustand

Über Jahrzehnte lag ein großer Teil der Kirchhofmauer in einem Dornröschenschlaf. Versteckt hinter einem alten Stadel, vielen Büschen und Gestrüpp war sie zwar da – fiel aber nicht weiter auf. Sie verfiel eher. Als vor einigen Jahren die Bauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei Deuringer begannen, wurden auch die schlafenden Geister der alten Mauer geweckt, wie Stadtpfarrer Thomas Rauch sagt: „Mit Freilegung der Mauer haben wir erst gesehen, in was für einem schlimmen Zustand sie war. Da war klar, das können wir nicht so lassen, hier müssen wir sanieren.“ Armdicke Wurzelstränge hatten sich durch Lücken in die Mauer gebohrt, Regen und Erdboden für nasse Mauersteine gesorgt. Das bis dahin denkmalgeschützte Mauerstück war schwer gezeichnet.

Der Mittelteil musste ersetzt werden

Verschiedene Varianten zum Erhalt der Mauer wurden durchgespielt. Architekt Michael Treupel, der mit der Aufgabe betraut wurde, musste dann aber bald die Mitteilung machen, dass das mittlere Teilstück der Mauer statisch gesehen nicht mehr zu erhalten war. Auf Grundlage dieser Feststellung erteilte das Landratsamt die Genehmigung zum Teilabriss der westlichen Mauer. Gleichzeitig signalisierte die Pfarrkirchenstiftung St. Felizitas, dass sie den Ost- und Westteil der Mauer unbedingt erhalten wolle.

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Damit begann für Michael Treupel eine schwierige Aufgabe. Er musste – vor allem für den Westteil, der in einem wesentlich schlechteren Zustand war – einen ganzen Maßnahmenkatalog schnüren, um die Mauer zu erhalten. Die beiden Randstücke wurden denkmalgerecht saniert, obwohl die Kirchhofmauer mittlerweile aus der Denkmalliste genommen wurde.

Wurzeln drangen ins Fundament

Architekt Treupel zählt die Schäden auf: „Gerade im Westteil gingen viele Wurzeln durch den Fundamentbereich. Die Mauerabdeckung aus Beton war rissig und so konnte sich viel Feuchtigkeit im Mauerwerk absetzen.“ Das Augenmerk wurde deshalb auf das Fundament und den Abdeckungsbereich gelegt. Den Abschluss bilden nun durchgehend Abdeckungen aus Betonsteinen, die wenige Fugen enthalten.

Beim Westteil der Mauer wurde die Oberfläche zudem mit einem Trass-Kalk-Mörtel und Putzsystem überzogen, damit die Feuchtigkeit aus der Mauer entweichen kann. Es werde aber noch eine Weile dauern, bis die Mauer ganz trocken ist, ist sich Michael Treupel sicher.

Der Ostteil zeigte sich von den Arbeiten her etwas unproblematisch, obwohl früher auf diesen Teil Zementputz aufgebracht wurde. Hier wurde ein sogenanntes Sichtfenster im Putz freigelassen, welches den Blick auf die verschiedenen Mauerschichten erlaubt. Unterschiedliche Steinformate sind auf einen Blick zu erkennen. Die untersten Steine wurden vermutlich im Mittelalter dort zu einer Mauer aufgeschichtet, das darüberliegende Mauerwerk folgt diesem zeitlich nach, kann aber derzeit nicht genauer datiert werden. Über sechs Monate zogen sich die Arbeiten an der Kirchhofmauer hin, jetzt fehlt nur noch eine farblose Imprägnierung. Zudem muss der Reststreifen an der Mauer noch mit Kalkschotter verfüllt werden.

Es geht um 180 000 Euro

Die Kosten der Gesamtbaumaßnahme betrugen etwa 180000 Euro und liegen damit im von der bischöflichen Finanzkammer vorgegebenen Rahmen. 50 Prozent dieser Summe werden aus Kirchensteuermitteln bezahlt, für den Restbetrag wurden Zuschussanträge bei der Stadt Bobingen und dem Bezirk gestellt, über die aber noch nicht entschieden wurde. Die restliche Summe muss aus eigenen Mitteln bestritten werden, hier bittet die Pfarrei noch um Spenden. 

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