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Königsbrunn

25.04.2018

Ein Vollblutpolitiker nimmt Abschied

Manfred Buhl zieht sich mit 71 Jahren schrittweise aus der Politik zurück. Auch wenn er eine kleine Partei vertritt, hat er für sie und seine Ansichten große Beachtung gefunden.
Bild: Marcus Merk

Nach 25 Jahren gibt Manfred Buhl seinen Posten als Chef der Königsbrunner FDP ab. Seine Ämter im Bezirks- und Kreistag füllt er weiter aus.

Für die politische Landschaft Königsbrunns ist es eine Ära, die zu Ende geht. Nach 25 Jahren hat Manfred Buhl den Vorsitz des FDP-Ortsverbandes abgegeben. Seine politische Karriere ist allerdings nicht ganz zu Ende. Derzeit sitzt er noch im Bezirkstag und im Kreistag. Ein Rückblick auf ein bewegtes politisches Leben lohnt sich schon jetzt.

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Ein Berufspolitiker sei er nie gewesen, sagt der 71-Jährige: „Ich bezeichne mich als Vollblutpolitiker mit Vollzeitengagement.“ Der Nahverkehr war für ihn immer ein großes Thema: Als er 1978 sein Haus gekauft hat, freute er sich schon, dass 300 Meter entfernt beim Martin-Luther-Haus eine Straßenbahn-Haltestelle eingezeichnet war. Mit dem Thema Straßenbahn zog er 1996 auch in den Bürgermeister-Wahlkampf. Dass die Realisierung so viele Jahre dauern würde, hätte er damals nicht gedacht. Trotz der Begeisterung für die Tram betrachtet er viele Entwicklungen kritisch: Die Tarifreform hat er immer wieder kritisiert. Die vielen leeren Busse, die tagsüber durch Königsbrunn rollen, sieht er mit Sorge.

Politisches Engagement aus Dankbarkeit

Buhl hat gelernt, sich politisch in Szene und durchzusetzen: „Man muss ein Wadlbeißer sein, aber gemäßigt im Gespräch mit dem Bürger“, sagt er. Um wahrgenommen zu werden, müssten kleine Parteien stärker auf die Menschen zugehen. 1998 kämpfte man um Querungshilfen für Radler am Mandichosee. Also bezogen Buhl und seine Parteifreunde mit seinem Wohnmobil Stellung am Lochbach und sammelten Unterschriften: „Wir haben uns den 8. und 9. August ausgesucht, wo wegen des Friedensfests viele Augsburger dort vorbeigeradelt sind. In kurzer Zeit hatten wir 2000 Unterschriften beisammen.“ Auch deshalb wurde nicht nur am Lochbach eine Querungshilfe gebaut, sondern auch noch auf der anderen Seite des Lechs.

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Dass er sich überhaupt politisch engagiert hat, begründet Manfred Buhl mit seinem Lebensweg. Er wuchs bei seiner Tante in Augsburg-Oberhausen auf. Auf eine weiterführende Schule zu gehen, das sei nicht drin gewesen. So machte er nach dem Schulabschluss eine Lehre als Werkzeugmacher bei MAN. „Ich habe aber schon damals gespürt, dass das auf Dauer nichts für mich ist“, sagt Buhl. Ihm kommt zupass, dass die damalige sozial-liberale Koalition unter Willy Brandt die Möglichkeit schaffte, auf dem zweiten Bildungsweg zu studieren. Buhl studiert Maschinenbau und BWL, baut dann das Zentrallager des Augsburger Klinikums mit auf und wird schließlich Betriebsleiter des Bildungs- und Begegnungszentrums in Augsburg. „Dass ich mich politisch engagiert habe, war ein stückweit aus Dankbarkeit für die Chance, die mir eröffnet wurde“, sagt Buhl.

Zunächst ist er im Bürgerforum, einer Gruppierung parteifreier, am Kommunalgeschehen der Stadt und des Landkreises interessierter Bürger, das eine Mitarbeit ermöglicht, ohne gleich Mitglied zu werden. 1984 zieht er in den Königsbrunner Stadtrat ein, wo er Referent für Naherholung wird. 1990 schafft er es erstmals in den Kreistag, 1993 wird er Vorsitzender des Ortsvereins, der damals 15 Mitglieder hat und heute 44 – ein Fakt, der Manfred Buhl freut: „Woran das liegt, das ist schwer zu sagen, ob an der guten Arbeit unseres Stadtrats Christian Toth, der Arbeit des Ortsverbandes oder an bundespolitischen Zusammenhängen.“

Bei den Bezirkstagswahlen wird er sich noch einmal aufstellen lassen

Denn von den Auswirkungen der Bundespolitik kann man sich auch als Lokalpolitiker nicht freimachen – im Guten, wie im Schlechten, weiß Buhl: „Die Großwetterlage überdeckt das Lokale, das bekommt man zu spüren. 2013 ist die FDP aus dem Bundestag gefallen. 2014 haben wir nur noch einen Stadtrat bekommen.“ Er hofft, dass sich dies bei der nächsten Wahl wieder ändert. Zwei oder drei Stadträte zu haben – das wäre ein gutes Ergebnis.

Wenn er einen Wunsch frei hätte, würde er gerne die in 2014 in einer Kooperationsvereinbarung festgelegte Stabstelle „Bürgerbeauftragter“ für die FDP eingerichtet sehen, die schnelle Bearbeitung von Wünschen, Vorschlägen aber auch Kritik von Bürgern sichert.

Manfred Buhl wird bei den nächsten Wahlen aber nicht mehr in vorderster Front kandidieren. Bei den Bezirkstagswahlen wird er sich noch einmal aufstellen lassen: „Möglicherweise als Zählkandidat. Die CSU stellt immer bekannte Politiker auf, die mit ihrem Namen Stimmen anziehen. Vielleicht gelingt uns das ebenfalls.“ Die Arbeit im Bezirkstag, dem er seit 2008 angehört, hat Manfred Buhl viel Spaß gemacht: „Da wird einfach sachorientiert gearbeitet, es ist ein gutes Miteinander.“ Seiner Partei wird er weiter treu bleiben. Im Ortsverein hat er den Posten eines Beisitzers übernommen, will mit Rat und Tat parat stehen. Aber er freut sich auch auf mehr Zeit für seine Frau: „Meiner Familie bin ich sehr dankbar, dass sie mich all die Jahre unterstützt hat, auch wenn ich viel weg war.“ Neben der Partei organisierte er 20 Jahre Jazzkonzerte, baute als Vorsitzender die AWO- Begegnungsstätte mit auf, engagierte sich im Kirchenbauverein, war maßgeblich an der Gründung des Vereins Kultur lebt in Königsbrunn (KliK) beteiligt und Vorsitzender des Vereins „Walderholung“ in Augsburg.

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