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Schwabmünchen

21.04.2015

Ein antikes Stück im modernen Kleid

„Nein“ sagen die Frauen von Athen und Sparta zu ihren kriegs- und liebessüchtigen Männern, zumindest so lange, bis endlich nach Jahrzehnten des Kampfes wieder Frieden herrscht. Doch den Pakt durchhalten, das gestaltet sich nicht ganz einfach.
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„Nein“ sagen die Frauen von Athen und Sparta zu ihren kriegs- und liebessüchtigen Männern, zumindest so lange, bis endlich nach Jahrzehnten des Kampfes wieder Frieden herrscht. Doch den Pakt durchhalten, das gestaltet sich nicht ganz einfach.
Bild: Reinhold Radloff

Alfred Vogler spannt in Schwabmünchen mit der Komödie „Lysistrata“ den großen Bogen seines Schaffens. Damit endet in Schwabmünchen am Leonhard-Wagner-Gymnasium nach 21 Jahren eine Ära. 

Die Geschichte des Stücks Lysistrata ist schnell erzählt und trotzdem sehr interessant, aktuell und aufregend. Diesen Eigenschaften steht die Aufführung des Grundkurses dramatisches Gestalten am Leonhard-Wagner-Gymnasium in nichts nach und forderte die Schüler in besonderer Art und Weise.

In seiner Begrüßungsansprache wies Schulleiter Werner Altmann darauf hin, dass Alfred Vogler, dessen erstes und 21 Jahre später letztes Stück am Gymnasium vor seinem Ruhestand „Lysistrata“ war, Zeichen an der Schule gesetzt habe. Mit Vogler endet aber nicht die so erfolgreiche Ära des dramatischen Gestaltens an der Schule. Seine Kollegin Barbara Ammer wird versuchen, sie weiterleben lassen.

Lysistrata (übersetzt etwa „Heerauflöserin“) ist, so zeichnete sie Aristophanes im Jahre 411 vor Christus, eine mutige und ebenso intelligente Athenerin, die die Nase von den ewigen Kriegen, vor allem des nicht enden wollenden Peloponesischen, so richtig voll hat. Sie ruft die Frauen Athens und des verfeindeten Spartas zu einem Streik auf: Sie sollen sich ihren Männern so lange sexuell verweigern, bis Frieden herrscht.

Der Schwur wird geschlossen. Doch nach einiger Zeit beginnen die Probleme. Liebeskrank versuchen die Frauen, die Akropolis, wo sie sich verschanzt halten, in Richtung ihrer Männer zu verlassen. Und die Herren der Schöpfung? Sie wollen mit aller Macht zu ihren Frauen, ob mit kriegerischen oder herzzerreißenden Annäherungsversuchen. Nachdem nichts davon Erfolg verspricht, willigen die Männer endlich nach 20 Jahren Krieg in den Frieden ein und es wird ein großes Fest gefeiert.

Heimchen am Herd

Ein Streik war in der damaligen Zeit (rund 400 Jahre vor Christus) ein eigentlich noch unbekanntes Kampfmittel, schon gar von Frauen. Sie waren vorrangig die Heimchen am Herd, hatten sich um die Familie zu kümmern, schön zu sein und sich ihren Männern hinzugeben. Sich in die Politik einzumischen oder sie gar selbst zu machen, das war undenkbar. Aristophanes war also ein Vordenker, der überspitzt Verhältnisse aufzeigte, die nahezu Jahrtausende später erst Realität wurden.

Um die Brücke zur Moderne zu schlagen und das Jahrtausende alte Stück leicht verständlich zu machen, war es dem Chef des Grundkurses dramatisches Gestalten, Alfred Vogler, ein Anliegen, auch die Sprache und die Aufführung in ein modernes Kleid zu stecken.

Er wählte die Verbalfassung von Thomas Gehrke, überarbeitete sie schulgerecht und stellte mit einfachen Mitteln eine Inszenierung auf die Beine, die zwar an die Historie erinnert und die Aussage beibehält, aber mit modernen Mitteln bis hin zu Tablet und PC arbeitet.

Das gefiel den Akteuren natürlich. Womit sie allerdings laut Vogler ein wenig Probleme hatten, war das öffentliche Zurschaustellen von Sexualität in Wort und Gestik. Doch auch diese Scheu wurde in den Proben mit der Zeit abgebaut. Spaß machten ihnen Szenen wie Fernseh-Streitgespräche, Pressekonferenzen, das Anbieten von Merchandise-Artikeln oder Online-Wetten.

Irrsinnige Kriege, wohin man schaut

Wichtig war Vogler und den Schülern aber, nicht nur ein gelungenes Bühnenstück zur Aufführung zu bringen, sondern auch auf derzeitige Verhältnisse hinzuweisen: irrsinnige Kriege, wohin man schaut. Selbstverständlich ist die von Aristophanes gebotene Lösung heute kein Allheilmittel. Doch die Idee des griechischen Philosophen kann vielleicht dabei helfen, mit einer etwas anderen Denkweise Zwistigkeiten zu beenden.

„Alles scheint einfach ... Freundschaft kann zwischen jedermann sein ... Athen ist überall ... Auf in die Welt zum Friedenschließen.“ Diese Textbruchstücke, in etwa so gesprochen zum Schluss des witzigen, charmanten und prägnanten Stücks, regen zum Nachdenken an.

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