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Mickhausen

15.09.2019

Ein kulturelles Schwergewicht

Die Theatergruppe Mickhausen – im Bild das Ensemble von 2018 – kann heuer auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken.
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Die Theatergruppe Mickhausen – im Bild das Ensemble von 2018 – kann heuer auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken.
Bild: Walter Kleber

Die Theatergruppe Mickhausen wird 40 Jahre alt. 1979 gab es die ersten Aufführungen in der alten Schule. Wie sich das Team für die Jubiläumsspielzeit rüstet.

Auf ihr 40-jähriges Bestehen kann heuer die Theatergruppe Mickhausen zurückblicken. 1979 aus einer Ministrantengruppe und der Katholischen Landjugend hervor gegangen, ist die Theatergruppe heute ein kulturelles Schwergewicht unter den Ortsvereinen der Staudengemeinde. Seit 2013 finden die jährlichen Aufführungen im Schlosshofsaal statt. Hier hebt sich am 26. Oktober auch der Premierenvorhang für die Jubiläumsspielzeit. Die Vorbereitungen für die Komödie „Hochwürdens Ritterspiele“ rund um ein turbulentes Dorfjubiläum laufen bereits auf Hochtouren. Nicht weniger als elf Mitwirkende hat Spielleiter Gerhard Gollwitzer dafür aufgeboten.

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Unter Pfarrer Wilhelm Zettler, der 1974 nach Mickhausen kam, ließen die Ministranten der Staudenpfarrei das Theaterspiel wieder aufleben. Bei den beliebten Pfarrfamilienabenden trugen sie – unter der Regie von Max Kleber – mit kurzen Sketchen zum bunten Programm bei. Aus dieser Ministrantengruppe heraus etablierte sich dann nach und nach das Ensemble, das noch heute den „harten Kern“ der Mickhauser Theatergruppe bildet. Zunächst noch unter dem Dach der vormaligen Katholischen Landjugendgruppe, wurde in der Weihnachtszeit 1979 in der ehemaligen Schule unterhalb der Pfarrkirche das erste abendfüllende Programm aufgeführt: drei lustige Einakter mit „Steffele und Vronele“. Bereits im darauf folgenden Jahr 1980 wagte sich das junge Ensemble mit der Komödie „Ferien am Bauernhof“ an den ersten Dreiakter. In den folgenden 20 Jahren kamen mit einigen Unterbrechungen insgesamt 15 Inszenierungen auf die kleine Bühne im vormaligen Schulsaal, der nur Platz für knapp hundert Zuschauer bot. Vielen Mitwirkenden und Besuchern sind die eng gestellten Stuhlreihen und der bullernde Ölofen noch in guter, bisweilen gar wehmütiger Erinnerung.

Theatertradition reicht in Mickhausen mindestens bis in die Kriegsjahre zurück

Die Tradition des Theaterspiels reicht in Mickhausen freilich noch viel weiter zurück als ins Jahr 1979. Sie ist seit mindestens 80 Jahren durch mündliche Überlieferungen belegt. So gab es in den Kriegsjahren 1940 bis 1944 unter der Leitung von Kreszentia Drexl Aufführungen für Frontsoldaten, die auf Heimat- und Genesungsurlaub zu Hause waren. Die Rollen waren fast durchweg mit Frauen besetzt, weil die Männer im Krieg waren. Eine starke Theaterzeit erlebte die Staudengemeinde in den Nachkriegsjahren von 1946 bis 1950 unter der Leitung des Lehrer-Ehepaares Kneitinger. Gespielt wurde im Saal der Gastwirtschaft Lutz. Bühne und Kulissen waren in der Werkstatt der örtlichen Schreinerei Baur gefertigt worden. Die Bühnenbilder malte Lehrer Kneitinger direkt auf die Nessel-Bespannung. Unter dem theaterbegeisterten Pfarrer Anton Traut gingen die Mickhauser Hobbymimen in den 50er-Jahren sogar auf „Tournee“ nach Waldberg und Konradshofen. Kulissen und Requisiten wurden mit dem Traktor zu den Spielorten gefahren. Höhepunkt dieser Ära war 1955 die Aufführung des Stückes „Fahnaweih’ in Schneizlwies“, für das nicht weniger als 17 Mitwirkende aufgeboten wurden. In den 60er-Jahren, als im Fuggerschloss ein Altenpflegeheim der Stadt Augsburg untergebracht war, gab es auf Initiative von Pfarrer Max Schmid Engels- und Krippenspiele, die in den Krankenzimmern und in der Schlosskapelle aufgeführt wurden.

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1999 fiel in der bisherigen Spielstätte in der ehemaligen Schule der letzte Vorhang. Der Schulsaal wurde als Außenstelle des zu klein gewordenen Kindergartens benötigt. Für Theateraufführungen gab es im Dorf keinen geeigneten Saal mehr. Der aktive Spielbetrieb musste eingestellt werden. Seit Juni 2001 ist die Theatergruppe Mickhausen ein „richtiger“ Verein mit anerkannter Satzung. An seiner Spitze stehen im Jubiläumsjahr Vorsitzender Georg Reiter und sein Stellvertreter Gerhard Gollwitzer. Im gleichen Jahr konnte die Gemeinde Mickhausen die Ökonomiegebäude der Schlossanlage und den gesamten Schlosshof erwerben. Beim Umbau packten auch die Mitglieder der Theatergruppe kräftig mit an.

Zum Neustart in Mickhausen gab es „Die Silberhochzeit“ zu sehen

Nach 14-jähriger Zwangspause hob sich im Oktober 2013 in Mickhausen erstmals wieder der Theatervorhang. Zum Neustart wurde das Lustspiel „Die Silberhochzeit“ aufgeführt. Der neue Schlosshofsaal, im Herbst 2012 fertiggestellt und eingeweiht, bietet seither beste Voraussetzungen für das Theaterspiel. Bis zu 170 Besucher finden Platz. Als Spielleiter folgte mit dem Neustart Gerhard Gollwitzer dem zum Ehrenspielleiter ernannten Max Kleber nach.

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