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Singold

26.08.2015

Ein liebliches Flüsschen am Abgrund

Für Landschaftsarchitektin Marion Widmann  ist das Totholz im  Wasser deal  um die Strömungsdynamik zu beeinflussen sowie Lebensraum für Tiere zu schaffen.
Bild: Ingeborg Anderson

Die Singold ist eine Zierde im Süden des Augsburger Landes. Doch sie könnte ganz schnell einfach versickern. Trotzdem ist sie in der Region ein Vorzeigemodell.

In Bobingens Rathaus zeigt derzeit eine Fotoausstellung Eingriffe des Menschen in die Umwelt – negative wie positive Beispiele. Eingriffe kann man schon in unmittelbarer Umgebung bei einem Spaziergang entlang der Singold entdecken, oder sonstwo entlang dieser Lebensader im Süden des Augsburger Landes. Die gute Nachricht dabei: Seit zehn Jahren wird verstärkt und mit Erfolg an der Renaturierung des Flüsschens gearbeitet. Dabei sehen nur wenige, dass es schnell verschwinden könnte.

Singold ist immer bedroht zu versickern

Wenn die Landschaftarchitektin Marion Widmann vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth regelmäßig die Singold inspiziert, gerät sie ins Schwärmen: „Sie ist ein ganz besonderes Gewässer und muss sehr vorsichtig behandelt werden“, sagt sie. Was macht dieses Besondere aus? Neben ihren schönen Ufern ist das eine ständig lauernde Gefahr: Die Singold fließt über dem Grundwasserspiegel und es besteht daher die Gefahr, dass sie bei zu drastischen Eingriffen dorthin versickert.

Wenn Marion Widmann die wertvollsten Plätze an der Singold zeigt, sind es nicht ihre prächtigsten Postkartenansichten: keine Aussichtsplätze mit Sicht auf die angrenzenden Orte und ihre Kirchen. Es sind auch nicht die neuen Fischtreppen, die sich hier in schönen Natursteinen gefasst durch angrenzende Wiesen schlängeln. Es sind vielmehr Plätze, die der Laie einfach als verwildert ansehen könnte. Ja, das ist eben wirklich Natur, erklärt die Expertin.

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Wie Totholz Leben rettet

Und was macht sie hier an der Singold? „Ich schaue also zuerst, was das Defizit des Gewässers ist. Da setze ich an und plane, was gemacht werden soll“, beschreibt sie ihre Vorgehensweise. Das Einbringen von Totholz ist eine der bevorzugten Maßnahmen. Früher war es in jedem Fließgewässer zu finden. Es beeinflusst die Strömungsdynamik und schafft Lebensraum für Tiere.

Für junge Fische etwa in den so entstehenden Stillwasserzonen sowie für Vögel und Insekten auf den Gehölzen. Unterspülungen und Höhlen schützen die Fische vor Kormoranen. Mikroorganismen, die sich dort ansiedeln, dienen Fischen und Insekten als Nahrung. Uferaufweitungen sorgen für ruhige Flachwasserzonen und bieten Schutz vor Hochwasser.

Wie erkennt man den Erfolg der Renaturierung?

Marion Widmann zeigt, wie man die Eingriffe zur Renaturierung erkennen und ihren Erfolg beurteilen kann. Etwa, wenn im Uferbereich auf jungen Anlandungen das Rohrglanzgras wächst oder sich die seltene Wasseramsel auf einer Totholzeinlagerung niederlässt. Wenn im beobachteten Flussabschnitt das Wasser in unterschiedlicher Geschwindigkeit fließt und damit allmählich sein Bett und das Ufer formt, dann hat ebenfalls meist der Mensch mitgeholfen, natürliche Zustände wieder herzustellen.

Marion Widmann zeigt auch die Steinbuhnen, die bereits vor längerer Zeit als erste Renaturierungsmaßnahmen in den Fluss gebracht wurden, wo sie inzwischen moosbewachsen und integriert zur Lebendigkeit der Singold beitragen. Nicht willkürliche Veränderung, sondern „dem Gewässer eine Anregung geben“ ist die Devise.

Singold ist ein Vorzeigegewässer

Seit im Dezember 2005 für die Singold ein Gewässerentwicklungsplan erstellt wurde, sind zwischen Langgerringen und Bobingen mehrere Eingriffe vorgenommen worden. Zuletzt 2014 südlich von Großaitingen, wo das Ufer aufgeweitet und abgeflacht wurde. Ein wehrähnlicher Einbau – Absturz genannt – wurde entfernt. Stattdessen wurde eine „Raue Rampe“ eingebaut, was heißt, dass das Flussbett sich nun in mehreren niederen Schwellen abstuft.

Ganz begeistert ist die Landschaftsarchitektin, davon, wie gut die Singold nördlich von Wehringen auf ihre Renaturierung im Vorjahr reagiert hat: „Das ist gigantisch, da ist kein Nachsetzen nötig“, schwärmt sie. Ein Lob erhalten auch die Triebwerksbesitzer. „In Sachen Durchgängigkeit, die für die Fische wie etwa Forellen lebenswichtig ist, ist die Singold, dank der Betreiber ein Vorreiter.“ Mehrere neuen Fischtreppen zeugen davon

Damit ist der Fluss zu einem Vorzeigegewässer in der Region geworden. Und wie geht es weiter mit der Singold? „Wir beobachten, wie die Maßnahmen greifen, entscheiden dann, wo die Renaturierung weitergeführt oder ergänzt werden soll.“

SZ_Sautrog-Rennen Großaitingen (1).jpg
36 Bilder
Sautrogrennen auf der Singold
Bild: Ivanka Williams-Fuhr
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