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Königsbrunn

16.11.2017

Eine Anlaufstelle, nicht nur für die Jugend

Der Arbeitsplatz des Matrix-Teams ist auch mal an der Theke: (von links) Angi Klecker (Theaterpädagogin), Ralf Engelstätter (Leiter des Matrix), Pit Granz (stellvertretender Leiter) und Michael Rothmund (Streetworker).
Bild: Claudia Deeney

Das Matrix ist eines der modernsten Jugendzentren im weiten Umkreis. Das Team um Ralf Engelstätter bietet den Gästen die Chance, sich auszuprobieren.

„Wem gehört das Fahrrad? Dir? Ab damit zum Fahrradständer!“ So kann die Begrüßung unter Umständen ausfallen, wenn man als Bürger diese ganz besondere Außenstelle des Rathauses aufsucht und sein Rad nicht ordnungsgemäß abgestellt hat. Die Du-Form ist normal, denn die Königsbrunner die regelmäßig ins Jugendzentrum Matrix kommen, sind zwischen zwölf und 27 Jahre alt.

Der Leiter des Matrix Ralf Engelstätter und sein Stellvertreter Pit Granz sind Mitarbeiter der Stadt. Zum Team gehören außerdem Angi Klecker (Theaterpädagogin), Michael Rothmund (Streetworker) und Steve Klier (Medienpädagoge), deren offizieller Arbeitgeber der Kreisjugendring Augsburg-Land ist. Zusammen fühlen sie sich verantwortlich für die Jugend in der Brunnenstadt und haben in gewisser Weise auch einen Erziehungsauftrag.

Oft warten Jugendliche darauf, dass die Pforten sich öffnen

„Wenn hier mit Siebdrucktechnik T-Shirts bedruckt werden, müssen anschließend natürlich auch die Platten gereinigt und die Utensilien aufgeräumt werden“, verdeutlicht Engelstätter, und auch die Räder sollen eben ordnungsgemäß abgestellt werden. Das Matrix hat feste Öffnungszeiten, und am Nachmittag warten oft schon Jugendliche darauf, dass sich die Pforten für sie öffnen. Durchschnittlich kommen am Tag rund 150 Personen in das Jugendzentrum, und das liegt auch daran, dass es eine ausgedehnte Kooperation mit den Schulen in der Stadt gibt.

Vormittags finden beispielsweise SMV-Seminare des Gymnasiums oder Diskussionsrunden der Realschule statt, und abends feiert die Mittelschule eine Schulparty, natürlich ohne Alkohol. Für über 16-Jährige ist Bier erlaubt, aber auch bei Veranstaltungen für Erwachsene gebe es keinen harten Alkohol, sagt Granz. Er hat den Themenbereich Events unter sich, und die Terminplanungen hierfür laufen gut ein Jahr im Voraus. Sogar für 2019 gibt es schon Belegungen, weil nicht nur die selbst engagierten Künstler und Musiker auf der Matrix-Bühne stehen, sondern auch eine Zusammenarbeit mit zahlreichen Vereinen besteht.

„Der Faschingsverein CCK-Fantasia übt nicht nur in unseren Räumen, sondern macht hier auch Kinderbälle, und der Verein KliK nutzt gerne Bühne, Technik und Getränkeausschank in der Pause durch uns“, sagt Granz. Viele dieser Veranstaltungen sind dann auch für alle Altersgruppen gedacht. Beliebte eigene Events sind die Manga-Geschichten oder auch der Poetry-Slam. Erstes spricht die Altersgruppe der Zwölf- bis 18-Jährigen verstärkt an, Zweitgenanntes die Jugendlichen ab 16 Jahren.

Alle haben viel zu tun

Der Vorteil am Job bei der Stadt sind für Engelstätter und Granz die kurzen Wege, wie beispielsweise zum Ordnungsamt, das für stattfindende Events das Okay geben muss. Engelstätter ist fast täglich im Rathaus und hält Kontakt mit den anderen Stellen, wie dem Betriebshof, der zuständig ist, wenn es an der Außen- beziehungsweise Innenanlage etwas zu richten gibt.

Bei ihm als Leiter laufen alle Fäden zusammen, und an der Bar abhängen, wie auf dem Foto, ist daher selten angesagt. Alle haben viel zu tun. Angi Klecker ist gerade dabei das Stück „Klassenfeind“ mit 17 Jugendlichen einzustudieren. „Das ist nicht nur für die Kids, sondern auch für mich eine Herausforderung, weil die Straßensprache weit weg ist von uns“, sagt die Medienpädagogin. Damit alle, die mitmachen wollen, zum Zuge kommen, gibt es eine Doppelbesetzung.

Auf dem Spielplan stehen dann voraussichtlich sechs Abend- und drei Schulveranstaltungen. Im Juli 2018 soll die Premiere stattfinden. Neben den „Dramaturgie Kids“ (13 bis 17 Jahre) hat Klecker für die über 17 Jahre alten Schauspielfans „Dramalution“ ins Leben gerufen. Auch wer sich für veganes Kochen und Backen interessiert, ist bei ihr in den besten Händen.

Im Tonstudio dürfen sich alle Jugendlichen verwirklichen

Alle Hände voll zu tun hat auch Steve Klier. Als Medienpädagoge gehören Videoprojekte, wie „Kinder brauchen Regeln“, genauso dazu, wie Arbeiten im Tonstudio. Anfang November wurde der Clip in Zusammenarbeit mit Achim Friedrich von der St.-Gregor-Jugendhilfe vorgestellt und läuft jetzt im Königsbrunner Kino. Im Tonstudio dürfen sich alle Jugendlichen verwirklichen, solange es keinen kommerziellen Hintergrund hat. Von Rap über Hip-Hop-Aufnahmen bis hin zum englischen Hörbuch kann in der Matrix alles ausprobiert und realisiert werden.

Allein auf weiter Flur ist zurzeit Michael Rothmund in der Brunnenstadt unterwegs. Als Streetworker ist er oft abends oder am Wochenende draußen. Sein Ziel sind Orte, wo Jugendliche anzutreffen sind, um dort als Ansprechpartner präsent zu sein. Die zweite Stelle als Streetworker ist in der Brunnenstadt momentan ausgeschrieben, und Rothmund würde sich freuen, wieder eine Kollegin zu bekommen. „Es gibt einfach Sachen, die wollen Mädels nicht mit einem Mann besprechen, und sie haben Fragen, die sie mir nicht stellen wollen“, sagt er und hat dafür auch Verständnis.

Fragen und Verständnisprobleme haben aber nicht nur Jugendliche, sondern oft auch die Eltern. Auch diese sind in der Matrix immer willkommen. Das Team bietet bei Bedarf auch Beratungen an. „Und wer sich als Brunnenstädter einfach mal ein Bild, dieser besonderen Abteilung des Rathauses machen möchte, kann während der Öffnungszeiten vorbeikommen“, erklärt der Leiter und sagt: „Wir führen alle Bürger auch gerne durch die Matrix und zeigen, was bei uns alles passiert“.

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