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Staudenbahn

14.12.2019

Eine Bahnstrecke mit Geschichte(n)

Eine Bahnstrecke mit Geschichte(n)
6 Bilder

Was entlang der Strecke alles ins Auge fällt. Von alten Bahnhofsgebäuden mit Charme und Zeugnissen einer Zeit, als das „Bähla“ noch zwischen Ettringen und Gessertshausen schnaufte

Es ist eine Zeitreise: Gemeinsam mit Dieter Rothenfußer aus Langenneufnach geht es zu den Zeugnissen, die an die Geschichte der Staudenbahn erinnern.

Erster Halt: Fischach. Das dortige Bahnhofsgebäude wurde 1911 in der Standardausführung errichtet und erst später den Erfordernissen der jeweiligen Zeit angepasst. Dieter Rothenfußer hat die Details recherchiert: „Um dem steigenden Warenverkehr des aufstrebenden Marktes Rechnung zu tragen, erhielt die Güterhalle eine deutliche Verlängerung.“ Dabei sei sowohl auf der Straßen- als auch Gleisseite ein weiteres Ladetor entstanden. „Im Zuge der Zentralisierung der Weichen erhielt das Gebäude einen Anbau für das zugehörige mechanische Stellwerk“, weiß Rothenfußer. „Entlang von Gleis 2 waren die Seilzugleitungen verlegt, dort standen auch die Weichenspannwerke.“ Bald nach der Betriebseinstellung der Staudenbahn im Jahr 1991 wurden die Weichen wieder auf Handbedienung umgestellt und die Einrichtungen des Stellwerkes rückgebaut.

Im Fischacher Ortsteil Wollmetshofen lohnt ein Abstecher nicht nur zu Schloss Elmischwang, sondern auch hinab zum rund 100 Meter unterhalb gelegenen Bahnhaltepunkt. Dort befanden sich einst ebenfalls ein Agenturgebäude und ein beidseitig angeschlossenes Ladegleis. „Im Zuge einer Streckenbegradigung wurde das Haus samt Güterbereich in den 1960er-Jahren abgetragen“, weiß Rothenfußer. Heute sei nur noch ein Haltepunkt mit einem Unterstand aus Wellblech vorhanden. „Der Unterstand versprüht im Verbund mit dem Stationsschild und den drei altertümlichen Neonleuchten den Charme eines ländlichen Haltepunkts.“

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In Langenneufnach ist ein Fundament aus aufgeschichteten Steinquadern zu sehen. An dieser Stelle stand früher der Fernsprechkasten. „Hier konnte sich der Lokführer im Bahnhof nach dem Stand der Dinge erkundigen oder anmelden, dass sein Zug die Einfahrt erreicht hat“, erzählt Rothenfußer. Der Bahnhof selbst bot einst eine Besonderheit: „Auf der Trapeztafel befand sich eine zusätzliche Signalleuchte, mit der das Signal ZP11 ,Kommen’ gegeben wurde. Bei Zugkreuzungen mussten die Züge aus Richtung Augsburg immer an der Trapeztafel halten und wurden dann vom Bahnhof aus per Signal gerufen, wenn der Gegenzug aus Mark Wald im Bahnhof eingetroffen war.“ Das Empfangsgebäude strahlt heute in einem frischen ockerfarbenen Anstrich. Auch hier wurden früher die Weichen fernbedient. Aus diesem Grund besitze das Agenturgebäude einen Stellwerksvorbau, so Rothenfußer. „Nach alten Plänen war Langenneufnach sogar einige Zeit mit Flügeleinfahrtsignalen ausgerüstet, die in der Nachkriegszeit jedoch zurückgebaut wurden.“

Auf dem Bahnhofsgelände finden sich weitere interessante Zeugnisse einer blühenden Bahnvergangenheit, so die Reste eines hölzernen Prellbocks am noch vorhandenen Ladegleis und die eines Wasserkranes. Als weiteres interessantes Detail verweist Rothenfußer hinter dem Gebäude auf eine Straßenwaage für Fuhrwerke. Als Hingucker wertet er den Bahnübergang im Ort an der Schwabmünchner Straße: „An den Andreaskreuzen sind Läutewerke angebracht, so gibt es bei Zugverkehr sowohl ein optisches als auch akustisches Signal.“ Eisenbahnflair vergangener Zeiten vermitteln für ihn noch die vorhandene Wellblechbude samt Fernsprechkasten.

Halt: Gumpenweiler In Richtung Walkertshofen fällt ein großer Gebäudekomplex ins Auge: Ein ehemaliges Sägewerk mit Gleisanschluss am Haltepunkt Gumpenweiler. „Es muss nicht immer Hintertupfingen sein, wenn man von abgelegenen Bahnstationen auf dem Lande spricht“, schmunzelt Rothenfußer. Dieser Haltepunkt erreichte in der Nachkriegszeit als Militärlager eine gewisse Bedeutung. Auf dem Anschlussgleis war damals ein Lazarettzug der Bundeswehr stationiert. Als Heimatbahnhof wurde damals auf den Wagen „Gessertshausen U Hst Gumpenweiler“ angegeben. Diese Fahrzeuge waren dort bis Ende der 1990er-Jahre anzutreffen.

Beim Überqueren der Neufnachbrücke in Walkertshofen präsentiert sich der Bahnhof mit einer Weiche zum Ladegleis hin als malerisches Motiv. „Bei diesem Agenturgebäude wurde die Güterhalle ebenfalls etwas verlängert und weist zwei zusätzliche Ladetore auf“, erläutert Rothenfußer. Anders als in Fischach sei auf der Gleisseite jedoch keine zweite Überdachung angebracht worden.

In schönster Postkartenansicht zeigt sich auch der Bahnhof von Reichertshofen. Es wurde in den 1980er-Jahren mit großem Aufwand von den Staudenbahnfreunden renoviert und ist daher weitgehend im Ursprungszustand. Sogar die Stationsschilder wurden in altdeutscher Schrift neu beschriftet. „Das Ladegleis ist mittlerweile aber völlig eingewachsen, nichts kündet mehr davon, dass die Station in ihren Anfangsjahren sogar mit einem Ausweichgleis ausgerüstet war“, bedauert Rothenfußer.

Mehrfach vermietet wurde der teilweise mit wildem Wein berankte Bahnhof von Mittelneufnach. Heute steht er leer und marodiert vor sich hin. Die Station wies einst umfangreichere Gleisanlagen für den Güterverkehr auf. Neben dem heute noch sichtbaren Ladegleis führt ein Anschluss mit zwei Gleisen auch zur Baywa. „Die zugehörige Anschlussweiche liegt in der Bahnhofseinfahrt aus Richtung Augsburg“, schildert Rothenfußer. „Von den Gleisen und der Rampe auf dem Baywa-Gelände ist unter der Teerdecke allerdings nichts mehr zu sehen.“

Mittelneufnach war übrigens als letzter Bahnhof bis zur Stilllegung 1991 besetzt. „Die dortige Schrankenanlage benötigte eine manuelle Bedienung durch eine ortsansässige Bahnbedienstete.“ So sei der Warteraum bis zuletzt geöffnet gewesen. „Zumindest stundenweise konnten die Fahrgäste damals noch Fahrkarten erwerben.“

Von einem sichtbar anderen Stil ist das Gebäude des Bahnhofs von Markt Wald geprägt. Es gibt dort zwei Gleise, die Umsetzen der Lokomotiven ans andere Zugende ermöglichen. Hier enden übrigens die saisonalen Wochenendausflugsfahrten.

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