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Fischach

01.03.2020

Eine Kindertagesstätte wird zur Teddyklinik

Fischachs Bürgermeister Peter Ziegelmeier hat zur Teddyklinik Bär Rudi und Maus Bino mitgebracht. Katharina Fischer (links) und ihr Helfer verarzten den Kuschelteddy. Die Wunde wird mit rotem Wollfaden vernäht.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Plus In Fischach üben die Kinder mit ihren verletzten und kranken Kuscheltieren den Arztbesuch. Das Spiel hat einen besonderen Hintergrund.

Luca ist besorgt. Sehr besorgt. Sein Dromedar hat sich ein Bein gebrochen. Der Sechsjährige befindet sich mit seinem Kuscheltier in der Teddyklinik der Kindertagesstätte St. Vitus im Fischacher Ortsteil Willmatshofen. Vorsichtig streichelt er dem Vierbeiner über den Kopf. „Er muss schnell wieder gesund werden“, meint er. Im Schlepptau hat er ein Mammut. „Es begleitet das Dromedar , damit es nicht alleine ist.“

Auch Louis’ Kuscheltier hat es schlimm getroffen. Sein kleiner Affe „Affi“ klagt über Armprobleme. „Affi ist auf einen Baum geklettert und abgerutscht“, erzählt der Vierjährige. „Da hat es Krach gemacht.“ Seitdem schmerzt Affis rechter Arm.

Kindern soll in der Teddyklinik die Angst vor dem Arzt genommen werden

Neben Dromedar und Affe sind in der Teddyklinik vor allem Bären, Hunde, Löwen, Tiger, Hasen, Drachen und Eichhörnchen zu versorgen. „68 Kinder haben sich zur Teddyklinik angemeldet und ihre erkrankten und verletzten Kuscheltiere mitgebracht“, berichtet die Leiterin der Kindertagesstätte , Andrea Würth. „Hier werden die Plüschfreunde untersucht und verarztet.“

Auch diesem verletzten Hund kann geholfen werden. Er erhält einen Verband, damit er bald wieder ordentlich Laufen kann.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Die Idee hinter der Teddyklinik sei, den Kindern die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern zu nehmen und sie in den Behandlungsablauf aktiv mit einzubeziehen, verdeutlicht Theresa Eichinger. Sie ist die Leiterin der Jugendrotkreuzgruppe Langenneufnach und für die Aktion verantwortlich. „Damit versuchen wir, den Kleinen die Schwellenangst beispielsweise vor einem Besuch in der Arztpraxis zu nehmen.“ Sie und ihr engagiertes Team wollen Vertrauen aufbauen und einen natürlichen Umgang mit Ärzten und Pflegepersonal vermitteln. Aber auch die Initiatoren profitieren davon. „Wir lernen damit den Umgang mit den kleinen Patienten“, macht Theresa Eichinger aufmerksam.

Schnuffel hat Fieber und Bauchweh

Nachgestellt ist in der Kita ein alltäglicher Ablauf. „Die Kinder lernen, was bei einem Arztbesuch oder im Krankenhaus passiert und erleben dies aus der Beobachtungsperspektive“, erläutert Andrea Würth. Los geht es zunächst mit dem Warten. Ein bisschen Geduld ist da notwendig. Dann werden die Kinder einzeln mit ihren Plüschpatienten aufgerufen und sie nach dem Namen und der Beschwerden ihrer Kuscheltiere befragt. Mäusi, Franzi, Teddy und Schnuffel sind ebenso dabei wie Knöpfchen, Kratzi, Fridolin und Pfötchen. Die Kinder nehmen überwiegend fürsorglich die Elternrolle für ihre Patienten ein. Sie wissen genau, was ihnen fehlt: Bauchschmerzen, Fieber, Armbruch, Pfotenprellung oder Zahnweh.

Die Jugendrotkreuzler horchen mit dem Stethoskop ab, leuchten den Kuscheltieren in die Augen oder klopfen den Brustbereich ab. Meist wird eine Röntgenaufnahme durchgeführt. Dazu haben die Initiatoren einen Apparat gebaut, der fiktive Aufnahmen der geröntgten Tiere bereithält.

Nachdem die Symptome und Beschwerden abgeklärt und Diagnosen gestellt sind, geht es in den Operationssaal. Dort wird eine Narkose verabreicht, mit Wollfäden genäht und Brüche behandelt. Je nach Erkrankung legen die Ärzte fachgerecht Verbände und Pflaster an oder geben eine Spritze gegen die Schmerzen des Plüschtiers. Dabei dürfen die Kinder dem Fachpersonal assistieren und dem Kuscheltier liebevoll mit aufmunternden Worten und Streicheleinheiten beistehen. „Spätestens hier werden die wildesten Kerle zu sanften Jungs“, weiß Theresa Eichinger. Die letzte Station ist die Ausgabe eines Rezepts und der Besuch in der Apotheke.

Teddyklinik ist eine Lehre für das spätere Leben

Bürgermeister Peter Ziegelmeier zeigt sich von der Teddyklinik begeistert. Das sei eine Lehre für das spätere Leben, betont er. Auch er bringt zwei Patienten mit: Bär Rudi und Maus Bino. „Der Bär ist vom Tisch gefallen und hat sein Bein gebrochen“, sagt er bei der Aufnahme. Bino jammert über wiederholte Ohrenschmerzen.“ Klar, dass auch seinen Plüschtieren geholfen wird. Das alles sei äußerst professionell abgelaufen, resümiert Ziegelmeier. Rudi brauche jetzt Ruhe, Bino habe ein Schmerzmittel erhalten.

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