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Scherstetten

14.04.2019

Eine Putzfrau und ein Engel erklären die Welt

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3 Bilder
Gisela Schmittner, alias Gemeindeputzfrau Rosa Beutel, hat ihre ganz eigene Sicht auf die verrückte politische Welt – und damit vielleicht hier und da nicht ganz unrecht.
Bild: Marcus Angele

Beim 12. Starkbierfest in Scherstetten sorgen die Akteure für stark strapazierte Lachmuskeln. Es gibt viele freche Sprüche.

Gute Musik, gute Sketch-Einlagen, ein Engel und eine Putzfrau in Bestform: Das 12. Starkbierfest in Scherstetten bot beste Unterhaltung im ausverkauften Schützenheim. Putzfrau Rosa Beutel, mit ihren ganz eigenen Ansichten zur kleinen und großen Politik und Engel Hansi, der die Scherstetter immer ganz genau beobachtet, waren die Höhepunkte im Programm. Am Schluss sorgte die Scherstetter Blaskapelle mit bekannten Hits und Oldies noch für richtige Partystimmung im Saal.

Beladen mit Unmengen an Klopapier bahnt sich Gisela Schmittner als Gemeindeputzfrau Rosa Beutel durch das Publikum und sorgt unter anderem mit ihren überspitzten aber vielleicht gar nicht so verkehrten Ansichten zu den kleinen und großen politischen Geschehen für die ersten Lacher. „Ja, es gibt so viel Scheiß auf der Welt“, sinniert sie dahin. Bürgermeister Wippel muss wegen Platzbedarf im Kindergarten in eine Rumpelkammer umziehen. Auch der Besuch von Herrn Braun von RT1 und dessen Suche nach dem Ur-Scherstetter, der unendliche Brexit sowie einige örtliche Begebenheiten werden von ihr herrlich kurios unter die Lupe genommen.

Schulmädchen wundert sich über die bayerische Politik

Etwas später kommt die junge Rosa als Schulmädchen verkleidet noch einmal auf die Bühne und wundert sich über so manche Entscheidung der deutschen und bayerischen Politik. Auch das neue Schulfach Alltagskompetenz ist wohl nötig, da die heutigen Kinder für das praktische Leben nichts mehr von zu Hause lernen. Darum gibt es hier auch „Panieren statt programmieren“, damit bei Hunger das berühmte Schreiegg-Schnitzel klappt.

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Gisela Schmittner zeigt bei beiden Einlagen ein großes Komik-Talent, das viele Zuschauer schon vom Theater her kennen und mit begeistertem Applaus honorieren. Zwischen den Einlagen rundet die Blaskapelle Scherstetten unter der Leitung von Christoph Reiter mit bekannten Klassikern gewohnt stimmungsvoll ab.

Kopfstimmwunder beim Lieg „The Lion sleeps tonight“

Barbara Glas, Dieter Schmittner, Bernd Deschler, Frank Schrettle, Gisela Schmittner und Konrad Schreiegg sorgen mit ihren Sketchen für viele Lacher und Schenkelklopfer. Karina und Verena Wiedemann wissen schließlich noch zu jeder Krankheit den richtigen Arzt, so zum Beispiel, dass bei Hämorriden ein Ar(s)chiologe in Ägypten hilfreich sein kann. Unter der Leitung von Michaela Ruf zeigt der Männerchor neben der gesanglichen auch humoristische Begabung. So gerät der Evergreen „The lion sleeps tonight“ mit den Kopfstimmwundern Armin Kraus und Wolfgang Glas zwar äußerst amüsant aber keinesfalls zum Katzengejammer.

Schließlich kommt Armin Kraus als legendärer Engel Hansi in den Saal geflattert und er will sich diesmal nicht zum Deppen machen. Das dürfen andere. Er wollte gerne Musiker sein, sagt er. Da er aber kein Instrument spielen kann, hoffe er, dass er aufgrund seiner Trinkfestigkeit in die Blaskapelle aufgenommen wird. „Doch das sind keine normalen Menschen“, muss er sich eingestehen. Selbst die am harmlosesten wirkende Musikerin soff ihn sang- und klanglos unter den Tisch. Dann erzählt Hansi von seinen Entdeckungen in Scherstetten. Hier brilliert Armin Kraus schon teilweise deftig, aber nicht beleidigend. Und selbstverständlich kommen die Anwohner vom Zipfel, dem südlichen Gemeindebereich, und aus Erkhausen auch wieder gewohnt richtig dran. Doch am Schluss wird er nachdenklich und trägt ein Gedicht über das Aussterben der Bauern vor – denn wenn man die Bauern kaputt macht, rettet man noch lang keine Biene. Mit einem „Sauft´s it so viel, trinkt´s lieber ein Bier“, verabschiedet er sich bis zum nächsten Mal.

Es ist in Scherstetten ein Fest, wenn die Schützen und Musiker im zweijährigen Rhythmus zum Starkbierfest einladen. Schon die Begrüßung von Karina Wiedemann und Thomas Kösters gelingt sehr witzig, wenn sie sich gegenseitig zu den „nötigen“ Hinweisen zum Datenschutz und dem dritten Geschlecht perfekt die Bälle zuspielen. Ihr besonderer Respekt gilt den Mitgliedern des Theatervereins, die neben den jüngsten Aufführungen auch noch Zeit fanden, für das Starkbierfest an den Sketchen und Einlagen mitzuarbeiten. Danach meistert „Dorfwirt“ Martin Schreiegg mit nur zwei Schlägen den Anstich für das erste Fass Starkbier souverän. Und zum Ausklang des Starkbierfests zeigen die Musiker der Blaskapelle die ganze Bandbreite ihres Könnens und sorgen für richtige Partystimmung im Schützenheim.

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