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20.01.2010

Eine kritische frohe Botschaft

Landkreis Augsburg Neujahrsempfänge ohne Festvortrag sind wie Silvester ohne Raketen: Es geht auch ohne, aber mit kann's ein richtiger Kracher werden. So wie am Sonntag zur blauen Stunde, als die Freien Wähler ins Landratsamt geladen hatten. Der Empfang, vor einem Jahr noch im Foyer stattfindend, wurde diesmal in den dritten Stock, in die Kantine, geliftet. Die war bald dermaßen überfüllt, dass ein großes Tische- und Stühlerücken notwendig war, um alle Besucher unterzubringen.

Gekommen waren Freie Wähler und Kreispolitiker aller Fraktionen. Sichtbares Zeichen, dass der Kreistag der Periode 2008/2014 durchaus harmonisch zusammenarbeitet. Dies würdigten FW-Fraktionschef Johann Häusler und Landrat Martin Sailer (CSU) gleichermaßen und durften sicher sein, keinen Widerspruch zu ernten. Begleitet von der Musik des Biberbacher Dreigesanges und dürstend nach Leberkäs und Bier wartete man dann auf den Vortrag von Prof. Dr. em. Hanspeter Heinz, katholischer Moraltheologe an der Universität Augsburg. Schon sein erster Satz hat möglicherweise die Herzen der Zuhörer höher schlagen lassen. Er werde nicht länger reden als ein Rosenkranz dauert. Sprich: 20 Minuten.

Hat jemand mitgestoppt? Wohl kaum, denn Heinz sprach so kurz und prägnant und mit so viel schwungvollem Witz, dass die Rede wie im Flug vorbeizog. Und doch blieb so einiges zum Nachdenken hängen. Etwa, als er die Werte beschrieb und die Tabus in der Kirche. Wie die Homosexualität. "Es gibt zirka 20 Prozent homosexueller Priester in der katholischen Kirche", sagte Prof. Heinz, "aber nicht dass sie alle aktiv sind". Warum dann aber die Kirche die Homosexualität so verteufelt habe?

Vor den Schmeichlern schützen

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Oder der Fall "Donum Vitae", der die Kirche die Beratung von Schwangeren untersagt habe. Für den Moraltheologen ist das "unterlassene Hilfestellung". Er fügte eine hochinteressante Zahl an: Im katholischen Spanien sei die Abtreibungsrate um 60 Prozent höher. Oder das Verhältnis Juden-Christen, das auf einer Theologie der Verachtung basiere. Dies habe Hitlers Weg mitbereitet. Heinz: "Dazu kann ich nicht schweigen." Ein weiteres Ärgernis: die Benachteiligung der Familien.

Einen Rat an die Politiker gab's gratis obendrauf: "Nicht vor den Gegnern schützen, sondern vor den Schmeichlern."

Fragen stellen, Themen anmelden und wo man ein Echo finde, dieses anpacken, so sein Credo. Der Professor warnte allerdings davor, dazu gleich Lösungen anzubieten; Probleme müssen zusammen gelöst werden und nicht nur von denen da oben. Dr. Heinz: "Ein Großteil des Sachverstandes liegt da unten."

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