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Langerringen

04.07.2020

Eine lange Reise: Wie eine Flaschenpost nach zwei Jahren ankam

Der neunjährige Benedikt und seine Eltern Beate und Markus Müller freuten sich darüber, dass seine Flaschenpost nach zwei Jahren von Katrin Schedler (rechts) und ihrem Hund Kitaro gefunden wurde.
Bild: Hieronymus Schneider

Plus In Gennach wirft Benedikt Müller seine Flaschenpost ins Wasser. Er kann es kaum fassen, als er zwei Jahre später auf einmal einen Anruf bekommt.

Nach dem Training beim Schäferhundeverein ging die Konradshoferin Katrin Schindler mit ihrem 15 Monate alten belgischen Schäferhund Kitaro noch an der Wertach entlang spazieren. An der Wasserwachtstation angekommen entdeckte Kitaro einen schwimmenden Gegenstand inmitten der Wertach. Der sprang sofort ins Wasser und holte das Ding an Land: Es war eine Plastikflasche, in der ein Zettel steckte. Katrin Schindler schraubte den Deckel ab und konnte den Absender der Flaschenpost entziffern. Es war Benedikt Müller aus Gennach, der seine Telefonnummer daraufgeschrieben hatte und den Finder um einen Anruf bat.

Idee für die Flaschenpost kam durch Pippi Langstrumpf

Den Wunsch erfüllte ihm Katrin Schindler – der neunjährige Benedikt war völlig überrascht, denn er hatte seine Flaschenpost schon vor zwei Jahren abgeschickt und inzwischen längst vergessen. Auf die Idee zur ungewöhnlichen Post hatte ihn Pippi Langstrumpf gebracht. Benedikt hatte im Fernsehen Astrid Lindgrens Kinderfigur gesehen. „Pippi hat eine Flaschenpost ins Meer geworfen und da dachte ich, das mache ich auch“, erinnert sich Benedikt.

An der Brücke beim Gennacher Kindergarten warf er schließlich seine Nachricht in der Flasche in die Gennach. Benedikt hoffte, dass seine Flaschenpost sehr weit kommen würde und verfolgte sogar den möglichen Weg bis ins Schwarze Meer in seinem Schulatlas: Gennach – Wertach – Lech – Donau. Insgeheim hoffte Benedikt, dass seine Oma, die in Augsburg-Lechhausen nah am Lech wohnt, seine Post bekommen würde. Doch so oft er auch bei ihr nachfragte, bekam er zur Antwort: „Nein, ich habe noch keine Post von dir bekommen.“

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Geschenk für den Absender

Dass die Flaschenpost in zwei Jahren nur bis nach Schwabmünchen gekommen ist, erklärt sich Benedikt so: „Sie muss wohl irgendwo hängen geblieben sein und ist jetzt erst freigespült worden, als es so stark geregnet hat.“ Jedenfalls freute er sich, als sich die Finderin bei ihm meldete und ihr bei der Übergabe an der Wasserwachtstation ein kleines Geschenk übergab.

Mit dem eigentlichen Finder, dem Hund Kitaro, freundete sich Benedikt gleich an und der zeigte mit von Benedikt geworfenen Stöckchen, wie er in Zukunft noch andere Flaschen mit Post aus dem Wasser fischen kann.

Geheimnisvolle Flaschenpost taucht bei Sanierung auf

Es gibt noch andere kuriose Post, die erst nach Jahren entdeckt wurde. Bei der Generalsanierung des historischen Wasserschlosses Mickhausen entdeckten Archäologen unter der Holzschwelle einer Türe eine Flaschenpost. Sie stammt aus dem Jahr 1930.

Unter einer Türschwelle kam eine Flaschenpost aus dem Jahr 1930 zum Vorschein, versteckt in einer Bierflasche der örtlichen Schlossbrauerei.
Bild: Melanie Zobl, Archaeograph

Vier Schüler der zwischen den beiden Weltkriegen im Schloss untergebrachten Gräflich von Rechberg’schen Forstschule hatten in einer Bierflasche der örtlichen Schlossbrauerei eine kurze Nachricht mit ihren Namen hinterlassen: „Gepflastert von den Forstschülern Ludwig Laip, Paul Tillmann, Hubert Steidle, Hans Schüle am 11.7.1930 – R.I.P.“ Der arg verrostete Bügelverschluss der Flasche trägt den Namen des vormaligen Brauereibesitzers Alois Kurz, des Großvaters der heutigen Besitzer Sophia und Helmut Prinzing. Was die Schüler damit sagen wollten, bleibt ein Geheimnis.

Postkarten kommen nach eineinhalb Jahren an

Apropos Geheimnis: Nie geklärt wurde vor Jahren, warum zwei Postkarten erst nach eineinhalb Jahren ankamen. Abgeschickt hatten sie eine Königsbrunnerin und ein Schwabmünchner – sie wollten am Weihnachtsrätsel für junge Leser im Jahr 2001 teilnehmen. Erst im Mai 2003 erreichten die beiden Postkarten ihr Ziel. Bei der Deutschen Post ließ sich nicht mehr feststellen, was der Grund für die verspätete Zustellung war. „Bei Millionen Briefsendungen im Jahr kommt so etwas sehr, sehr selten, aber leider doch immer wieder mal vor“, ließ ein Post-Pressesprecher damals wissen. Eine Postkarte könne im Briefverteilzentrum auf dem Weg durch die Maschinen schon einmal hängen bleiben und hinter eine Abdeckung geraten.

Entdeckt werde sie erst dann, wenn es einen Defekt gibt, oder bei Wartungsarbeiten. Andere Möglichkeit: „Es rutschten schon mal solche Sendungen hinter den Briefverteilschrank und blieben dort stecken, bis man ihn nach Jahren mal wegrücken musste.“ Einmal habe sich eine Briefsendung in der großen Austragetasche eines Postboten verklemmt und blieb dann hinter einer Abdeckung lange unsichtbar. „Es ist ja bekannt: Wir hatten schon Fälle, da waren Sendungen 40 Jahre unterwegs. Aber das alles sind absolute Ausnahmen. Bei einem Massenbetrieb ist das nie ganz auszuschließen“, so der Sprecher der Post in München. Irgendwann einmal, das zeige die Erfahrung, tauchen aber auch gut versteckte Dinge wieder auf. (mit wkl)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar zum Thema: Wenn die Dinge dauern

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05.07.2020

Ich muss mich schon sehr über die Dimension dieses Artikels samt Kommentar wundern.

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