Newsticker
Impfkommission Stiko empfiehlt AstraZeneca jetzt auch für über 65-Jährige
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Eine mysteriöse Geschichte im Hotel Krone

Königsbrunn

21.01.2019

Eine mysteriöse Geschichte im Hotel Krone

Auch nach der Lesung von Jörg Stuttmann hatte das Publikum noch viele Fragen und Anmerkungen. Manche Geheimnisse um das Leben von Kaspar Hauser werden wohl nie mehr geklärt werden.
Bild: Marion Kehlenbach

Synchronsprecher Jörg Stuttmann zeichnet in Königsbrunn das Leben Kaspar Hausers nach. Immer noch rangt sich so manches Geheimnis um diese Geschichte.

Mysterien faszinieren immer, glaubt Jörg Stuttmann und erklärt so das Interesse an seinen Lesungen zum Thema Kaspar Hauser. Und der Fall ist mysteriös. Es geht um einen jungen Mann, der 1828 in Nürnberg völlig verwahrlost aufgegriffen wird. Er kann zu seiner Person kaum Auskunft geben, von den beiden Schreiben, die er mit sich führt, ist zu mindestens eins gefälscht und dass am Oberrhein zehn Jahre zuvor eine geheimnisvolle Flaschenpost gefunden wurde, wussten die Menschen in der fränkischen Stadt nicht.

Einfühlsam skizziert Stuttmann die Stationen des Findlings, liest aus Briefen und Berichten, Zeitungsartikeln und Büchern. Das rätselhafte Erscheinen des Jungen beschäftigte die Menschen damals sehr stark, deshalb gäbe es viele historisch verbriefte Dokumente. Aber aufklären konnten die Menschen vor 100 Jahren den Fall letztendlich nicht.

Frühkindliche Erinnerungen an ein Wappen

Gerüchte halten sich, dass Hauser ein badischer Erbprinz sei und aus dem Weg geschafft wurde, damit eine Nebenlinie in der Erbfolge zum Zuge kommt. Beweise gibt es keine, aber viele Indizien: Frühkindliche Erinnerungen an ein Wappen, eine Impfnarbe, wobei sich doch nur Reiche diesen medizinischen Luxus leisten konnten und ein englischer adeliger Gönner, der ebenso ein badischer Spion sein könnte. Und dann war da noch die Angst Hausers, einem Attentat zum Opfer zu fallen, was dann auch fünfeinhalb Jahre später der Fall war - oder brachte sich der junge Mann die Schnittwunden doch selber bei, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten?

Wer Stuttmann zuhört, spürt seine positive Grundhaltung zu Kaspar Hauser und seiner Geschichte. „Ich habe immer das Bedürfnis, diesen armen, rumgeschubsten Bub in den Arm zu nehmen“, gesteht der Referent im Gespräch mit unserer Zeitung. Viele Berichte von Zeitzeugen sagen mehr über diese Personen aus, als über Kaspar Hauser, ist Stuttmann überzeugt, und sie seien sehr entlarvend. Lehrer Meyer und seine Frau beispielsweise unterstellten Hauser, berechnend zu sein und er suche „Zuflucht zur Unwahrheit“.

„Der entzauberte Prinz“

 Und Stuttmann erinnert: 1996 titelte der Spiegel „Der entzauberte Prinz“ und führte Untersuchungen von Genforschern an, wonach Hauser nicht der badischen Herzogsfamilien entstammen konnte. Damals war das Genmaterial noch fraglich. 2002 habe ein neuer Abgleich mit verlässlichem Genmaterial eine Übereinstimmung von 99,97 Prozent gehabt, so Stuttmann und bekräftigt: „Ja, Hauser war ein badischer Prinz.“

Die Faszination, die diese Geschichte immer noch ausübt, war im voll besetzten Wintergarten des Hotels Krone deutlich spürbar. Sehr still und aufmerksam verfolgten die Besucher die Lesung Stuttmanns.

Den Geschmack des Publikums getroffen

Stuttmann lebt in Aystetten und ist Schauspieler, Synchronsprecher, Schriftsteller, Maler und einiges mehr. Petra Kramer vom Vorstand des Kulturvereins KliK holte den Multikünstler (zum wiederholten Male) nach Königsbrunn. „Ich schätze seine Art sehr, wie er Themen aufgreift und sie präsentiert“, sagt sie. Und dass sie damit den Geschmack des Publikums getroffen hat, zeigt der mit gut 60 Zuhörern voll besetzte Veranstaltungsraum.

Die Neugierde von Besucher Holger Venghaus und Berta Pilz auf diesen Fall weckte ein Besuch in Ansbach, wo das Attentat stattfand. Im Hofgarten erinnert ein Gedenkstein an den berühmten Findling. „Heute Abend wollten wir mehr dazu erfahren und wenn es erzählt wird, bleibt es noch mehr im Gedächtnis“, erzählt Pilz. Ihr Resümee: „Das war ein lehrreicher und interessanter Abend.“

Mehr Fragen als Antworten

Besucher Stephan Huber war bereits vorher mit der Materie sehr vertraut, aber das Ergebnis der neuen Genanalyse kannte er noch nicht, wie er sagt. Doch es gäbe sehr viele vernünftige Argumente, die diese These unterstützen würden, findet Huber und fragt dann noch: „Aber warum entlässt man Hauser in die Freiheit, wenn man ihn sowieso umbringen wollte?“ Die Geschichte um Kaspar Hauser wird wohl immer mehr Fragen als Antworten haben.

  • Termin Die nächste Veranstaltung von KliK findet am Samstag, 9. Februar, um 20 Uhr im Pfarrsaal Zur Göttlichen Vorsehung statt. Dann spielt das Augsburger Kammerorchester Mozarts Symphonie Nr. 29, Violinkonzert Nr. 5.
Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren