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München überschreitet Corona-Grenzwert

17.10.2009

Einsatz auf vier Pfoten

Schwabmünchen Aika spitzt die Ohren. Der Welpe hat Witterung aufgenommen. Jetzt muss alles schnell gehen: die Tasche, der Rucksack oder die Jacke. Irgendwo ist es versteckt, das Päckchen mit dem Tabak. Kein Problem für den fünf Monate alten Labrador. Aika läuft los, schnuppert, bleibt stehen, steckt ihre Schnauze in die große Tasche - die Beute ist sichergestellt.

Was aussieht wie ein Spiel, ist in Wirklichkeit hartes Training. Bei Profi-Dog in Schwabmünchen bilden Wieland Schuhmeir und Gabriella Beck Welpen als Zigarettenspürhunde aus. Seit Mai dieses Jahres trainieren sie auf dem 2000 Quadratmeter großen Gelände in Schwabmünchen Hunde aller Rassen für Spezialeinsätze: zur Drogen-, Tabak- oder Sprengstoffsuche, für die Jagd, als Polizei- oder Hirtenhunde. Ihre Kunden sind die Polizei, die Bundeswehr, der Zoll - aber auch Familien, die mit ihrem Vierbeiner nicht mehr klarkommen.

Das Training wird auf den Charakter des Tiers abgestimmt

Aika wird für die englische Polizei ausgebildet. Was für den Welpen jetzt noch ein Spiel ist, wird in eineinhalb Jahren Ernst sein. Dann soll Aika mehr als 10 000 Euro wert und bereit für ihren Undercover-Einsatz als Zigarettenspürhund am Flughafen in London sein. Dann wird es nicht mehr nur um ein Päckchen Tabak gehen, sondern um Schmuggelware, um den illegalen Zigarettenhandel im großen Stil. Bis es so weit ist, liegt noch viel Arbeit vor Aika und ihren beiden Freunden, wie die Trainer sich selbst bezeichnen.

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Fünf Hunde bilden sie derzeit aus. Von Montag bis Samstag, zweimal täglich zwischen 30 und 60 Minuten wird geübt und gespielt - ganz individuell auf jeden Hundecharakter abgestimmt.

Für Wieland Schuhmeir ist das jeden Tag eine Herausforderung: "Der Hund ist keine Maschine, die programmiert werden kann." Viel Geduld, Aufmerksamkeit und Begeisterung sind deshalb das Werkzeug für die Arbeit mit den Vierbeinern. "Mit Hunden zu trainieren ist wie die Kindererziehung. Wir müssen ständig am Ball bleiben", sagt der 41-jährige Diplom-Forstwirt.

Vor acht Jahren hat er ein eigenes Trainingssystem entwickelt und beobachtet, wie das Verhalten von Hunden im Rudel funktioniert. Denn dort den Tieren einiges abverlangt - wie eben auch im Training. "Um die Hunde für ihren Dienst fit zu machen, werden sie Extremsituationen und Stress ausgesetzt", sagt Gabriella Beck.

Vor zwei Jahren hat die ehemalige Speditions-Chefin Wieland Schuhmeir kennengelernt und sich von seiner Begeisterung für Hunde anstecken lassen. Die Arbeit mit den Tieren ist für die 47-Jährige genau das Richtige: "Das hab ich in den Genen."

Trainiert wird im Wechsel zwischen Übungen und anschließendem Spielen. "Es geht darum, das Verhalten und die Natur des Hundes zu fördern", erklärt Wieland Schuhmeir. In ganz Europa suchen er und Gabriella Beck nach Welpen, die sich für die Ausbildung eignen. "Wichtig ist vor allem der Spieltrieb. Er wird durch die professionelle Erziehung für die Suche nutzbar gemacht", erklärt Wieland Schuhmeir.

Der Spieltrieb des Hundes macht die Suche möglich

Schließlich geht es am Ende der Ausbildung darum, dass die Vierbeiner große Mengen an von Schmugglern versteckten verbotenen Substanzen finden. Geübt wird aber nicht mit echten Drogen oder Sprengstoff - das wäre nicht nur illegal, sondern auch gefährlich. Beim Training werden Ersatzstoffe eingesetzt. Bis zu 26 verschiedene muss der Hund am Ende der Ausbildung erkennen können.

Ob Aika wirklich für den Einsatz als Zigarettenspürhund geeignet ist, prüft die englische Polizei in einigen Monaten. Dann heißt es für die Trainer schweren Herzens Abschied nehmen. "Das ist furchtbar, da weine ich erst einmal zwei Tage", sagt Gabriella Beck. Ihr Kollege nickt: "Das ist, als ob man einen guten Freund verkauft."

Für Aika ist das alles noch ganz weit weg. Der kleine Labrador hat Witterung aufgenommen, jetzt zählt nur eines: Das Päckchen mit Tabak muss gefunden werden.

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