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15.02.2020

Elmar Pfandzelter war in Gefangenschaft

Elmar Pfandzelter hat den Krieg und Gefangenschaft hautnah erlebt.

Elmar Pfandzelter, Jahrgang 1924, wollte Bankfachmann werden und pendelte dafür jahrelang nach Augsburg in die Handelsschule. Dort lernte er Englisch und Französisch, was ihm später von großem Nutzen sein sollte. Kaum hatte er die Schule beendet, unterschrieb er einen Ausbildungsvertrag bei der Sparkasse in Schwabmünchen. Doch zur gleichen Zeit erreichte ihn sein Einberufungsbescheid.

Die Grundausbildung fand in Pfronten statt, die Fachausbildung zum Gebirgsjäger in Sonthofen. Seinen 18. Geburtstag, sagt Pfandzelter trocken, habe er mit 50 anderen Soldaten im Güterwaggon auf dem Weg in die Ukraine zur Kenntnis genommen. Die Einheit wurde an die Front am nördlichsten Eismeer bei Murmansk gesandt.

Die Frontlinie bestand aus einfachen Holzhütten, Pfandzelter war als Funker eingesetzt. Direkt hinter dem Stacheldraht standen russische Soldaten. Pfandzelter erlebte die Grausamkeiten des Krieges aus nächster Nähe: Bei einem Bombenangriff wurde sein Nebenmann im Schützengraben von einer Rakete getötet – wie etwa die Hälfte aller Männer seiner Einheit.

Elmar Pfandzelter war in Gefangenschaft

Pfandzelter hatte Glück und überlebte. Nach Kriegsende wurde er von britischen Soldaten in Gefangenschaft genommen, an die Amerikaner übergeben und per Zug nach Rüdesheim am Rhein verbracht. Es waren die berüchtigten Rheinwiesenlager, in denen rund 80000 Gefangene tagelang ohne Nahrung der Witterung ausgeliefert waren. Von dort ging es per Zug in ein Arbeitslager an die Nordküste Frankreichs. Pfandzelter erlebte die Gefangenschaft als weitaus schlimmer als die Kriegszeit. Dem ständigen Hunger, der Hoffnungslosigkeit und dem Hass ausgesetzt zu sein, sei traumatisch gewesen.

Auch die Rückkehr nach dem Krieg war mit vielen Komplikationen verbunden – erst im August 1948 erreichte er Schwabmünchen. Pfandzelter arbeitete sich zum Prokuristen bei der Firma Zettler hoch, wurde Bürgermeister von Schwabmünchen, ist heute Ehrenbürger der Stadt und in vielen Vereinen aktiv.

Zur gegenwärtigen politischen Lage in Deutschland hat Elmar Pfandzelter eine klare Haltung: „Gefallen tut mir das nicht. Es läuft jetzt genauso wie damals in den 1920er-Jahren. Da sehe ich eine große Gefahr auf uns zukommen.“ Seine Erinnerungen hat er niedergeschrieben – aus einem einfachen Grund: „Das darf nicht vergessen werden.“

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