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Kabarett

28.04.2015

„Entscheidet Euch und macht Fehler“

Gestik, Mimik und Komik, das ist bei Florian Schroeder eine Einheit. Und alles zusammen macht mit seinem gekonnten Wortwitz den Erfolg des Kabarettisten aus.
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Gestik, Mimik und Komik, das ist bei Florian Schroeder eine Einheit. Und alles zusammen macht mit seinem gekonnten Wortwitz den Erfolg des Kabarettisten aus.

Wie Florian Schroeder sein Publikum in Bobingen faszinierte

Ketchup oder Majo? Fahrrad oder Auto? Laptop oder Tablet? Mieten oder kaufen? Heiraten oder nicht? Kinder ja oder nein? Fragen über Fragen. Sie alle sind schwierig zu beantworten, weil es unendlich viele Argumente und Variationen gibt. Nur eine Frage ist einfach und eindeutig zu beantworten: Zu Florian Schroeder in sein Programm „Entscheidet Euch“ gehen? Ja.

„Wein und Kabarett“, diese Mischung von Gernot Albes ist in Bobingen inzwischen zu einer festen und sehr beliebten Einrichtung geworden. Und auch der bereits dritte Auftritt in der Stadthalle von Florian Schroeder war wieder gleich ausverkauft. „Entscheidet Euch“ hieß diesmal sein Programm, das zu Begeisterungstürmen führte.

Wer sich, müde nach getaner Arbeit, einfach nur berieseln lassen wollte, war fehlt am Platz. Denn Schroeder spricht so schnell, so pointiert, so geistreich, so durchdacht, dass der Zuhörer Mühe hat, all den perfekt ausgedachten Gags, Gedankengängen, Gefühlen zu folgen. Gut, dass der Kabarettist seine Stimme durch Gestik und Mimik tatkräftig unterstützt, um leichter seine Spitzfindigkeiten, seine Ideen, seine Weltanschauung zu verstehen, bevor der nächste satirische Hammer kommt. Und der studierte Germanist und Philosoph verlangt seinem Gast noch mehr ab: Kenntnis des sozialen und politischen Zeitgeschehens, der Historie, literarisches Grundwissen und das Gespür für den Unterschied zwischen ernsthafter Meinung und Satire.

Natürlich bedient er auch Klischees wie die Gestik und Sprache unserer Kanzlerin, das ausufernde Gebaren von Marcel Reich-Ranicki, die Mimik und den Witz von Ottfried Fischer, die Unwissenheit und die Interview-Schwäche von Günther Öttinger, immer garniert mit dem jeweils passenden Dialekt.

Die Grundthemen des Abends aber waren, wie Schroeder sagte: „Von der Zeugung bis zur Leiche: Vergleiche, Vergleiche“ sowie die Angst vor einem Fehler, die Optimierungssucht, die Entscheidungsangst in allen Frage des Lebens. Von der Pizzabestellung bis zur Partnerwahl, der Berliner schaute dabei dem Volk ganz genau aufs Maul und ins Hirn der Menschen. Zudem charakterisierte er treffend. Und nicht nur das: Seine Sozialkritik gipfelte darin, die Weltanschauung unserer Zeit zu geißeln und den Blick auf das Einfache, das Normale wieder zu öffnen und mal wieder nachzudenken. Und weil die Begeisterung für seine ureigenste Art von Kabarett in Bobingen so groß war, versprach Schroeder wiederzukommen.

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