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Comedy I

22.02.2016

Er bringt die Stars in die Stauden

Chris Boettcher (links) und Karl von der Kulturschmiede boten einen Wortwechsel.

Chris Boettcher holt in Mittelneufnach viele Promis auf die Bühne – allerdings nur mit seiner Stimme

Seit Wochen war die Vorstellung von Comedian Chris Boettcher schon ausverkauft, endlich konnten Karl Scheid und seine Mitstreiter in der Kulturschmiede den bayerischen Comedian auf der Bühne des Gemeindezentrums Mittelneufnach zum „Wohnzimmerkonzert“ begrüßen. Es machte Boettcher sichtlich Spaß, mit seinem nagelneuen Programm „Schluss mit frustig“ das Publikum gut zweieinhalb Stunden zu begeistern.

Er war noch gar nicht auf der Bühne und hatte schon die ersten Lacher los. In seiner Anmoderation bat er Besucherinnen mit Hochsteckfrisur, in den letzten Reihen Platz zu nehmen, Zeugen Jehovas sollten jetzt die Beratungsgespräche einstellen und sogar Franz Beckenbauer gab noch seine Kenntnisse über Mittelneufnach preis: „Ja sicherlich, äh Mittelneufnach, das kenn ich nicht.“

Der gebürtige Ingolstädter ist ein ausgezeichneter Parodist, Kabarettist und Musiker. Seine liebenswerte und unaufgeregte Art kommt sofort an, mit viel Witz und Ironie zieht er Promis aus Politik, Sport und Fernsehen sauber durch den Kakao. Aber auch Beobachtungen aus dem richtigen Leben verarbeitet er mit Wortspielereien.

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„Tun Sie bitte nicht so, als wären Sie gut drauf“, bittet er zu Beginn. Dabei spielt er auf eine Umfrage zum Glücklichsein an, bei der Deutschland noch nie besser als auf Rang 30 lag. Die Deutschen jammern doch immer ganz furchtbar „Mei, geht’s mir schlecht“. Dabei gibt es Leute, denen geht es wirklich schlecht, betont er, zum Beispiel dem Schneider von Angela Merkel, dem Abgastester bei VW – oder wenn Lothar Matthäus dein Schwiegersohn wäre. Darum heißt sein neues Programm auch „Schluss mit frustig“, was Boettcher an diesem Abend auch spielend schafft.

Fast kein Promi ist vor seinen Parodien sicher. Gekonnt verzieht er die Mundwinkel bei Udo Lindenberg und zaubert den Akzent von Peter Maffay oder die ureigene Art von Herbert Grönemeyer auf die Bühne. Auch bekannte Politiker wie Horst Seehofer, Edmund Stoiber oder Angela Merkel bringt er auf die Bühne.

Seine Lieblinge sind aber die Sportler. Die Zuschauer biegen sich vor Lachen, wenn auf der VIP-Toilette Oliver Kahn „Druck“ ablässt, der Bundes-Jogi seinen Scheitel prüft oder Kaiser Franz vergnügt „Gute Freunde, die kann man kaufen“ singt. Natürlich darf da der „Loddar“ (Matthäus) nicht fehlen. Auch seine Wortspielereien mit Fußballernamen im Stil von Willy Astor begeistern das Publikum. Bereits zur Pause hat Bürgermeisterin Cornelia Thümmel vor Lachen Tränen in den Augen: „Das ist nicht zu toppen, weil es auch so aktuell ist – sensationell. Ich find’s so genial, was die Kulturschmiede immer wieder auf die Bahn bringt. Hut ab!“

Die Lachtränen sollten auch nach der Pause nicht trocknen. Da erläutert Boettcher in seiner „Hymne für Männer“, dass diese Spezies einfach nicht so kompliziert gestrickt ist wie Frauen. Direkt im Anschluss bekommen die Männer aber wieder ihr Fett weg, wenn es bei „Aua, aua, das tut weh“ um ihr Schmerzempfinden geht. Männer sind Helden – außer sie haben Schnupfen.

Beim Thema Familie und Kinder stimmt ihn nachdenklich, dass eine deutsche Frau nur 1,3 Kinder zur Welt bringt. Das schaut jetzt nicht nur komisch aus – es ist auch zu wenig. Interessant ist auch seine These zum Glauben: „Hat der liebe Gott gewollt, dass man Steuern zahlt, wenn man an ihn glaubt?“ Boettcher stellte ein großes Aggressionspotenzial in Mittelneufnach fest, wenn er im Lied „Bockfotzngsicht“ gierige Investmentbanker oder verlogene Politiker besingt.

Am Ende dürfen sich nochmals alle Prominenten in einem Lied vom Publikum verabschieden – es ist faszinierend, wie schnell Boettcher nur durch Stimme und Mimik die Charaktere wechselt.

Beim Dank an den Künstler zeigt auch Karl Scheid komödiantisches Talent, die beiden spielen den Ball verbal hin und her. Mit der dritten Zugabe und seinem Hit „Zehn Meter gehn“ verabschiedet er sich schwungvoll von der Bühne in den Zuschauerraum und gibt dort noch jede Menge Autogramme.

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