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Buch-Projekt

02.09.2015

Er dokumentierte den ungezähmten Lech

Den Lech beim Dietringer Steg im Allgäu hielt Heinz Fischer im Mai 1951 noch als Wildfluss im Bild fest. Viele seiner Aufnahmen sind in dem Sammelband wiedergegeben.

Heinz Fischer hat nahe seiner Heimatstadt Augsburg sein Lebensthema gefunden

Mit 23 Texten von 15 Autoren lotet das zweibändige Werk „Dr. Heinz Fischer – Leben und Werk eines Universalgelehrten“, herausgegeben von Albert Teichner und Christoph Zieher als Auftakt einer „Wissenschaftlichen Schriftenreihe des Begegnungslandes Lech-Wertach“, das Wirken des Augsburger Naturwissenschaftlers aus, dessen Nachlass das Stadtarchiv Königsbrunn aufbewahrt. Wir stellen vorab einzelne Aspekte vom Wirken Fischers vor.

Schon beinahe legendär ist Fischers Darstellung „Der alte Lech“, erschien 1966 im 18. Bericht der Naturforschenden Gesellschaft Augsburg. Sie beginnt mit den Worten „Es war einmal“ und schließt mit dem Fazit „Der Bericht wird zum Nachruf“. Die sich anschließende Bilderfolge zum alten Lech musste Fischer seinerzeit wegen der hohen Lithokosten vergleichsweise klein halten.

Der Lech hat ihn schon in seiner Jugend gepackt

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Neben zahlreichen Vorträgen gestaltete Heinz Fischer auch eine stetig wachsende Fotoausstellung zum „alten Lech“ mit Aufnahmen von der Quelle bis zur Mündung. Im Band „Dr. Heinz Fischer – Leben und Werk eines Universalgelehrten“ findet sich der Aufsatz, ergänzt mit vielen von Fischer dokumentarischen Fotografien.

Der Lech hatte Fischer schon in der Kindheit und Jugend ganz elementar gepackt. „Wir spürten stark – damals – wie uns der Lech immer wieder in seinen Bann zog und herausforderte. Wir sind noch die langen Wellen geschwommen“, schreibt Fischer in diesem Text. „Dabei haben wir das ausdauernde Schleifen und Schlürfen der rollenden und ruschenden Kiesel gehört und auch gespürt.“

Der Lech gehört zu den zentralen Themen im Wirken von Heinz Fischer. Er ist nicht allzu weit von ihm an der Augsburger Vogelmauer aufgewachsen. Früh nahm ihn sein Vater mit auf vogelkundliche Exkursionen. So lernte er den Lech an vielen Stellen noch in seinem natürlichen Zustand kennen. Wenn sich seine wissenschaftliche Arbeit auch auf einzelne Lechabschnitte konzentrierte, so galt seine Liebe doch dem alpinen Wildfluss als Ganzes. Er entspringt in Tirol in einer Höhe von 1840 Metern, bahnt sich mit starkem Gefälle seinen Weg ins Voralpenland und mündet nach rund 275 Kilometern bei Marxheim (392 Meter über dem Meeresspiegel) in die Donau.

Fischer war oft am mittleren Lech unterwegs, dort wo er das voralpine Hügel- und Moorland zwischen Füssen und Schongau durchfließt. Ob mit seiner Pfadfinderhorde der „Deutschen Freischar“, ob mit Studenten oder später für seine vielfältigen naturkundlichen Dokumentationen. „Mehrfach war er von der Quelle bis zur Mündung gewandert, hatte gehorcht, wer da singt, geschaut, was da fliegt und krabbelt und hat es in vielen Fotos festgehalten. Wissend, dass die Menschen ihrer Landschaft und damit auch ihrer Tier- und Pflanzenwelt unumkehrbare Veränderungen bringen, versuchte er beobachtend und sammelnd zu konservieren, was ihm möglich war“, stellen Hans Mühle und Klaus Warncke in ihrem Nachruf auf Fischer, der im Sammelband abgedruckt ist, fest.

Am Lech arbeitete er auch wieder mit dem Zoologen und erfolgreichen Tierfilmpionier Eugen Schuhmacher (1906 – 1973) zusammen. Den hatte Fischer bei einer naturkundlichen Expedition nach Brasilien 1937/38 kennengelernt. Schuhmacher gilt neben Heinz Sielmann und Bernhard Grzimek als einer der herausragenden Tierfilmer Deutschlands. Um dessen Kino-Dokumentarfilm „Natur in Gefahr“ von 1952 vorzubereiten, führte er ihn unter anderem in die Illasschlucht, die wenige Jahre später im nördlichen Forggensee unterging.

Es ist das Verdienst von Heinz Fischer, dass die Region des heutigen Forggensees vor ihrer Überflutung von einem interdisplinären Forscherteam bestens dokumentiert wurde.

Der Lauf des Lechs war eine der artenreichsten Regionen Europas

Die der Energieerzeugung geopferte Region gehörte zuvor zu den artenreichsten Biotopen in Europa. Die durch das große Gefälle bedingte hohe Fließgeschwindigkeit sowie die stark schwankenden Pegelstände und der hohe Anteil von Geschiebe (Kies) im Flussbett sorgten für einzigartige Lebensbedingungen für viele Tiere und Pflanzen.

Neben über 800 Schwarzweiß-Fotografien, die den Lech zwischen 1936 und 1952 von der Quelle bis zur Mündung dokumentieren, gehören zudem auch alle vorkommenden und ausgestorbenen Insekten des Lechfelds zum sehr umfangreichen wissenschaftlichen Nachlass von Heinz Fischer, dessen Hüterin die Stadt Königsbrunn ist.

wird der Sammelband „Dr. Heinz Fischer – Leben und Werk eines Universalgelehrten“ am Mittwoch, 9. September, um 19 Uhr im Foyer des Königsbrunner Rathauses.

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