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Landkreis

14.09.2019

Ertrinkende klammern sich an alles und jeden

Der sicherste Weg zur Rettung ist eine Alarmierung der Wasserwacht über die Telefonnummer 112.
Bild: Marcus Merk

3215 Aktive hat die Wasserwacht im Augsburger Land. Doch auch die Helfer können schnell in Gefahr geraten.

Es ist ein leiser Tod, der oft unbemerkt eintritt. Und ein Tod, der umso tragischer ist, da er meist vermeidbar gewesen wäre. Auch im Augsburger Land sind heuer wieder Menschen ertrunken. Jüngster Fall: Der zehnjährige Bub, der in Thierhaupten von einer Badeinsel sprang und es nicht mehr ans Ufer schaffte. Der Schüler konnte nicht schwimmen und die Badeinsel war unbemerkt ins tiefere Wasser abgetrieben worden. Doch auch geübte Schwimmer sterben jedes Jahr. Und das, obwohl im Augsburger Land 3215 Aktive der Wasserwacht in ihrer Freizeit stets ein Auge auf die Schwimmer haben.

Tragisch ist der Tod des Zehnjährigen vor allem, da Badeinseln nach Auskunft von Thomas Haugg, dem Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands, in der Regel keine Gefahr darstellen. „Es hängt eher von den Badegästen und ihren Schwimmfähigkeiten ab“, sagt er. Unterirdische Strömungen, unterschiedliche Temperaturbereiche oder Schlingpflanzen seien meist die größeren Gefahrenquellen. Haugg betont, dass Personen, die nicht sicher schwimmen können, Badeseen und somit auch die Badeinseln nur unter Aufsicht nutzen sollten. 

Auf keinen Fall den Arm ausstrecken

Doch auch Personen, die im Notfall einem Ertrinkenden helfen wollen, können sich schnell selbst in Gefahr bringen. Wichtig sei, irgendein schwimmendes Hilfsmittel mitzunehmen. „Idealerweise ist dies ein Rettungsring, es kann aber auch ein dicker Ast oder ein Seil sein“, sagt Haugg. Zur Not gehe auch ein T-Shirt. Auf keinen Fall aber solle der Retter seinen eigenen Arm ausstrecken. Denn: „Ertrinkende klammern sich an alles und jeden“, warnt Haugg, der selbst Rettungsschwimmer ist. Gereicht werden sollten daher nur Hilfsmittel, die man im extremen Notfall wieder loslassen könne.

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Eine andere Technik empfiehlt Haugg, wenn die in Not geratene Person schwimmen kann und keine Hilfsmittel zur Verfügung stehen. „Der Retter schwimmt in dem Fall hin und macht sich bemerkbar.“ Sobald die Person im Wasser den Helfer wahrnimmt, versuche sie, instinktiv auf ihn zuzuschwimmen. „Dann sollte der Retter langsam rückwärts in Richtung Ufer schwimmen.“ Die Person folge ihm und bewegt sich so in Richtung Ufer und somit ins flachere Wasser. „Wenn die Person dann schwächer werden sollte, kann sie unter Umständen gepackt werden.“ Dies sei jedoch nur im äußersten Notfall zu empfehlen.

Schnelligkeit ist entscheidend

Schnelligkeit ist bei jeder Wasserrettung jedenfalls ein entscheidender Faktor. „Bei einem Menschen mit Atemstillstand sinken die Überlebenschancen pro Minute um zehn Prozent“, sagt Haugg. Dies bedeute, dass nach maximal zehn Minuten jede Hilfe zu spät komme. Einfluss hätten dabei jedoch auch stets die Umgebungs- und die Wassertemperatur: Je kälter, desto größer die Chancen zu überleben.

Höchste Lebensgefahr besteht jedoch, sobald Wasser in die Lunge getreten ist. „Dies führt zuerst zu einem sogenannten Stimmritzenkrampf“, erklärt Haugg. Die Folge des Krampfes: Man kann nicht mehr atmen. „So kommt es dann zu einem verminderten Gasaustausch zwischen Lunge, Blut und Gehirn“, erklärt Haugg. Das Opfer wird bewusstlos, im weiteren Verlauf zerfallen die roten Blutkörperchen, es kommt zum Herzkammerflimmern und schließlich zum Tod.

Um dies zu verhindern, ist die Wasserwacht an 14 Stationen im Augsburger Land vertreten. Und Nichtschwimmer sollten grundsätzlich nur dort baden gehen, wo es Aufsichtspersonen gibt. Denn der sicherste Weg zur Rettung ist eine Alarmierung der Wasserwacht über die 112. Und hier gelte der Grundsatz: „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig“, sagt Haugg.

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