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Lagerlechfeld

15.06.2020

Es geht um Zentimeter: Überschalljet geht per Sattelschlepper auf Reisen

Schon mehrfach rollten Eurofighter-Transporte durch das Kaufbeurer Stadtgebiet. Dieses Foto entstand 2010 am Kemptener Tor. Die Jets werden alle paar Jahre auf dem Landweg nach Manching transportiert, wo sie wieder flugfähig gemacht wurden.
Bild: Mathias Wild

Plus Ein Eurofighter aus Lagerlechfeld hebt nicht mehr ab: Er geht auf große Reise und wird auf spektakuläre Art nach Kaufbeuren gebracht. Der Transport ist heikel.

Ein Eurofighter, der nicht fliegt. Technische Probleme sind es jedenfalls nicht, wenn der Kampfjet Mitte der Woche auf dem Landweg von Lagerlechfeld aus den Kaufbeurer Fliegerhorst erreicht. Das Flugzeug dient der Ausbildung der deutschlandweit eingesetzten Luftfahrzeugtechniker. Kaufbeurer kennen das Wechselspiel bereits. Alle paar Jahre erhält das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe neue Eurofighter. Alte Exemplare rollen in der Folge auf Sattelschleppern Richtung Manching, wo sie wieder flugtauglich gemacht werden. Diesmal ist es allerdings eine Premiere, denn der neue Jet konnte wegen der Sperrung der Landebahn vor einigen Wochen nicht einschweben. Stattdessen kommt die Lieferung im Transportgeschirr erstmals auf dem Landweg.

Elfeinhalb Meter breit, 16 Meter lang, neun Tonnen schwer, mehr als zweifache Schallgeschwindigkeit in der Luft – aber am Boden ist der Eurofighter ganz langsam unterwegs. Er wird wie ein rohes Ei behandelt.

Es geht um Zentimeter: Überschalljet geht per Sattelschlepper auf Reisen

Kampfjet kostet geschätzt bis zu 130 Millionen Euro

Das Flugzeug wird zunächst auf einem Sattelschlepper verzurrt. Danach wird vorsichtshalber eine Proberunde auf dem Rollweg gedreht. Schließlich kostet die Fracht neu und mit allem drum und dran geschätzt bis zu 130 Millionen Euro. Jeder Handgriff soll sitzen, wenn Techniker den Jet präparieren und mit einem Kranwagen auf den Tieflader hieven. Dahinter steckt eine generalstabsmäßige Planung, versichert Pressesprecher Max-Joseph Kronenbitter. Alltag ist der Transport dennoch nicht. „Von Routine kann keine Rede sein“, sagt Speditionschef Anton Woken, dem die Luftwaffe ihr teures Flugzeug anvertraut. „Aber wir setzen auf Erfahrung.“

Mehrmals wurde ein Eurofighter bereits auf diese Weise huckepack transportiert. Der Luftwaffenschule und dem heutigen Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe, Abteilung Süd, dient das jeweilige Fluggerät mit „aktueller Flugzeug-Konfiguration“ jedes Mal jahrelang als Schulungsobjekt am Boden, bevor es vom Hersteller Airbus Defence & Space auf den neuesten technischen Stand gebracht und betriebsbereit gemacht wird. Damit also auch erneut die Flugzulassung erhält.

Spedition für Spezialtransporte kümmert sich um den Jets

Für die Bundeswehr, die private Spedition aus dem Emsland und zwei Dutzend beteiligte Behörden ist das jedes Mal eine logistische Herausforderung. „Sicherheitsrelevante Vorrichtungen“ lässt die Bundeswehr vor der Fahrt demontieren oder abdecken. Die „Tailnumber“, das Kennzeichen des Flugzeugs, wird wohl auch diesmal nicht sichtbar sein, das Cockpit bekommt eine grüne Haube. Wer es wissen wollte, konnte aber alles erkennen, als das Flugzeug mit der Nummer 31+10 nach bisher 1200 Flugstunden vor vier Wochen im Lechfeld aufsetzte.

Dieser Eurofighter wird diese Woche auf einem Schwerlasttransporter von Lagerlechfeld nach Kaufbeuren transportiert.
Bild: Max-Joseph Kronenbitter

Die Demontage der Tragflächen hätte zwar die Landfahrt deutlich erleichtert und verkürzt, räumt Kronenbitter ein. Aber sie hätte das Fluggerät auch seines Fahrwerks beraubt. Zudem macht es die Vor- und Nacharbeit komplizierter, da der Eurofighter ein technisches Gemeinschaftsprojekt mehrerer Nationen ist. Lediglich die Finne, also das Seitenleitwerk, und die Triebwerke werden für die Auslieferung abgeschraubt.

Beim Transport des Überschalljets geht um Zentimeter

Die Spedition Wocken hat schon oft für die Bundeswehr gearbeitet, Kampfflugzeuge und Hubschrauber kutschiert. „Wenn alle ihre Hausaufgaben gemacht haben, funktioniert das“, sagt Speditionschef Wocken. Fahrer Thorsten Broszeit kennt bereits Fracht und Strecke. Er weiß, dass es um Zentimeter geht, wenn sein Tieflader meist Schrittgeschwindigkeit, vielleicht auch mal bis zu Tempo 50 rollt. Planung ist alles auf dem Weg über die neue B17, die A96 und B12 sowie durch die Wertachstadt. Die Strecke wird zwischen den Fliegerhorsten Lechfeld und Kaufbeuren von Mittwochabend bis Donnerstagmorgen zeitweise teils oder komplett gesperrt.

Ein Eurofighter kann mit mehr als zweifacher Schallgeschwindigkeit fliegen.
Bild: Oliver Berg/dpa

Doch nicht alles sei vorhersehbar, so Wocken: Verkehrsunfälle, Gewitter oder Falschparker etwa. Auf den Bundesstraßen montieren die Männer im Begleittross Schilder ab, in Kaufbeuren werden entlang der Sudeten-, Neugablonzer und Kemptener Straße auch Ampeln umgelegt. „Wir arbeiten da hervorragend mit der Stadt zusammen“, sagt Wocken. Ein paar Baumäste wird man wohl auch mit Spanngurten wegbiegen. Polizeibeamte, Bundeswehrangehörige sowie Bauhof- und Speditionsmitarbeiter flankieren das Gespann.

Wocken hält die Fahrt durch die Stadt nach Mitternacht am Donnerstag dennoch für die größte Herausforderung. Mit Blick auf die Dunkelheit und mögliche Zaungäste sagt er: „Man muss seine Augen überall haben.“

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