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Großaitingen

02.02.2017

„Es gibt keine Hebamme zum Sterben“

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2 Bilder
Am Beispiel einer Kartoffel schilderte Sonja Meitinger (links) den Lauf des Lebens und Sterbens. Unterstützt wurde sie durch Vorsitzende Gudrun Krist.
Bild: Uwe Bolten

Zahlreiche Bürgern informieren sich beim Förderverein Hospiz Großaitingen. Auch eine Ministerin ist beteiligt.

Das Thema Sterben und Tod ist eng verbunden mit Verlust und Trauer. Dennoch waren beim Informationstag des Fördervereins Hospiz Großaitingen bei den Organisatoren durchweg fröhliche Gesichter zu beobachten. Knapp 300 Besucher fanden den Weg in die Lindauer Straße, um sich über den Hospizverein und dessen Plan, die Infrastruktur des alten Bauernhofes in das Hospiz „Licht am Horizont“ umzuwandeln. Mit einem solch hohen Interesse hatten die sieben Vorstandsmitglieder des Vereins nicht gerechnet. Ebenso fand die Ausstellung „Gemeinsam gehen“ vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege regen Zuspruch.

Die Vereinsvorsitzende Gudrun Krist erläuterte sowohl in persönlichen Gesprächen als auch in ihrer Begrüßungsansprache die Intention und die Fakten rund um den Verein (wir berichteten). „Es gibt noch viel zu klären, das ist uns bewusst“, sagte sie. Alleine sei das nicht zu schaffen. „Wir brauchen die Menschen für die Bewältigung der Aufgaben“, stellte sie fest. Ihre Ansprache fand Gehör. Und noch während der Reden musste Schriftführer Klaus Meitinger einen neuen Stapel Beitrittserklärungen aus dem Büro in den Ausstellungsraum bringen.

Sterben und Tod gehöre zum Leben

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Sonja Meitinger, stellvertretende Vereinsvorsitzende, fesselte die Zuhörer mit einer kleinen Kartoffel, an Hand derer sie die Stationen des menschlichen Seins sehr bildlich darstellt. „Die Kartoffel treibt Blätter, an den Wurzeln entwickeln sich weitere Früchte und wenn diese lebensfähig sind, stirb die Mutterkartoffel,“ so ihr Beispiel. Sterben und Tod gehöre zum Leben, genauso wie Tränen zum Sterben gehöre, fasste sie lebensbejahend hinzu.

Für die politische Unterstützung des Vorhabens standen die Landtagsabgeordnete Carolina Trautner (CSU) und der Großaitinger Bürgermeister Erwin Goßner (SPD) den Organisatoren zur Seite. „Den Tod verdrängen wir, bis wir selber davon betroffen sind“, sagte er. Für ihn gebe es deshalb drei wichtige Gründe für die Unterstützung: „Es gibt einen großen Bedarf in der Sterbebegleitung, ich unterstütze Menschen, die wiederum anderen helfen und als Bürgermeister kann ich auch etwas bewegen“, fasste er die Motivation seiner Mitarbeit zusammen.

Die Situation des Lebensendes im Krankenhaus oder Pflegeheim thematisierte Trautner. „Für viele ist Sterben zu Hause oder in einer würdigen Umgebung ein Wunsch, der nicht allen erfüllt werden kann“, stellt sie fest. Um dies zu verändern, habe sie sich bereits der Unterstützung für das Vorhaben bei Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, versichert.

Der Tod ist nicht das Ende

Aus seiner nahezu 17-jährigen Erfahrung als zuständiger Pfarrer für das Vincentinum berichtete Hubert Ratzinger. Er unterstrich die Notwendigkeit der Gespräche über das Sterben. „In Räumen, in denen der Tod bereits Einzug gehalten hat, bedeutet der Wunsch der Besucher auf guter Besserung das eigene Weglaufen vor dem Thema“, sagte Ratzinger. Der todesnahe Patient wisse jedoch, da er sterben wird. Das Licht am Horizont bedeute, dass der Tod nicht das Ende sei, fasste Ratzinger zusammen.

Der evangelische Pfarrer Thomas Huber stellte die Begleitung in den Vordergrund seiner Gedanken. Das „Licht am Horizont“ biete Platz für Hoffnungen. „So ähnlich wie Jesus seine Jünger auf dem Weg nach Emmaus begleitete, so werden sie für Sterbende da sein. Sie werden als Hoffnungsspender so etwas wie Jesus sein dürfen“, sagte Huber.

Eigene Erfahrungen aus Familie und Freundeskreis 

Tod und Hoffnung war das Thema der Kirchenmusikerin Evelin Kramer, die eigene Erfahrungen aus Familie und Freundeskreis den Zuhörern nahe brachte. Mit Liedern ihres verstorbenen Bruders und Künstlers Horst Bracks erzeugte sie eine Betroffenheit beim Zuhörer, die zum intensiven Nachdenken anregte. „Es gibt keine Hebamme zum Sterben“, sagte sie und unterstrich die Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit dem Thema.

Wie in der Zeit vor den Reden standen die Besucher anschließend in Gruppen beim Gespräch zusammen. Und die liebevolle Ausschmückung der kleinen Halle, die insbesondere durch die Liebe am Detail wirkte, ließ die vom Vereinsvorstand gelebte Empathie für das zukünftige Hospiz erahnen.

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