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Lechfeldschlacht

20.03.2015

Es war der Lech und nicht die Donau

Auch Pötzl nennt Gründe für den Raum Augsburg als Ort der Kämpfe

In der neuen Diskussion um den Ort der Ungarnschlacht vom August 955, bei der König Otto I. das Heer der Ungarn vernichtend geschlagen hat, meldet sich jetzt auch der frühere Kreisheimatpfleger Prof. Walter Pötzl zu Wort. Die epochemachende Schlacht habe bei Augsburg stattgefunden und nicht im Nördlinger Ries, wie Hobby-Archäologe Jens Essig jüngst in einer Fachzeitschrift spekulierte (wir berichteten).

Zumindest in diesem Punkt ist Pötzl also einer Meinung mit Martin Sauter, dem Schöpfer der drei Dioramen zur Lechfeldschlacht, von denen zwei derzeit im Foyer des Königsbrunner Rathauses zu sehen sind. Alle drei werden ab dem Frühsommer im Untergeschoss des Infopavillons neben der Bushaltestelle Zentrum zu sehen sein.

Pötzl hat deren Darstellung wiederholt kritisiert, da nach seiner Einschätzung die Hauptschlacht westlich von Augsburg und nicht zwischen Augsburg und dem Lech stattfand. Bislang gibt es in der Region keine Funde, die Hinweise auf den Ort der Schlacht geben.

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Zweifelsohne habe im Ries „ein größerer Kampf mit den Ungarn stattgefunden, der allerdings in keiner Geschichtsquelle erwähnt wird“, schreibt Pötzl zu den nun bekannt geworden Funden von etwa 80 ungarischen Pfeilspitzen am südlichen Riesrand. Essig versuche allerdings „auf Biegen und Brechen“, die Quellen der Ungarnschlacht von 955 auf diesen Raum auszurichten. Doch eine der Hauptquellen, die Sachsengeschichte Widukinds von Corvey, erwähne Ottos Lager „in confiniis Augustanae urbis“, also „im Bereich von Augsburg“, was mit dem Ries nicht in Übereinstimmung gebracht werden könne. Nach der Schlacht schwamm ein Teil der Ungarn „durch den nahen Fluss“. „Warum das jetzt nicht mehr der Lech, sondern die Donau sein soll, leuchtet nicht ein“, so Pötzl.

Auch der Augsburger Historiker Wolfgang Walenta, der für die Regio Augsburg Tourismus GmbH an einem Infopfad zur Lechfeldschlacht mitarbeitet, findet, Essig ignoriere die alten Quellen „ziemlich frech“. Es gebe im gesamten Ries keine Erinnerungskultur an diese angeblich dort stattgefundene Schlacht, ergänzt er. Über den Ort und weitere noch ungeklärte Details der Schlacht wird sicher wieder ausführlich diskutiert werden, wenn im Frühsommer alle drei Dioramen in einer Präsentation zu sehen sein werden. Sie zeigen drei wichtige Phasen der damaligen Ereignisse: die Belagerung Augsburgs durch die Ungarn am 9. August 955, den Angriff der Ungarn auf den Tross des Heeres von König Otto, vermutlich im Tal der Schmutter, und die große Schlacht am Lech mit dem Angriff der ottonischen Panzerreiter auf das Lager der Ungarn. Sauter, ein Experte für historische Schlacht-Dioramen, habe dabei „sehr akribisch gearbeitet“, stellt Walenta im Gespräch mit unserer Zeitung fest, „das ist kein Fantasy“. (hsd)

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