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Debatte

28.04.2015

Europa und Islam: Passt das zusammen?

„Ich bin nicht Charlie.“Dirk Hermann Voß

Junge Union greift in Bobingen sensibles Thema in hochkarätiger Diskussion auf. Es gibt dort klare Antworten

Die Frage, ob der Islam mit der europäischen Werteordnung vereinbar ist, beschäftigt viele Menschen gerade auch in Bobingen, wo seit den 60er-Jahren viele Menschen muslimischen Glaubens ohne nennenswerte Probleme leben.

Mit dem Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, mit Dirk Hermann Voß als Vize-Präsidenten der Paneuropa-Union und Fatih-Mehmet Demircioglu, dem Vertreter der muslimischen DITIB-Gemeinde Bobingen hatte JU-Kreisvorsitzender Matthias Neff fachlich hochkarätige Gesprächspartner darüber zu einer Podiumsdiskussion in den Bobinger Gasthof Sonne eingeladen. Auf die Kernfrage des Diskussionsabends „Europa und Islam – geht das zusammen?“, gab es klare Antworten:

Neumeyer: „Ja, weil es das schon gibt. Es leben so viele Moslems in Europa und wir integrieren Menschen!“

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Demircioglu: „Türken leben schon mehr als 50 Jahre friedlich in Deutschland und Europa. Egal welchen Glaubens wir sind, wir müssen zusammenleben.“

Voß: „Die Politik kann gar nicht anders sein als humanistisch. Ein Staat mit nur einer Religion und nur einer Kultur ist ein armseliger Staat. Wir leben von der Vielfalt.“

Mit der Frage: „Wie verhält sich das europäische Wertesystem zum Islam?“ forderte JU-Kreisgeschäftsführer Ludwig Lenzgeiger zu weiteren Statements auf.

Martin Neumayer stellte heraus, dass das Wissen über Judentum und Islam für Christen notwendig sei, aber auch Muslime müssten mehr über das Christentum wissen und sollten auch mal eine Kirche besuchen. Da millionen Muslime in Europa leben, könne man den von Bassam Tibi geprägten Begriff „Euro-Islam“ durchaus bejahen.

Demircioglu wies darauf hin, dass auch das Christentum im Orient entstanden sei und betonte die Gemeinsamkeiten beider Religionen, die viel größer seien als die Unterschiede mit dem Kernsatz: „Wir wollen hier in Deutschland in Frieden leben und haben mit dem islamistischen Terrorismus nichts zu tun“.

Voß stellte fest, dass Christen und Muslime 60 Prozent der Weltbevölkerung ausmachten und dass sich beide zusammen mit dem Judentum auf den gemeinsamen Stammvater Abraham beriefen. Die europäische Werteordnung bedeute Glaubensfreiheit und Gewaltverbot. Gewalt dürfe unter keinen Umständen gerechtfertigt werden, aber auch die Meinungsfreiheit dürfe die Grenzen des Rechts nicht überschreiten. Mit der Aussage „Ich bin nicht Charlie“, wandte Voß sich gegen Verleumdung und Störung des Religionsfriedens durch Satire.

Dabei kam die Frage auf, ob sich die Islamverbände vom Terrorismus distanzieren müssten.

Neumeyer forderte von diesen eine klare Gegenpositionierung, während Dirk Hermann Voß und Demircioglu meinten, dass die Muslimgemeinden sich nicht für etwas entschuldigen müssten, womit sie nichts zu tun haben. „Der Islam ist eine friedliche Religion und wir leiden auch unter dem Begriff des islamistischen Terrorismus“, erklärte Demircioglu. „Das Problem ist aber, dass sich die Terroristen auch auf den Islam berufen“, warf Diskussionsleiter Lenzgeiger ein und mehrere Teilnehmer sagten, dass doch einige Suren des Korans zur Gewalt gegen Nichtmuslime auffordern.

Voß mahnte hier zur Vorsicht bei der Auslegung dieser Stellen, die aufgrund der Bildersprache im arabischen Urtext nicht als Handlungsanweisungen verstanden werden sollten. Es gäbe auch in der Bibel, manche Stellen, die von Sekten und Fundamentalisten falsch ausgelegt würden.

Der Abend regte jedenfalls zum Gespräch unter den mehr als 20 deutschen und türkischen Teilnehmern an.

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