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Landkreis Augsburg

30.01.2020

Fake-Meldung: Wenn sich Panik schneller verbreitet als ein Virus

Die Falschmeldung, dass mehrere Menschen im Landkreis mit dem Coronavirus infiziert seien, verbreitete sich am Donnerstag über soziale Netzwerke.
Bild: Fabian Strauch, dpa

Plus In Netz kursiert die Nachricht, dass Krankenhäuser im Kreis Augsburg mit Coronavirus-Infizierten überfüllt seien. Das ist eine Falschmeldung.

Die Nachricht hat am Donnerstag in sozialen Netzwerken für Wirbel gesorgt. „Eilmeldung: Überfüllte Krankenhäuser in Augsburg“ lautet die Überschrift eines Artikels, der als Screenshot auf Plattformen kursierte. Die Krankenhäuser im Landkreis Augsburg seien voll mit Coronavirus-Infizierten, hieß es darin. 26 Fälle seien bestätigt worden. Doch bei der Nachricht handelt es sich ganz offensichtlich um eine Falschmeldung.

Das Landratsamt Augsburg wurde Donnerstagvormittag auf die Meldung aufmerksam. „Wir haben uns umgehend mit dem Gesundheitsamt in Verbindung gesetzt“, sagt Sprecher Jens Reitlinger. Krankenhäuser und Kliniken im Landkreis seien befragt worden, aber kein einziger Verdachtsfall des Coronavirus konnte bestätigt werden. „Nichts an dieser Meldung entspricht der Wahrheit“, sagt Reitlinger.

Der Screenshot, der Donnerstag in sozialen Netzwerken kursierte, ist eine Falschmeldung.
Bild: Screenshot AZ

Der Screenshot ist gestaltet wie ein Ausschnitt des Coronavirus-Livetickers auf der Homepage der Bild-Zeitung. Dort ist der entsprechende Eintrag allerdings nicht zu finden. Nach Angaben der Redaktion stand die Meldung auch nie auf ihrem Portal. Gegen den Urheber und die Weiterverbreitung der Falschmeldung behält sich Bild rechtliche Schritte vor.

Fake-Meldung: Wenn sich Panik schneller verbreitet als ein Virus

Dass es sich bei dem Screenshot um einen gefälschten Artikel handelt, zeigen auch die vielen Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler. Zudem wird nicht zwischen Stadt und Landkreis Augsburg unterschieden. Augsburg gehört als kreisfreie Stadt nicht zum gleichnamigen Landkreis.

Wertachkliniken sind gut auf mögliche Coronavirus-Fälle vorbereitet

Ines Lehmann, Sprecherin der Augsburger Uniklinik, bezeichnet die Meldung als „hochgradig lächerlich“. Es gebe bislang keine Verdachtsfälle, die Nachricht sei eindeutig falsch. Auch Dr. Helmut Probst, Hygienebeauftragter Arzt an den Wertachkliniken in Schwabmünchen, kann bestätigen, dass es sich bei dem Screenshot um Fake-News handelt. „Wir haben bislang keine Verdachtsfälle des Coronavirus registriert“, sagt er. Die Mitarbeiter der Wertachkliniken seien bestens informiert. Sollte es zu einem Verdachtsfall kommen, gibt es ein genaues, vom Robert-Koch-Institut herausgegebenes Schema, an das sich die Krankenhäuser halten.

Dieses legt beispielsweise fest, dass Ärzte bei der Behandlung von Patienten mit grippeähnlichen Symptomen ein Mund- und Nasenschutz tragen und einen klaren Fragenkatalog abarbeiten müssen, erklärt Probst. Bei einem Verdachtsfall muss der Patient in einem Einzelzimmer isoliert werden, Ärzte müssen Schutzkleidung tragen und das Gesundheitsamt über den Fall informieren.

„Auch unser Labor ist vorbereitet, damit mögliche Proben schnell verarbeitet werden können“, sagt Probst. Es habe schon Anfragen von Patienten gegeben, die verunsichert waren, weil sie zeitweise Kontakt mit chinesischen Bürgern hatten. Aber das allein reicht nicht aus, sagt Probst. Bei Fragen oder Unsicherheiten verweist der Hygienebeauftragte auf die speziell zum Coronavirus eingerichtete Hotline des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Polizei rät, Falschmeldungen zu ignorieren oder zu löschen

Zwar kursierte die Falschmeldung über zahlreiche Infizierte im Landkreis Augsburg in den sozialen Netzwerken. Doch offenbar ließen sich die wenigsten Nutzer von der Panik anstecken. „Bei uns hat bislang niemand wegen der Falschmeldung nachgefragt oder sich besorgt gezeigt“, sagt Jens Reitlinger vom Landratsamt Augsburg. Er wertet dies als positives Signal, dass sich nicht alle von der Hysterie anstecken lassen.

Immer wieder machen Falschmeldungen im Internet die Runde – sei es zum Coronavirus, zu vermeintlichen Straftaten von Flüchtlignen oder humorvolle Meldungen wie Unterrichtsausfall wegen Schneechaos. Nicht nur Texte, auch Bilder oder Videos können gefälscht sein. Der Tipp der Polizei zur aktuellen Falschmeldung: „Einfach löschen und ignorieren“, sagt Siegfried Hartmann vom Polizeipräsidium Schwaben Nord. Auch dort sind am Donnerstag die Fake-News zum Coronavirus aufgeschlagen. „So etwas ist unverantwortlich“, sagt Hartmann. Strafrechtlich relevant seien die Falschmeldungen allerdings nicht, weil sie weder eine Beleidigung noch eine Verunglimpfung enthielten.

Übrigens: Wer sich im Internet unsicher über den Wahrheitsgehalt bestimmter Meldungen ist, kann die Seite des Vereins „Mimikama – erst denken, dann klicken“ anschauen. Dort können Fake-News gemeldet werden. Der Verein hat sich seit 2011 zum Ziel gesetzt, Internetmissbrauch und -betrug sowie Falschmeldungen aufzudecken und zu bekämpfen.

Hier lesen Sie alle Infos zum Coronavirus - rund um Ansteckung, Symptome, Behandlung.

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