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Lechfeld

12.04.2013

Familienvater zeigt Zivilcourage und wird dafür geschlagen

Symbolbild
Bild: Alexander Kaya

Vorbestrafte Rowdies kommen mit Bewährungsstrafe davon. Sie fuhren rücksichtslos am Badesee herum.

Wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung, darüber hinaus wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung wurde der 26 Jahre alte, unter offener Bewährung stehende Fahrer (zehn Vorstrafen) zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Außerdem bleibt sein Führerschein weitere sechs Monate (insgesamt 14) unter Verschluss. Seine 0,83 Promille Blutalkohol wurden mit 52 Euro geahndet.

Etwas glimpflicher kam während der Verhandlung vor dem Amtsgericht Augsburg der 28-jährige Beifahrer (sieben Vorstrafen) davon. Ihn verurteilte die Richterin zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung. Beide Angeklagten räumten alle Vorwürfe ein.

Sehr deutlich gab Susanne Hillebrand im Rahmen ihrer Urteilsbegründung den beiden Angeklagten zu verstehen, dass es sich um ihre „allerletzte Chance handelt. Sonst bricht das ganze Kartenhaus, auch hinsichtlich Ihrer Reststrafenbewährung, zusammen.“

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Für das Gericht, so die Richterin, stelle sich die Situation am Römersee wie folgt dar: „Sie probierten Ihre Fahrkünste aus und fühlten sich gemaßregelt, dass da ein Mann ist, der vor allem auch mit Blick auf die vielen Kinder Zivilcourage zeigt. Inwieweit Ihre Reue echt ist, kann das Gericht nicht beurteilen. Aber heute hinterlassen Sie beide keinen schlechten Eindruck.“ Selbst der Geschädigte – er erhielt noch im Gerichtssaal im Zuge eines Täter-Opfer-Ausgleichs jeweils 500 Euro – zeigte sich großmütig und mochte nicht, dass sie in Haft müssen.

Beide Angeklagten, fasste die Richterin zusammen, hätten erfolgreich eine Drogentherapie durchgestanden. Ihre Vorstrafen stammen aus der Zeit ihrer Abhängigkeit. Positiv zu bewerten sei weiterhin, dass der 26-Jährige (Verteidiger Marco Müller) seit geraumer Zeit eine feste Anstellung vorweisen könne, während der Ältere (Verteidigerin Alexandra Gutmeyr) mit einer Ausbildung begonnen hätte. Ferner wurde beiden Männern ein Anti-Aggressionstraining auferlegt.

Sie traten auf den am Boden liegenden Mann auch noch ein

Was genau war passiert an jenem 19. August des vergangenen Jahres? Durch ihr andauerndes schnelles Hin- und Herfahren mit Schleuderwenden rückwärts waren die Männer dem später Geschädigten aufgefallen. Als dieser das Duo zur Rede stellen wollte, gab der 26-Jährige erneut Vollgas und fuhr trotz herumspritzender Steine auf den Familienvater zu, der zur Seite springen musste, um nicht von dem Auto erfasst zu werden. Dann sprangen Fahrer und Beifahrer aus dem Wagen und schlugen und traten auf den am Boden Liegenden ein, der erheblich verletzt wurde. Schließlich drohten sie dem Mann, ihn umzubringen, falls er die Polizei verständigen würde. Danach brauste der 26-Jährige davon, obwohl er über 0,5 Promille Alkohol intus hatte.

„So etwas wird nie wieder vorkommen“, versprach der eine Angeklagte, während es der zweite bedauerte, dass er den ganzen Vorfall nicht mehr rückgängig machen könne.

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