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Schwabmünchen

08.12.2019

Fast 30 Jahre Sorgen um den Job bei Osram

Wie geht es weiter mit Osram in Schwabmünchen? Die Übernahme durch den österreichischen Chip-Hersteller AMS bringt für die Beschäftigten nicht die erste Zitterpartie.
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Wie geht es weiter mit Osram in Schwabmünchen? Die Übernahme durch den österreichischen Chip-Hersteller AMS bringt für die Beschäftigten nicht die erste Zitterpartie.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Werner Leyer ist seit 1990 im Werk Schwabmünchen, und immer gab es Gerüchte über eine Schließung. Wie er die derzeitigen Entwicklungen sieht.

Werner Leyer ist ein Mensch, den nichts so schnell umhaut. Der großgewachsene 54-Jährige bleibt ruhig und sachlich, obwohl sich um ihn herum gerade ein Sturm zusammenbraut. Denn Werner Leyer ist Betriebsratsvorsitzender des Osram-Werks in Schwabmünchen, in dem 300 Menschen arbeiten und dessen Zukunft derzeit in den Sternen steht. Der österreichische Chip-Hersteller AMS wird Osram übernehmen, und es ist unklar, was dies für das Werk Schwabmünchen bedeutet.

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Seit knapp 30 Jahren ist Werner Leyer bei Osram in Schwabmünchen. Und sein ganzes Berufsleben begleiten ihn die Gerüchte, dass der Standort Schwabmünchen geschlossen wird. 1990 kam er als Mechaniker ins Schwabmünchner Werk, das damals rund 500 Beschäftigte hatte. „Da war das Werk gut ausgelastet, aber auch in den 90er-Jahren hieß es immer wieder mal, dass das Werk in Schwabmünchen dicht gemacht werden könnte“, erinnert sich Leyer. Als dann kurz nach der Jahrtausendwende ein Teil der Produktion nach Tschechien verlagert wurde, sah es schlecht aus für das Werk. „Wir sind damals durch Schwabmünchen marschiert, haben für unsere Arbeitsplätze demonstriert und waren froh, dass der Standort erhalten blieb.“

Immer wieder Gerüchte um Schließung

So ging es weiter, und als Werner Leyer 2006 Betriebsratsvorsitzender wurde, bekam er die Diskussionen hautnah mit: Stellabbau nach der Finanzkrise 2008 und den Umstrukturierungen 2013 – und immer wieder Gerüchte über die Schließung des Werks Schwabmünchen. Doch das besteht heute noch, während das Augsburger Osram-Energiesparlampen- und Leuchtstoffröhrenwerk 2016 an einen chinesischen Investor verkauft wurde, der es im Oktober 2018 schloss.

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Im Gegenteil – bei Osram in Schwabmünchen wurde investiert. So gibt es einen Reinraum, in dem Beschichtungen für LED-Chips gefertigt werden. Solche langlebigen und Energie einsparenden Leuchtdioden haben sich durchgesetzt und werden in den kommenden Jahren den Lichtmarkt immer stärker dominieren, sind sich Experten sicher. Doch die Digitalisierung der Leuchtstoff-Branche hat auch ihre Schattenseiten, sagt Werner Leyer. „Bei einer Tagung von Betriebsräten der Lampen- und Leuchten-Industrie sind wir durch Erfahrungswerte zu dem Ergebnis gekommen, dass durch die Digitalisierung die Beschäftigung um zwei Drittel zurück geht.“ Seit 2019 gibt es einen Ergänzungstarifvertrag in Schwabmünchen. Leyer: „Die Belegschaft musste zwar Zugeständnisse machen, aber es gibt auch gute Möglichkeiten, sich fortzubilden. Das läuft aus meiner Sicht sehr gut und es schien alles zu passen – doch mit der Übernahme durch AMS ist natürlich jetzt wieder alles in Frage gestellt.“

Klaus Abel, stellvertretender Aufsichtsrat von Osram und bei der IG Metall für das Unternehmen zuständig, sagte vor kurzem, dass bei einer AMS-Übernahme in Schwabmünchen ein Drittel der rund 300 Arbeitsplätze wegfallen könnten. So weit will Leyer nicht gehen: „Das ist ganz schwer zu sagen, was das für Schwabmünchen bedeutet.“ Er ist jedoch enttäuscht, dass die Übernahme funktioniert hat. „Ich bin überzeugter Osramit und mir wäre ein Investor lieber gewesen, der längerfristig denkt“, sagt der 54-Jährige.

Die Stimmung ist schlecht bei Osram in Schwabmünchen

Die Stimmung unter den Mitarbeitern in Schwabmünchen sei schlecht: „Es herrscht eine latente Unsicherheit, wie es weiter geht. Den Leuten geht es nicht gut, und das macht sich auch in einer höheren Krankenquote bemerkbar. Die Leute erwarten Antworten, und die kann derzeit keiner geben. Und so nagt die Unsicherheit an ihnen. Immer mehr fragen bei mir nach Abfindungen oder Altersteilzeit nach.“

Werner Leyer

Und wie geht es ihm als Betriebsratsvorsitzenden, der die Interessen diese Mitarbeiter vertritt und seit vielen Jahren mit den Gerüchten um eine Schließung des Schwabmünchner Werks leben muss? „Ich habe ein sonniges Gemüt und komme damit schon klar, hatte aber auch schon gesundheitliche Probleme, denn so was nimmt einen natürlich mit.“ Und seine Prognose für das Schwabmünchner Werk: „Ehrlich gesagt rechne ich damit, dass es in den nächsten Jahren geschlossen wird, wenn nichts Neues kommt. Aber natürlich hoffe ich sehr, dass ich mich irre.“

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