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Königsbrunn

08.10.2015

Fast so wie bei Maria und Josef

Jetzt sind sie zu fünft! Die glücklichen afghanischen Eltern Mohsen und Marym Mohammadi mit ihren beiden zwei und vier Jahren alten Söhnen und der neugeborenen kleinen Zeinab.
Bild: Andrea Collisi

Unsere Mitarbeiterin Andrea Collisi engagiert sich in der Flüchtlingsunterkunft in der Lilienthalstraße in Königsbrunn und scheut auch nicht vor einem Einsatz als „Hilfshebamme“ zurück.

Bis Weihnachten sind es zwar noch knapp drei Monate hin. Doch was unsere Mitarbeiterin Andrea Collisi, die sich im Ehrenamtskreis der Flüchtlingshilfe engagiert, erleben durfte, erinnert ein wenig daran: die Herbergssuche eines Paares, eine hochschwangere Frau und schließlich eine glückliche Geburt.

Die Rede ist vom jungen afghanischen Ehepaar Marym und Mohsen Mohammadi, die mit ihren zwei Söhnen Maysam, 4, und Amir Hosin, 2, sich auf einen langen Weg machten und aus ihrem Heimatland flohen. Der lange Weg führte via Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Endlich zur Ruhe kam die Familie schließlich vor wenigen Tagen in der Flüchtlingsunterkunft in der Lilienthalstraße. Und hier spielten sich dann fast schon dramatische Szenen ab. Denn: Die hochschwangere Mutter bekam plötzlich Wehen.

Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Eigentlich war Familie Mohammadi auf dem Weg zu einer Hochzeit. Doch Marym ging es auf einmal immer schlechter. Verzweifelt rief Mohsen Mohammadi unsere Mitarbeiterin Andrea Collisi an. Die Familie kannte sie, da Collisi seit August täglich mehrere Stunden vor Ort in der Lilienthalstraße verbringt oder auch als Begleitung bei Arzt-und Klinikuntersuchungen, Deutschunterricht oder Fahrten zur Kleiderkammer dabei ist.

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Collisi versprach vorbeizuschauen und änderte spontan ihren Tagesplan. Der Mutter vierer Söhne wurde beim Abstand der Wehen schnell deutlich, dass das Kind nicht mehr lange warten würde. Im Eiltempo fuhr Collisi über die B17 zum Josefinum in Augsburg und stand wenig später im Dirndl im Kreißsaal. Der werdende Vater bat sie dringend darum, dass sie bei der Geburt dabei ist, und nur 40 Minuten später konnte Collisi die Nabelschnur durchschneiden. „Dies war ein ganz besonderer Moment“, erklärt unserer Mitarbeiterin. „Auch wenn ich als Assistenzärztin vor mehr als 20 Jahren in der Schweiz bei vielen Geburten dabei gewesen bin.“

Doch dieses Neugeborene sei für sie ein ganz besonderes Hoffnungszeichen, betont Collisi. „Hineingeboren in diese verrückte Welt, zeigt es mir neben der normalen elterlichen Fürsorge, dass wir Verantwortung tragen für die Zukunft aller künftigen Generationen.“

Bleibenden Eindruck hinterlässt aber auch die ehrenamtliche Arbeit im Flüchtlingsheim in der Lilienthalstraße. „Vielen der knapp 120 Flüchtlingen – darunter viele Kleinkinder und Frauen – sind die Strapazen der Flucht doch deutlich anzumerken“, sagt sie. „Und du kannst die Eindrücke nicht einfach ablegen wie einen Mantel, wenn du nach Hause kommst. Die vielen einzelnen Schicksale beschäftigen dich weiter.“

Collisi betont jedoch, wie dankbar jeder Einzelne sei um die Hilfe, die Aufmerksamkeit, das Interesse an der eigenen Person und der Zeit, die man investiere, um zuzuhören. „Man bekommt viel zurück an ungefilterter Liebe“, betont sie. Da sei viel Nähe entstanden, und es gäbe auch gute und kritische Gespräche, gefolgt von vielen Tee-, Kaffee- oder Essenseinladungen als Dankeschön.

Ganz besonders dankbar war jetzt aber der stolze Vater Mohsen Mohammadi, der Andrea Collisi so spontan zur Tätigkeit als Hilfshebamme verhalf: „Ich kann nicht sagen gut deutsch und wie soll ich danken“, fasst er es im gebrochenen Deutsch in seine Worte. (SZ)

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