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Sprachkurs

04.02.2016

Flüchtlinge lernen nicht nur Pünktlichkeit und Ausdauer

Christine Puggioni (links) und Karola Stenzel (rechts) freuen sich mit Anna Ebim über den erfolgreich absolvierten Sprachkurs.
Bild: Maria Steber

Schwabmünchner „Netzwerk Integration“ überreicht den Absolventen im U-Turn ihre Zertifikate. Eine junge Frau aus Nigeria hat einen großen Traum

Die ersten Worte, die Anna Ebim gelernt hat, waren „Danke schön“ und „Guten Morgen“. Heute, drei Monate später, kann sie sich schon ein bisschen unterhalten. Gebrochen zwar, aber immerhin. Anna Ebim hat an einem der Deutsch-Sprachkurse teilgenommen, die seit September vom Schwabmünchner „Netzwerk Integration“ für Flüchtlinge im U-Turn und im Pfarrheim Mittelstetten angeboten werden. Die erste Runde des Sprachkurses im „Niveau 1“ ist kürzlich mit einem Abschlusstest zu Ende gegangen, die Zertifikate wurden den Flüchtlingen jetzt im feierlichen Rahmen im U-Turn überreicht.

Wie wichtig gerade Deutschkenntnisse als Schlüssel zu allen weiteren Integrationsschritten seien, betonte dabei Andreas Claus, Vorsitzender des Caritasverbandes Schwabmünchen, der als Träger des Schwabmünchner „Netzwerk Integration“ fungiert. „Die Sprache zu beherrschen, ist das Wichtigste, um in einem Land ankommen zu können. Ohne Deutsch, kein Job, keine Wohnung, keine Einbindung ins gesellschaftliche Leben vor Ort. Das Sprachprogramm ist uns deshalb so wichtig“, betonte Claus.

Den Kurs nur auf drei Monate anzulegen, sei dennoch ganz bewusst geschehen: „Wir wollten den Flüchtlingen einen Motivationsschub geben. Sie sollten durch den Test spüren, was sie in der kurzen Zeit schon alles gelernt haben“, beschreibt Karola Stenzel, die als Flüchtlingskoordinatorin vor allem für die Organisation des Sprachkursangebotes verantwortlich ist. Inhaltlich gehe es bei den Kursen weniger um das Erreichen eines bestimmten Sprachniveaus, vielmehr um die Vermittlung von Werten, sagte sie: „Wir möchten den Flüchtlingen die deutsche Kultur nahebringen. Dinge wie Pünktlichkeit oder Durchhaltevermögen.“ Für Christine Puggioni, eine der fünf ehrenamtlichen Lehrer, steht deshalb vor allem die Vermittlung von praktischem Wissen im Vordergrund: „Man muss den Flüchtlingen bestimmte Sachen beibringen, die für uns selbstverständlich sind: Wie bestelle ich eine Semmel beim Bäcker? Wie hole ich mir eine Fahrkarte am Bahnhof?“

Auch die Gleichstellung zwischen Frau und Mann sei da immer wieder ein wichtiges Thema, beschreibt Puggioni, die als gelernte Verlagskauffrau nicht hauptberuflich als Lehrerin arbeitet. An ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit gefalle ihr vor allem die Motivation, mit der die Flüchtlinge zum Sprachunterricht kämen. „Man merkt richtig: Die wollen was lernen, in Deutschland richtig ankommen.“

Für Anna Ebim ist durch den Sprachkurs das Leben deutlich einfacher geworden. „Ich kann die Menschen jetzt wenigstens ein bisschen verstehen.“ Im Alltag fühle sie sich dadurch selbstständiger und auch freier, schildert Ebim. Ihr nächstes großes Ziel steht bereits fest. „Ich möchte einen Job finden“, sagt sie, „putzen, kochen, ich würde alles machen.“ Einen Traum hat die junge Nigerianerin trotzdem: „Am liebsten wäre ich Schneiderin“, schwärmt sie. Eine Nähmaschine hat sie bereits.

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