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Schwabmünchen

04.05.2019

Franz Joseph Machatschek überrascht mit ungewohnter Geste

Richtig gerührt waren Franz Joseph Machatschek (Mitte) und Franz Löchinger am Ende der Veranstaltung in der Buchhandlung Schmid, als es neben viel Applaus auch noch Geschenke von Hans Grünthaler (rechts) gab.
Bild: Reinhold Radloff

„Der Machatschek“ zieht sein Schwabmünchner Publikum in der Buchhandlung Schmid in den Bann. Welche Sehenswürdigkeit es in Simmering gibt.

Mit der Stimmung ist das so eine Sache. Sie reicht ja grundsätzlich von todestraurig bis extrem lustig. Beides war beim Auftritt von Franz Joseph Machatschek in der Buchhandlung Schmid in Schwabmünchen geboten. Warum? Ganz einfach: Seine Lieder waren so.

Es gibt Künstler, die sind total einseitig. Es gibt aber auch die, die unglaublich vielseitig sind. Zu letzteren gehört Franz Joseph Machatschek. Nach eigenen Angaben ist er nicht nur Wiener, was darüber nichts aussagt, er ist aber auch, so sagt man, gescheiterter Maurer, sicher aber Liedermacher, Autor, Musiker, Kabarettist, Filmhauptfigur, Verleger, Verlagschef und und und. Und Mensch, wie er selbst betont. Vieles davon bot er bei seinem Auftritt in der Buchhandlung Schmid in Schwabmünchen, der das Ende seiner Frühlingstournee darstellte. Und nicht nur das.

Die Überraschungen gingen noch weiter: Der Machatschek, wie er sich selbst nennt, bot in diesem Konzert Lieder über Weihnachten, Ostern und, ja sogar über eine Buchhandlung. Und nannte diese nicht ganz alltägliche Mischung „dunkelschwarze Lieder“.

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Der Zentralfriedhof als einzige Sehenswürdigkeit in der Heimat von Franz Joseph Machatschek

Düster, ein wenig unheimlich begann Machatschek, erzählte von Simmering, seiner Heimat, deren einzige Sehenswürdigkeit der Zentralfriedhof sei. Von Tod, Sterben und Gewalt sang er dann auch. Der Applaus in der voll besetzten Buchhandlung klang zunächst einwenig gequält. Der schwarze Mann auf der Bühne, er war, wie immer bei seinen Auftritten, von Hut bis Schuh komplett schwarz gekleidet und hatte dazu noch eine Brille mit schwarzen Gläsern, eines seiner Markenzeichen, auf. Was konnte er von seinem Publikum damit wohl erkennen?

So düster blieb aber die Stimmung während seines erzählerischen und musikalischen Gangs durch die Stadtbezirke von Wien nicht. Schon bald hellte sich seine Miene, zumindest zeitweise, auf. Denn er erzählte von seinem, wenn auch derben, Großvater, von Kneipenstammgästen, die hinter den Abgründen etwas liebenswertes haben, von „Menschen“ am Rande der Gesellschaft, von denen, die ganz unten sind, die es wohl nicht mehr nach oben schaffen, die aber trotzdem, zumindest teilweise, sympathisch rüberkommen, menschlich eben, wie der Machatschek selbst auch.

Wien, immer wieder Wien, das ist die Stadt, die es ihm angetan hat, auch wenn er sie einen „rostigen Stern“ nennt, ihre Abgründe aufzeigt, und behauptet: Dort geht die Welt ein halbes Jahr später unter.

Machatschek kann hässlich, vulgär, gehässig, aber auch verbindlich, nett, sympathisch, liebenswert, warmherzig. Und so zieht er sein Publikum immer mehr auf seine Seite, ja bringt es sogar zum Mitmachen, zum Mitsingen, zum anhaltend Applaudieren, so dass er gleich drei große Zugaben gibt.

Und noch etwas, und das ist wohl einmalig: Am Ende des Abends ist er von der mitfühlenden, von der warmherzigen, von der anregenden Stimmung im Publikum so begeistert, dass er sogar die schwarze Brille kurz abnimmt, was er angeblich bei einem Auftritt noch nie getan hat. Diese ganz besondere Geste sei aber kein Gag, nicht gewollt, sondern spontan und aus einer Gefühlsregung für die diesem gelungenen Abend heraus entstanden. Nein, er hat sich nicht die Augen gewischt, sondern die Brille, als er die Veränderung seiner Kultfigur bemerkte, ganz schnell wieder aufgesetzt. So konnte er kurz seinem begeisterten Publikum in die Augen sehen. (rr-)

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