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Schwabmünchen

14.04.2015

Frau gefoltert - weil sie einen verheirateten Mann liebte

Ein Mann soll eine Ex-Prostituierte entführt und misshandelt haben.
Bild: Symbolbild, Anne Wall

Im Herbst ist eine Ex-Prostituierte entführt und misshandelt worden, weil sie einen verheirateten Mann liebte. Im Juni soll der Prozess gegen vier Angeklagte beginnen.

Es ist ein Bild wie aus einer Folterkammer. Zwei Polizisten dringen an einem Vormittag im vergangenen Oktober in ein Haus am Rand von Schwabmünchen ein. Sie vermuten, dass hier eine junge Frau in Gefahr ist. Tatsächlich finden sie Sina S.*, 25, in einem Kelleraum. Sie liegt am Boden in einer Blutlache. Sie hat Schnittwunden und Flecken am ganzen Körper. In ihrem Gesicht klafft eine knapp zehn Zentimeter lange Wunde, vom linken Auge bis zum Kiefer.

Für die Ermittler der Kripo steht fest: Sina S., eine Ex-Prostituierte, wurde in dem Keller so zugerichtet, weil sie eine Affäre mit einem verheirateten Mann begonnen hatte. Der Familienclan, zu dem der Mann gehört, wollte diese Beziehung offenbar nicht akzeptieren. Deshalb sollte Sina S. an jenem 18. Oktober wohl bestraft werden. Die Augsburger Staatsanwaltschaft hat inzwischen gegen zwei Frauen und einen Mann Anklage erhoben, die an dem Gewaltexzess im Keller des Schwabmünchner Einfamilienhauses beteiligt gewesen sein sollen. Ihnen wird Geiselnahme und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Mitte Juni soll vor einer Strafkammer des Landgerichts der Prozess beginnen. Als Haupttäterin gilt den Ermittlungen zufolge die verlassene Ehefrau Codruta G., 36. Sie gab Sina S. offensichtlich die Schuld daran, dass ihr Mann, mit dem sie drei noch minderjährige Kinder hat, sich endgültig von ihr trennen wollte.

Sina S. berichtete nach ihrer Befreiung aus dem Keller den Kriminalbeamten, die Ehefrau habe zu ihr gesagt, dass eine Trennung nach „Zigeunerrecht“ nicht möglich sei. Deshalb werde man sie umbringen. Codruta G. soll ihrer Rivalin mit einem Messer mehrere Wunden zugefügt haben. Unter anderem den langen Schnitt durchs Gesicht, welcher Sina S. wohl als Ehebrecherin kennzeichnen sollte.

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Vor dem Haftrichter hat Codruta G. bereits eingeräumt, dass eine „Kennzeichnung“ beabsichtigt gewesen sei. Dass Sina S. aus dem Keller befreit wurde, ist Zeugen zu verdanken, die mitbekamen, wie die junge Frau in der Friedenstraße in der Nähe des Schwabmünchner Bahnhofs von mehreren Personen in eine schwarze Geländelimousine, Typ BMW X6, gezerrt und weggebracht wurde. Die Zeugen verständigten die Polizei. Beamte eilten schließlich zum Wohnhaus der verlassenen Ehefrau. Dort wurde die Frau in den Keller gesperrt und offensichtlich brutal misshandelt. Sie soll dort auch mit Stöcken geschlagen, getreten und an den Haaren gerissen worden sein.

Auch der Mutter des Mannes soll der Prozess gemacht werden

Neben Codruta G. soll auch deren 19-jährige Nichte sowie der 26-jährige Bruder des untreuen Ehemannes an der Folter beteiligt gewesen sein. Zudem soll der Mutter des Mannes der Prozess gemacht werden. Sie soll in die Rachepläne involviert gewesen sein. Zu einem Polizisten hat sie laut Anklage über das Opfer gesagt: „Die Schlampe hat das verdient.“ Alle Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Der Prozess könnte schwierig werden: Sina S. hat kurz nach der Tat auf eigene Verantwortung das Klinikum verlassen und ist abgetaucht. Vermutlich hält sie sich in ihrer rumänischen Heimat auf. Es ist offen, ob sie zum Prozess kommen und dort eine Aussage machen wird.

Für die Verteidiger der vier Angeklagten war Sina S. aber trotzdem zu erreichen. Die Angeklagten sollen der Frau im Zuge eines Täter-Opfer-Ausgleichs 30000 Euro Entschädigung bezahlt haben, heißt es. Sina S. teilte im Gegenzug schriftlich mit, dass sie kein Interesse mehr daran habe, dass die Angeklagten noch bestraft werden. Doch die Richter zweifeln offenbar daran, dass das Geld wirklich geflossen ist.

Das Gericht ließ deshalb vor einiger Zeit sogar das Wohnhaus einer Angeklagten durchsuchen. Deren Verteidiger Michael Weiss ist mit diesem Vorgehen der Justiz nicht einverstanden. „Die Entschädigung ist bezahlt worden“, versichert er. Es gebe dafür die Bestätigung eines rumänischen Notars. *Name geändert

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