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Königsbrunn

28.01.2019

Frauen erzählen vom „Risiko Religion“

Die Referentinnen standen Rede und Antwort: (von links) Moderatorin Ulrike Weingartner, Doris Sperber-Hartmann, Gertrud Kellermann und Petra Kohnle.
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Die Referentinnen standen Rede und Antwort: (von links) Moderatorin Ulrike Weingartner, Doris Sperber-Hartmann, Gertrud Kellermann und Petra Kohnle.
Bild: Marion Kehlenbach

In Königsbrunn sprechen Frauen wie Dekanin Doris Sperber-Hartmann über Anekdoten, Missverständnisse und Kompromisse zwischen ihrem Glauben und Alltagsleben.

„Risiko Religion“ lautete der Titel der diesjährigen Frauenzeit. Dabei standen nicht die dramatischen Risiken um Leib und Leben im Vordergrund, wie sie am Sonntag Katholiken beim Bombenanschlag auf ihre Kirche in Manila erfahren mussten. Den Frauen im evangelischen Gemeindezentrum St. Johannes ging es um Missverständnisse im Alltag, um Unverständnis, dem sie begegnen und der Frage, wo Frauen Kompromisse zwischen Glauben und Alltagsleben eingehen beziehungsweise eingehen müssen.

Dekanin Doris Sperber-Hartmann beispielsweise erinnert sich an die Reaktion ihrer Mitschüler als sie erzählte, dass sie Theologie studieren und Pfarrerin werden wolle. „Aber Doris, du warst doch immer ganz fröhlich“, hätte da jemand ausgerufen. Über diese kleine Anekdote lachen die Teilnehmerinnen und Referentin heute herzlich. Es gibt da wohl das Pfarrerin-Bild von einer traurigen, grauen Maus, vermutet die Dekanin. Und sie erzählt von ihren Töchtern, als diese noch jünger waren. Wenn sie Freunde mit nach Hause brachten und man gemeinsam vor dem Essen ein Tischgebet gesprochen habe, war es ihnen unangenehm. Sie hätten ihre Freunde dann immer vorgewarnt mit den Worten, „Ihr wisst doch, unsere Eltern sind Pfarrer.“

Petra Kohnle wurde nicht ganz freiwillig Pfarrhausfrau

Petra Kohnle, Gemeindereferentin der katholischen Pfarreiengemeinschaft, berichtet von ihren Anfängen in Königsbrunn und dem Kompromiss, den sie dabei eingehen musste. Pfarrer Bernd Weidner wurde gerade von Steppach hierher versetzt und es war für sie sehr verheißungsvoll, in einer geistlichen Wohngemeinschaft zu leben. Aber es gebe eine ungeschriebene Regel, nach der eine Frau nicht einfach bei einem katholischen Pfarrer einziehen könne. Deshalb wurde sie damals auch Pfarrhausfrau, obwohl ihre Stärken nicht in der Haushaltsführung liegen, wie sie bekennt. „Aber ich hätte mich anders nicht getraut“, erzählt sie.

Zwischen den Vorträgen der Referentinnen diskutieren die Teilnehmerinnen in kleiner Runde und berichten von eigenen Erfahrungen. So von einem Vater, der selber Protestant war und den Kontakt zu seinem Sohn abbrach, als dieser eine Katholikin heiratete. Oder von katholischen Pfarrern, die bei der ökumenischen Trauung auf das Bekenntnis pochten, dass die Kinder der Brautleute katholisch getauft werden – obwohl alle, einschließlich des Pfarrers, wussten, dass das Paar die Kinder evangelisch erziehen will.

Dritte Referentin an diesem Nachmittag ist Gertrud Kellermann. Die Ehrenvorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Schwaben berichtet vom Judentum und den vielen Strömungen. „Die orthodoxen Juden halten sich streng an die alten Regeln und besonders streng sind die Vorschriften für die Frauen“, sagt Kellermann. Sie nennt Beispiele vom Gottesdienst, Kleidung und der Zubereitung der Speisen – eine wichtige Aufgabe, weshalb Frauen auch nicht in den Gottesdienst gehen müssen, damit alles fertig ist, wenn die anderen zurück kommen. Auf der anderen Seite gibt es Strömungen, die Frauen als Rabbinerinnen anerkennen. Die erste Rabbinerin wurde 1935 ordiniert.

Moderne Rabbiner unterstützen auch Frauen

Warum gelang den Frauen im Judentum die Reform, an der die Katholikinnen scheitern, ist eine Frage an Kellermann. „Das Judentum hat keinen Papst und es gibt auch moderne Rabbiner, die die Frauen unterstützen“, sagt Kellermann. Zudem bestimme die Gemeinde ihren Rabbiner selbst und wenn diese eine Frau haben will, könne sie es so umsetzten.

Aber es wurde nicht nur referiert und diskutiert. Sekt, Kaffee und Kuchen sowie die Musik der Frauencombo Butterflys unter der Leitung von Sabine Leimer verwöhnte die Teilnehmerinnen.

Die alle zwei Jahre stattfindende Frauenzeit feierte in diesem Jahr ein kleines Jubiläum: Es gibt die Veranstaltungsreihe inzwischen seit 20 Jahren, es war also die zehnte Frauenzeit, wie Moderatorin Ulrike Weingartner erläuterte. Weingartner ist auch die Leiterin des Vorbereitungsteams und moderiert die Veranstaltung, die sich explizit an Frauen richtet, seit zehn Jahren.

In den Vorjahren hieß die Reihe noch Frauentag, da die Veranstaltung bislang über den ganzen Tag dauerte und mit Workshops ergänzt wurde.

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