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Schwabmünchen

25.11.2018

Frauen spenden Haar für einen guten Zweck

Mitinitiatorin Tanja Ringel spendete vor dem Haarspendetag ihre langen Haare und beobachtet das Geschehen im Friseursalon.
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Mitinitiatorin Tanja Ringel spendete vor dem Haarspendetag ihre langen Haare und beobachtet das Geschehen im Friseursalon.
Bild: Uwe Bolten

Schnipp, schnapp, Haare ab: Warum Frauen in Schwabmünchen ihre langen Haare und Zöpfe spenden und was damit schließlich in Hamburg passiert.

Die Hinweise an die in der Garage der Wasserwacht an der Fuggerstraße versammelten Personen kamen nicht von einem Gruppenführer, sondern von Friseurin Heike Leyer, die jungen Damen, die dort nebeneinanderstanden, waren keine neuen Mitglieder, sondern Haarspenderinnen.

Nach einer Idee von Isabel Ringel entwickelte sich der 1. Haarspendetag in Schwabmünchen. Als aktive Wasserwachtlerin konnte Ringel schnell die Ortsgruppe der Hilfsorganisation für die Durchführung gewinnen. „Mit Heikes Friseurteam hatten wir dann glücklicherweise die notwendigen Fachkräfte zur Verfügung“, blickte sie zurück, während sie auf dem Friseurstuhl sitzt, um ihre langen Haare zu spenden.

Die eigene Haarspende war der Beginn

Mit Sara Eisenbarth von der Langerringer Initiative echt-haarig konnte Ringel die Fachkompetenz ins Boot holen, die sich im Umgang mit Haarspenden einen Namen gemacht hat. Vor fast zwei Jahren machte Eisenbarth durch ihre eigene Haarspende zu gemeinnützigen Zwecken diese Form des ehrenamtlichen Engagements in der Region bekannt.

Tanja Ringel, Isabels Mutter, unterstützte das Vorhaben ihrer Tochter sofort. „Ich sagte ihr, wenn sie das durchziehe, dann mache ich auch mit“, erzählte sie mit mittlerweile kurz geschnittener Frisur. Für die Durchführung gelang es den beiden in der Folge, diverse Unternehmen der Region als Sponsoren zu gewinnen.

Elf Haarspenden und Zöpfe aus der Schublade

„Heute erwarten wir elf Spenderinnen sowie die Übergabe von weiteren Zöpfen, die in Schubladen daheim lagerten“, sagte sie auf dem Weg von der Wasserwacht-Garage zum Friseur-Salon.

Carmen Rest will ihre Haare nach der Spende kurz und gerade. „Ich bin so froh, dass die langen Haare wegkommen. Ich hatte sowieso vor, sie abzuschneiden“, sagt die 16-jährige Schwabeggerin auf dem Friseurstuhl im Salon. Ihr Vater Andreas Rest zeigte sich begeistert über die Entscheidung, die Haare zu spenden. „In diesem Alter sollen die Mädchen selbst entscheiden, wie sie aussehen wollen. Ich bin voll stolz auf sie, dass sie sich wie selbstverständlich für diese Spendenaktion gemeldet hat“, sagte er.

An fünf Arbeitsplätzen waren die Friseurinnen tätig, um die langen Haare, mittlerweile in einzelne Haarbüschel zusammengefasst, abzuschneiden. „Bist du bereit? Wirklich?“, war hin und wieder zu hören, bevor scharfe Scheren die Köpfe von ihren langen Haaren befreiten. Unmittelbar danach erhielten die Spenderinnen schicke neue Frisuren.

Heike Leyer, Inhaberin von Heikes Friseurteam, sprach sich lobend über ihre Mitarbeiterinnen aus, die die Haarspenden abnahmen und anschließend den Spenderinnen neue Frisuren schnitten. „Wir heißen nicht nur so, sondern sind auch wirklich ein Team. Ich brauchte gar nicht lange zu fragen. Für die Aktion haben wir unseren regulären Betrieb auch eine Stunde früher beendet“, sagte sie und wies darauf hin, dass nach der ersten Haarspende durch Sara Eisenbarth immer wieder Menschen anriefen und nach der Möglichkeit der Haarspende nachfragten.

Eisenbarth erläuterte inzwischen interessierten Besuchern in der Wasserwacht-Garage die Intention ihrer Initiative echt-haarig. Mittlerweile hat sie mehr als 500 Haarspenden an den Hamburger Verein Königinnen übergeben können. Dort werden Haarteile und Perücken aus und mit Echthaar gefertigt, die gerade bei Patientinnen, die an krankheits- oder genetischbedingtem Haarausfall leiden und durch diese individuellen Lösungen ein Stück Normalität und Würde zurückerhalten. „Besonders setzt sich der Verein für Kundinnen ein, die die Kosten außerhalb der Krankenkassenanteils für Echthaarteile nicht finanzieren können“, sagte sie.

Einziger gemeinnütziger Verein ist in Hamburg

Erst vor Kurzem hat sie wieder einen ganzen Koffer voller Haarspenden an den gemeinnützigen Verein übergeben. Gerne würde Eisenbarth die Spenden auch lokalen Perückenmachern zur Verfügung stellen. „Natürlich haben wir hier in Bayern auch diese Salons, aber die arbeiten nicht karitativ“, fügte Eisenbarth hinzu.

Auch Heike Leyer konnte im Gespräch nicht weiterhelfen. „In der weiteren Region gibt es schon Hersteller, aber sie arbeiten nicht ehrenamtlich. So wie es der Königinnen-Verein es macht, ist mir kein weiterer bekannt“, bestätigte Leyer die Darstellung der Langerringer Initiatorin.

So bleibt Eisenbarth derzeit nichts anderes übrig, als die Haare nach Hamburg zu bringen. „Die Reisekosten zahle ich aus eigener Tasche, wenn mir nicht gerade Geldspender unter die Arme greifen“, sagt sie mit einem hoffnungsvollen Lächeln. Sara Eisenbarth ist unter der Rufnummer 0160/94565370 erreichbar.

Der Haarspendetag der Wasserwacht war ein voller Erfolg für alle beteiligten ehrenamtlichen Helfer. Insgesamt hat es elf Vor-Ort-Spenden gegeben, drei Personen nutzten die Gelegenheit und brachten ihre abgeschnittenen Zöpfe vorbei, vier Zöpfe lagerten noch bei Heikes Friseurteam, wobei ein langer mit 40 Zentimetern von Leyers Mutter stammte. „Mehr Spenderinnen hätten es nicht sein dürfen. Wir hätten sonst die logistischen Grenzen gesprengt. Jetzt können wir daraus lernen“, sagte Tanja Ringel abschließend.

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