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21.03.2009

Fritz Nagel lebt für die Bambusflöte und deren vielseitigen Klang

Biberbach-Markt Shakuhachi heißt sie. Schön und elegant ist sie. In Farben von fast schwarz bis honighell gibt es sie; gebogen oder auch kerzengerade. Ein Stück Natur pur ist sie, aber auch ein Musikinstrument ganz besonderer Güte. Shakuhachi bedeutet auf Japanisch 54,5 Zentimeter. Und genau so lang ist die Grundform der Japanischen Zenflöte, um die sich bei Fritz Nagel aus Biberbach-Markt fast alles dreht.

Auf Gestellen im Freien trocknen sie bis zu zwei Jahre lang, bevor die dicken Halme besonderer Bambusarten so weit sind, dass sie zu Flöten werden, in denen eine unglaubliche Bandbreite von Tönen steckt. Hell zirpen kann man damit, dunkel vibrieren auch. Hoch und tief, quer durch die Klangwelten der meist eigenen Stücke spielt sich Nagel. Bei Konzerten, Lesungen, Märchenstunden oder Ausstellungseröffnungen - überall kann man ihn hören.

Unterricht für Anfänger und Fortgeschrittene

Viele sind von dem Instrument so beeindruckt, dass sie selbst damit experimentieren möchten. Den Menschen kann geholfen werden, denn Fritz Nagel baut sie auch auf Bestellung, und unterrichtet Anfänger wie fortgeschrittene Spieler.

Fritz Nagel lebt für die Bambusflöte und deren vielseitigen Klang

"Ich genieße das Arbeiten mit dem Bambus sehr, dabei kann ich mich entspannen", schwärmt er. Nicht mal seine Abfallstücke, die beim Flötenbau anfallen, werfe er so einfach in den Ofen. Er überlege lange, ob sich nicht noch etwas Sinnvolles daraus machen ließe, bevor das eine oder andere Stückchen dann doch die Werkstatt wärmt.

In dieser Werkstatt steht er nicht immer alleine, denn wer sich sein Instrument selber bauen möchte, kann das unter fachlicher Anleitung tun. Das hat sich herumgesprochen. Die zukünftigen Flötenspieler reisen aus der ganzen Republik an. Die Shakuhachi wird "ihrem" Spieler auf den Leib geschneidert. Die richtige Länge wird ausgewählt, und die Grifflöcher passend zur Hand des Spielers angebracht. Auch die Farbe und Struktur des Bambus variiert, und kann nach Geschmack ausgesucht werden. Aber das hat seinen Preis. Mit 200 Euro muss man für ein Anfängermodell rechnen. 400 Euro kostet eine Wurzelflöte mindestens. Bei der sind die Wurzelringe sorgsam geschliffen und ins Gesamtbild integriert. Richtig günstig ist das aber wieder, wenn man die japanischen Preise kennt. Dort ist eine Shakuhachi erst ab rund 1000 Euro aufwärts zu haben, so Nagel. Wie kommt nun ein Oberbayer aus Bayrischzell zur japanischen Zenflöte? Würde man bei dieser Herkunft doch eher ein zünftiges Blech erwarten, wenn schon die Muse anklopft.

Doch mit 14 Jahren besuchte er einen Schwager in Amerika, der in einem Blockflötenquartett spielte. Dort gefielen dem Buben aus Bayern die tiefen Töne der Bassblockflöte besonders. Zurück daheim wünschte er sich eine Blockflöte und bekam prompt eine C-Flöte aus Plastik, also so gar nicht das, was er sich vorgestellt hatte. Unterricht gab's auch keinen, da war die Flötenliebe bald wieder vorüber.

Erst ein paar Jahre später fand er in Schwabing für drei Mark eine Bambusflöte "in Touri-Qualität", wie er grinsend erzählt. "Schlecht gestimmt, aber schön lackiert", wurde sie zur Einstiegsdroge.

Akute Sucht

Akut wurde die Flötensucht durch die Begegnung mit der Musik von Stefan Micus, einem deutschen Musiker und Reisenden, der mit traditionellen Instrumenten experimentiert. "Da wusste ich, dass ich eine Bambusflöte brauche", beschreibt Nagel den Beginn seiner Leidenschaft. Nach verschiedenen fehlgeschlagenen Kaufversuchen in Musikgeschäften ging er schließlich in einen Gartenmarkt, kaufte sich Bambusrohre und fing mit dem Flötenbau ganz von vorne an. Dabei kamen ihm die technischen Grundlagen seines Studiums der Versorgungstechnik ebenso zugute, wie die Geduld, die er bei der zweiten Ausbildung zum Erzieher mitbringen musste.

Trotzdem dauerte es viele Jahre, bis der heute 46-jährige so zielsicher und entspannt wie heute an den Bau jeder neuen Flöte herangeht. Das Spielen erlernte er im Selbststudium und bei einem japanischen Meister, bei dem er zwei Jahre lang die 36 traditionellen Basisstücke studierte.

Heute holt er sich seinen Bambus aus dem Piemont und der Toskana und komponiert eigene Stücke - mal im traditionellen Stil, aber auch mal ganz anders. 1993 wurde die Shakuhachi vom Hobby zum Beruf, den Fritz Nagel aus Markt mit einer Leidenschaft betreibt, um die man ihn nur beneiden kann.

Informationen zur Zenflöte gibt es bei Fritz Nagel unter Telefon (0 82 71) 14 72. Zu hören ist er am Sonntag, 26. April, um 16 Uhr im Meditationsraum der Abteil Oberschönenfeld. Anmeldung unter Telefon (0 82 38) 96 25 27.

Weitere Informationen im Internet unter

www.shakuhachi.info

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