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Bobingen

30.04.2017

Fröhlich nach Tod und Trauer

In kleinen Gruppen werden an der Singoldschule die schweren Themen um Tod und Trauer auf spielerische Art erarbeitet.
Bild: Anja Fischer

In Bobingen erfahren Viertklässler von der Hospizgruppe, warum das Sterben nicht das Ende von allem ist.

Die kleine Lenja hat schon eine Vorstellung von Tod und Vergänglichkeit. Sie verweist auf eine verwelkende Blume im Klassenzimmer der 4c an der Singold-Grundschule in Bobingen-Siedlung. „An der Blume können wir sehen, was passiert“ sagt sie.

Über Themen wie Tod, Leid und Vergänglichkeit reden viele Menschen nur sehr ungern. Verständlich, denn wer setzt sich schon gerne mit der eigenen Vergänglichkeit auseinander. Zumal diese gerade bei jungen Menschen doch in weiter Ferne zu liegen scheint.

Kinder erfahren die Realität schon früh

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Vor allem in Gesprächen mit Kindern werden Themen wie Tod und Sterben oft ausgeklammert. Dabei machen auch sie ihre eigenen Erfahrungen, erleben etwa Trauerfälle oder das Denken an ein nahendes Ende im Verwandtenkreis. Das beginnt schon, wenn das geliebte Haustier stirbt. Oder wenn die Großeltern vielleicht an Demenz erkranken oder zum Pflegefall werden. Wenn die Eltern auf eine Beerdigung von Bekannten gehen. Oder wenn gar ein Familienmitglied stirbt. Die Kinder der Klasse 4c in der Außenstelle Siedlung der Grundschule an der Singold in Bobingen wissen seit dieser Woche viel besser, wie man mit dem Thema Tod umgehen kann. Sie haben am Projekt „Hospiz macht Schule“ der Hospizgruppe Bobingen teilgenommen. Hier durften die Kinder erst einmal eine Blume in einen selbst gestalteten Topf einpflanzen. Der kleine Leon weiß: „Wir sollen uns vorstellen, wie eine Blume lebt. Wie sie wächst und blüht und vergeht.“ Er findet es super, dass sich die Helfer der Hospizgruppe so viel Zeit nehmen und eine ganze Woche lang das Thema kindgerecht aufarbeiten. „Es ist schön, dass es nicht so brutal ums Sterben geht, sondern wir da gut mitmachen können“, findet er. Sein Klassenkamerad Kevin hat aus dem heutigen Tag schon einiges mitgenommen: „Es ging um Sterben und Vergehen – manche Menschen müssen sterben, dafür werden andere geboren“, erzählt er. Und seine Mitschülerin Lenja gefällt besonders, dass „mit uns wirklich über alles gesprochen wird und wir alles fragen dürfen und dabei trotzdem ganz viel Spaß haben“.

Für Kinder ist Demenz ein Thema

Auch in den nächsten Wochen wird vieles aus den Seminarinhalten Schüler und Lehrerin immer wieder beschäftigen. Wenn ein Kind traurig ist beispielsweise. Dann wird daran erinnert, was man tun kann, um wieder fröhlich zu sein. Und so lernen die Kinder nicht nur, mit Trauer und Tod umzugehen, sondern auch wieder fröhlich zu werden.

Bereits zum vierten Mal gingen Mitglieder der Hospizgruppe um deren Leiterin Mirela Wollner in eine Bobinger Grundschule, um mit den Schülern Sterben und Tod zu thematisieren. „Dieses Jahr waren wir zum ersten Mal in einer vierten Klasse“, erzählt Mirela Wollner. „Da mussten wir unser Projekt ein wenig anpassen. Die Kinder haben eine andere Entwicklungsstufe als die Drittklässler, die wir früher hatten.“ Für die Schüler der vierten Klasse sei der Tod schon realistischer. Auch sei in diesem Jahr erstmals über das Thema Demenz gesprochen worden, wenn „man sich selbst vergisst“. „Das ist ein sehr wichtiges Thema, das auch Kinder sehr beschäftigt“, meint Mirela Wollner. „Und es ist in vielen Familien sehr präsent.“ 17 Buben und Mädchen sind in der Klasse von Gabriele Beyrle, die bereits zum zweiten Mal mit einer Klasse an dem Projekt teilnimmt. Vor vier Jahren betrat sie zusammen mit der Hospizgruppe neue Wege und nahm zum ersten Mal an dem Projekt „Hospiz macht Schule“ teil. Damals machten sich viele Eltern Sorgen, ob ein solches Projekt überhaupt an eine Grundschule gehöre. „Das ist heute nicht anders“, weiß Gabriele Beyrle. „Es gibt Eltern, die von vorne herein finden, dass das eine gute Sache ist und andere, die eher verunsichert sind.“ Ein Informationsabend im Vorfeld der Aktion überzeugte schließlich alle Eltern, ihre Kinder daran teilnehmen zu lassen. „Meine persönlichen Erfahrungen mit diesem Projekt sind durchweg positiv“, macht die erfahrene Lehrkraft deutlich. „Die Kinder gehen viel einfühlsamer und sensibler miteinander um.“

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