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15.01.2020

Für ein Paar Winterschuhe fehlt das Geld

Ein ehemaliger Waldarbeiter wird plötzlich krank und landet unverschuldet in der Armut. Wie die Kartei der Not Menschen in der Region geholfen hat und wie sie unterstützen kann

Er ist ein fleißiger Waldarbeiter, bis die anstrengende körperliche Arbeit ihren Tribut fordert. Rückenbeschwerden und kaputte Knie, eine Diabeteserkrankung und Depressionen sind die Folge. Er tritt gezwungenermaßen vorzeitig seinen Ruhestand an und lebt seither von äußerst kargen Mitteln. Wegen Eigenbedarf verliert der 62-Jährige auch noch seine Wohnung. Er hat Glück: Mithilfe eines Wohlfahrtsverbandes findet er einen Platz in einem betreuten Wohnheim. Für den Umzug hat er vorher schon 30 Euro pro Monat angespart. Jetzt bleibt ihm im Wohnheim nur ein Taschengeld und für dringend benötigte Winterschuhe, eine Winterjacke und eine neue Hose fehlt ihm das Geld. Die Kartei der Not unterstützt ihn dabei – wie vielen anderen im Verbreitungsgebiet der Schwabmünchner Allgemeinen.

Das Leserhilfswerk unserer Zeitung unterstützte sie – wie auch viele andere Menschen, die unverschuldet in eine schwierige Lebenslage geraten sind. Im vergangenen Jahr hat die Kartei der Not im Verbreitungsgebiet der Schwabmünchner Allgemeinen in über 50 Fällen Hilfe geleistet. Im Verbreitungsgebiet der Redaktion konnten 56 Hilfeanfragen unterstützt werden. Davon 25 in Schwabmünchen und 31 in Königsbrunn. Insgesamt half die Kartei der Not dort mit rund 44000 Euro.

Die Hilfeanfragen kamen in 23 Fällen von Familien mit gesamt 50 betroffenen Kindern. In 22 Fällen waren eine chronische Krankheit und/oder eine Behinderung zu bewältigen. Bei den Menschen mit Behinderung haben neben zwei betreuten Erholungsmaßnahmen zweimal EDV-gestützte Kommunikationsmittel zur Verständigung bezuschusst. Auch die Kosten der Gesundheit, von Zuzahlung und einer Therapie wurden unterstützt.

Der meiste Unterstützungsbedarf drehte sich um das Wohnen. So half die Kartei der Not 28 Mal bei den Energie- und Nebenkosten sowie Mietzahlungen, um zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren oder ohne Strom und Heizung sind. Dabei war oft auch die Hilfe beim Umzug in eine günstigere Wohnung nötig oder Einrichtung wie eine Kochmöglichkeit, ein Kühlschrank, Herd oder ein Bett mit Matratze nötig. In 18 Fällen wurde akut der Lebensunterhalt unterstützt – also das wirklich Nötigste zum Leben wie Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel oder Babybedarf. Zwei Anträge auf Aufnahme ins Ellinor-Holland-Haus wurden gestellt, die nicht zugesagt werden konnten. „Es gibt auch in unserer Region so viele Einzelschicksale und Unglücke, die bewegen und bei denen man einfach helfen muss. Wir freuen uns in der Kartei der Not deshalb sehr über jede Spende, weil unser Leserhilfswerk nur dank dieser Spenden wirklich die Not lindern kann. Vielen Dank an all unsere Leser für ihre großartige Unterstützung“, sagt Arnd Hansen, der Geschäftsführer der Kartei der Not. Er lobt auch die enge Zusammenarbeit mit zahlreichen sozialen Organisationen vor Ort, mit denen eine nachhaltige Hilfen erreicht werden soll. So wie mit einem Wohlfahrtsverband, der einer Frau wieder auf die Beine geholfen hat.

Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und hatte sich früh den falschen Mann ausgesucht. Seit der Geburt ihrer Tochter war sie allein auf sich gestellt. Als selbstständige Buchhalterin schlug sie sich alleine durchs Leben. War es anfangs die Kindererziehung und -versorgung, half sie später bei der Pflege ihres Stiefvaters mit, danach versorgte sie ihren pflegebedürftigen Vater und nach dessen Tod ihre Mutter. Es war niemand anderes da. Seit einiger Zeit leidet ihre Tochter an einer chronischen Krankheit – die nächste Herausforderung. Dann erkrankt die Frau selbst an Krebs, kann kaum mehr arbeiten und ist zu 80 Prozent schwerbehindert. In der Überlastung hat sie viel zu spät Hilfe gesucht – erst, als sie aus der Wohnung geräumt werden sollte, weil die Mietrückstände zu groß wurden. Damit sie wegen der Mietrückstände nicht auf der Straße landet, hilft die Kartei der Not. Der Wohlfahrtsverband hilft, die finanzielle Situation auch für die Zukunft zu regeln.

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