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14.07.2010

"Für jeden Patienten ein Verfahren, mit dem er trocken wird"

Stadtbergen Für das Tabuthema Harninkontinenz - in diesem Fall beim Mann - hatte der Oberarzt an der Urologischen Klinik des Klinikums, Uwe Löffler, eine griffige Definition: "Blasenentleerung zur falschen Zeit am falschen Ort", wie er bei der Ärztlichen Vortragsreihe im Bürgersaal sagte.

Es sei keine Krankheit, sondern ein Symptom, das auf unterschiedliche Störungen hinweise. Die Störung herauszufinden, bestimme die Therapie. Löffler sortierte die Inkontinenzursachen und die möglichen Gegenmittel.

Zuvor wies Löffler darauf hin, dass Blasenschwäche erhebliche hygienische und soziale Probleme sowie hohe Kosten nach sich ziehen könne. Folgen könnten Harnwegs- und Pilzinfektionen wie auch Hautreizungen sein. Vier Millionen Menschen seien in Deutschland betroffen. Dies sind häufige Ursachen der Störung:

l Hoher Blasendruck (Dranginkontinenz) Hinter diesem unablässigen Harndrang stehen laut Löffler mehrere mögliche Faktoren, eine Entzündung, Blasensteine oder Ableitungsprobleme der Harnwege. Auch die Nervensteuerung der Blase kann beeinträchtigt sein. Hier helfen verschiedene Medikamente. Löffler ging besonders auf Botulinumtoxin ein, ein Nervengift. Das Mittel sei allerdings derzeit nicht zugelassen und wirke auch nur jeweils ein halbes Jahr. In seltenen Fällen kann ein "Blasenschrittmacher" eingesetzt werden.

"Für jeden Patienten ein Verfahren, mit dem er trocken wird"

l Verminderter Widerstand Bei Belastung, etwa starkem Husten, kann dann die Blase den Harn nicht halten. Dahinter können wiederum verschiedene Ursachen stecken.

Schwäche des Schließmuskels: Davon sind Männer häufig nach Operation der Prostata betroffen. Dagegen gibt es Hilfsmittel, etwa einen Schlauch, der den Harn in einen am Bein befestigten Beutel ableitet, eine Penisklemme oder Ballons oder Schlingen, die helfen, die Harnröhre zuzudrücken oder die Muskeln zu unterstützen. In einer Operation kann ein künstlicher Schließmuskel eingebracht werden. Meist sei der Muskel aber nicht der Grund für Blasenschwäche.

Beckenbodenschwäche: Durch einen kleinen Eingriff kann ein so genanntes transobturatorisches Band eingesetzt werden, das den abgerutschten Blasenausgang wieder so weit anhebt, dass die Harnröhre wieder abgedichtet ist.

An den Vortrag schloss sich eine ausführliche Diskussion an, in der vor allem die Chefärztin der Urologie, Prof. Dorothea Weckermann, gefragt war. Schwerpunkt dabei waren die Prostataoperation und ihre Folgen. Interessant war, dass die Klinik nicht auf Magnetresonanztomografie zurückgreift, weil ein statisches Bild in diesem Fall nicht so aussagekräftig ist wie eine dynamische Darstellung der Blasenentleerung.

Löffler hatte am Ende die tröstliche Botschaft: "Für jeden Patienten gibt es ein Verfahren, mit dem er trocken wird."

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