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Batzenhofen

11.12.2016

Geheimnisvolle Gewölbe im Schloss

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4 Bilder
Schreiner und Schlossbesitzer Sebastian Schaflitzel zeigt die Gewölbe unter Schloss Batzenhofen.
Bild: Marcus Merk

Schloss Batzenhofen lässt seinen Besitzer nicht los. Denn das Gebäude gibt viele Rätsel auf, die auch nach wissenschaftlichen Untersuchungen nicht alle gelöst sind.

Sebastian Schaflitzel ist leidenschaftlicher Sammler. Und mag das historische Puzzleteil, das er über den ehemaligen Sommersitz der Damen von St. Stephan ausgräbt, noch so klein sein: Schaflitzel will es haben, einordnen, katalogisieren, aufbewahren. Doch eins wurmt ihn: Vor 1530, also bevor die letzten Gebäude von Batzenhofen an St. Stephan verkauft wurden, tut sich eine große Lücke auf. „Was davor geschehen sein mag, ist mir ein Rätsel“, erklärt Sebastian Schaflitzel mit Blick auf die alten Dokumente, Postkarten und Chroniken, die in seinem Besitz sind.

Schaflitzels großes Interesse an der Geschichte von Schloss Batzenhofen (siehe kurz infomriert), hat gleich mehrere Gründe. Der geborene Batzenhofener ist genau unterhalb des einstigen Schlosses bei der Mühle aufgewachsen, die selbst auf eine lange Tradition zurückblickt. Bereits im Jahr 1992 erschien dazu das Buch „700 Jahre Mühle Batzenhofen“, an der Sebastian Schaflitzels Familie selbst engagiert mitgearbeitet hat.

2003 kauft Sägewerksbesitzer Schaflitzel das einstige Schloss und beschloss den Umbau

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Und seit 2003 hat Sägewerksbesitzer Schaflitzel auch noch einen ganz persönlichen Grund, sich um die Historie zu bemühen: Genau in diesem Jahr bekam er die unerwartete Chance, das einstige Schloss zu kaufen, und er ergriff die Gelegenheit gemeinsam mit seiner Frau beim Schopf.

Bereits beim Kauf war Sebastian und Gertrud Schaflitzel klar: „Wir werden nicht selbst einziehen.“ Und so fühlen sie sich beide heute keineswegs als Schlossherren, sondern berichten lieber von der spannenden Reise, die direkt nach dem Kauf des Anwesens begonnen hat und mit der Vermietung noch lange nicht endet. Ausgangspunkt des Umbaus, der zum Mammutprojekt werden sollte, war diese Idee des Ehepaars: „Uns gefiel das Haus ohne Anbauten besser.“ Und so entschieden sie sich, möglichst viel von den Um- und Anbauten rückgängig zu machen, die seit 1924 unter Federführung der Diakonie entstanden waren.

Daraus wurde phasenweise ein hoch-wissenschaftliches Projekt. So geht aus der dendrochronologischen Untersuchung (Altersbestimmung des Holzes) aus dem Jahr 2009 hervor, dass zwar Dach- und Deckengebälk aus dem Jahr 1712 stammen müssen, allerdings gab eben diese Untersuchung auch weitere Rätsel auf. Ein älterer Ostflügel, dessen Bauzeit nicht bestimmt werden konnte, muss einst um den Nordflügel ergänzt worden sein.

Zudem ergaben Bohrungen am Gebälk, dass in den Jahren nach 1813 und nach 1815 neue Dachbalken im Nordflügel eingesetzt wurden.

Vertreter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege rückten regelmäßig während der Umbauphase an

Diesen wissenschaftlichen Befunden stehen jede Menge Vermutungen und Ideen gegenüber, die allerdings (noch) nicht belegt werden konnten. Vertreter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, mit Sitz in Thierhaupten, rückten regelmäßig während der Umbauphase an. Vor allem dann, wenn Erdbewegungen stattfinden sollten, waren sie gespannt, ob Teile der vermuteten Burganlage beispielsweise beim Anlegen der Tiefgarage zum Vorschein kommen würden. Ausgebaggert wurde allerdings nichts dergleichen. Doch Sebastian Schaflitzel hat eine Vermutung: „Ein Teil des Hauses könnte einst ein altes Vogthaus gewesen sein.“ Mithilfe einer Zeichnung macht er sich einen eigenen Reim auf die Idee von einer alten Burganlage.

Mit viel Phantasie könne man eine Anhöhe erkennen, die den Kirchturm optisch mit dem einstigen Schloss in Verbindung bringt - und die für eine alte Burgwallanlage spricht. Auch dafür spricht, dass Sebastian Schaflitzel bei Arbeiten am Kirchturm von St. Martin in Batzenhofen erfuhr, dass eben dieser gar nicht als Kirchturm, sondern vermutlich als Wehrturm vorgesehen war. Vielleicht stammt ja auch der Gewölbekeller des Schlosses von der „abgegangenen Burg“. Oder er ist auf die Zeit zurückzuführen, als im ehemaligen Schloss nach der Säkularisation eine Brauerei betrieben wurde.

Im Gewölbekeller wurde es während der Umbauphase spannend

In genau diesem Gewölbekeller spielte sich auch eine spannende Episode während der Umbauphase ab. Gertrud Schaflitzel erinnert sich, wie die Männer „wie die kleinen Kinder“ durch den Keller hetzten, weil eben dort ein Schatz vergraben sein sollte. Plötzlich standen sie vor einer zugemauerten Stelle im Keller und einem großen Sandberg - und begannen zu graben.

Was sich allerdings dahinter verbarg, war nicht der erhoffte Schatz. Zum Vorschein kam stattdessen eine vereinsamte Toilette. Einem weiteren Gang folgten sie – der der Sage nach nach Gailenbach führen sollte – und landeten wieder im Haus. Weitere Abenteuergeschichte oder gar gruselige Anekdoten gibt es nicht.

Hätte es diese gegeben, wäre Getrud Schaflitzel während der zweijährigen Umbauphase auch nicht regelmäßig mit ihren Kindern ins Schloss gegangen, um die 136 Fenster zu öffnen und wieder zu schließen. Das war nötig, um die Gebäudesubstanz zu erhalten, jedoch ohne Elektrizität mitunter auch ganz schön abenteuerlich.

Seit 2013 ist Ruhe eingekehrt. Der Umbau ist abgeschlossen. Und während Sebastian Schaflitzel in seinem Büro historische Unterlagen wälzt, merken die Bewohner des einstigen Schlosses nichts davon. Sie wohnen im früheren Sommersitz der Damen von St. Stephan und helfen Gertrud Schaflitzel dabei, die Parkanlage zu pflegen.

Die geheimnisvollen Gewölbekeller sind gut versperrt 

Die geheimnisvollen Gewölbekeller sind gut versperrt und auch sonst verirrt sich kaum ein Geschichtsinteressierter nach Batzenhofen. Zu präsent ist die einstige Nutzung als Altenheim. Zu weit weg ist die Vergangenheit des Hauses als Sommersitz.

Doch immer dann, wenn Sebastian Schaflitzel wieder ein historisches Puzzleteil findet, startet das Kopfkino. Vielleicht hatte ein Mitglied der Langenmantel’schen Familie, die im nahen Westheimer Schloss residierte, ja einst ein Techtelmechtel mit den Damen von St. Stephan? Sebastian Schaflitzel kann nur Mutmaßungen anstellen, doch er wird weiter forschen auf der Suche nach dem nächsten Puzzleteil.

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