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Untermeitingen

13.09.2019

Gelingt dem Bürgermeister die Flucht aus dem Escape Room?

Jugendpfleger Manuel Fischer (links) und Sebastian Finkenberger von der mobilen Kinder- und Jugendarbeit auf dem Lechfeld sind stolz auf den Escape Room im Jugendhaus Untermeitingen.
Bild: Michael Lindner

Ein Bürgermeister, ein ehemaliger Polizist und ein Redakteur tauchen ins Mittelalter ein und wollen gemeinsam die vielen Rätsel in einem Untermeitinger Keller lösen. Was hinter dem abenteuerlichen Spiel im Jugendhaus steckt.

Mehrere Stufen geht es hinab in den Keller des Untermeitinger Jugendhauses. Was dort auf uns wartet, wissen wir nicht. Wir, das sind in diesem Fall eine Gruppe von drei Personen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Einer von uns ist Simon Schropp, Bürgermeister von Untermeitingen und Feuerwehrmann. Das Trio komplettieren Hieronymus Schneider, Polizeibeamter im Ruhestand und freier Mitarbeiter unserer Zeitung, und ich selbst: Michael Lindner, 33, und seit drei Jahren Redakteur bei der Schwabmünchner Allgemeinen. An diesem späten Vormittag verfolgen wir alle dasselbe Ziel. Wir wollen den Escape Room im Untermeitinger Jugendhaus – einem ehemaligen Lagerraum – bezwingen. Und das, obwohl noch nie einer von uns an einem solchen Abenteuer teilgenommen hat.

So sieht der Blick in den Escape Room von der anderen Seite aus: Mittels Kameras können Jugendpfleger Manuel Fischer (links) und Sebastian Finkenberger von der mobilen Kinder- und Jugendarbeit das Treiben der Teilnehmer beobachten.
Bild: Michael Lindner

Nach einer kurzen Einweisung in das überschaubare Regelwerk des Spiels geht es auch schon los. Die Türe hinter uns schließt sich und wir sind für die nächsten 60 Minuten (fast komplett) auf uns allein gestellt. Besonders spektakulär sieht dieser erste Raum zugegebenermaßen nicht aus – und doch sollen hier mehrere Hinweise versteckt sein, um ein Zahlenschloss zu öffnen und so in den zweiten Raum zu gelangen. Unsere Blicke gleiten über das spärliche Inventar, die verschlossene Kiste und die verriegelte Tür.

Nach wenigen Sekunden wird der erste Schlüssel im Escape Room in Untermeitingen gefunden

Wo sollen wir denn am besten anfangen? Ein Konzept muss her. Während ich noch über das richtige Vorgehen grübel, brandet nach wenigen Sekunden der erste Jubel bei meinen beiden Mitstreitern auf. Sie haben Schlüssel Nummer eins gefunden (Wo, wird natürlich nicht verraten) und wir erhalten den ersten Hinweis. Ich bin mir sicher: „Wenn das in dem Tempo so weiter geht, stellen wir einen neuen Rekord auf.“ Doch daraus wird nichts.

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Im Gegenteil: Im Schneckentempo geht es vorwärts – oder drehen wir uns, bildlich gesprochen, die ganze Zeit im Kreis? Unsere Hirne laufen auf Hochtouren, aber das Rätsel ist für uns nicht zu knacken. Mit jedem neuen Ansatz glauben wir, die Lösung gefunden zu haben – nur um Sekunden später wieder enttäuscht zu werden. So schwer kann das doch nicht sein, rede ich mir immer wieder ein. Aber unser Team kommt nicht auf den richtigen Ansatz.

Nur mit einem Tipp ist das Zahlenschloss im Untermeitinger Escape Room zu lösen

Nach vielen Minuten Grübeln, Knobeln und Probieren knarrt unser Walkie-Talkie. Manuel Fischer und Sebastian Finkenberger – die unser manchmal verzweifeltes Tun über die installierten Videokameras überwachen – geben uns einen kleinen Tipp. Kurz nachgedacht, die vier Ziffern ausprobiert und das Zahlenschloss geht knackend auf. Na super, so nah waren wir also an der Lösung dran. Später erzählen uns die beiden, dass wir den ersten Raum vergleichsweise schnell bewältigt haben.

Wir freuen uns zwar über dieses Kompliment, aber unser Gefühl war ein anderes: Wir dachten, dass wir extrem langsam sind. Wir öffnen also die Tür zum zweiten Raum und sehen (fast) nichts. Nur mit einer kleinen Stirnlampe bewaffnet erkunden wir den düsteren Raum. In der Mitte steht ein riesiger Sarg, an den Wänden sind verschiedene Gegenstände. Und auch sonst bietet der Raum viele Überraschungen – es dreht sich vieles um die Lechfeldschlacht. Mehr über das Spiel und den zweiten Raum wird hier aber nicht verraten, schließlich soll jeder Abenteurer das Spiel genießen. Und die Lösungen zuvor nachlesen zu können, ist deshalb wenig sinnvoll.

Gelingt Untermeitingens Bürgermeister Simon Schropp die Flucht aus dem Escape Room?

Nur so viel sei verraten: Der zweite Raum ist ein optisches Highlight. Es macht Spaß, nach den Hinweisen zu suchen – und erst recht, wenn man diese gefunden hat. Wenn es mal für längere Zeit nicht vorwärts geht, helfen einem Fischer und Finkenberger weiter. Dabei wird allerdings nicht gleich die richtige Lösung verraten, sondern nur ein weiterer Hinweis in die richtige Richtung gegeben. Wir lösen zu dritt Rätsel um Rätsel, während die Zeit gnadenlos verrinnt. Werden wir den Ausgang rechtzeitig finden? Oder steht schon die Schlagzeile für den nächsten Tag fest: „Bürgermeister wie vom Erdboden verschluckt“!

Doch all unsere Mühen sind letztlich vergeblich: Game over. Das Spiel ist vorbei und wir sind auch nach 60 Minuten noch immer im Escape Room gefangen. Wir haben verloren, aber so wirklich als Verlierer fühlt sich keiner von uns: Wir hatten 60 Minuten lang Spaß und werden den Escape Room in guter Erinnerung behalten. „Noch zehn bis 15 Minuten und ihr hättet es geschafft“, muntert uns Finkenberger auf. Das ist zwar nicht ganz schlecht, aber unser Ziel haben wir trotzdem verfehlt.

Simon Schropp: Escape Room ist wie ein Feuerwehreinsatz

Fazit Simon Schropp: „Es war wie bei einem Feuerwehreinsatz im Keller: Man kennt sich nicht aus, sieht nicht viel, aber hat Kollegen, die einem helfen und auf die man sich verlassen. Ein großes Lob an die Jugendlichen, die den Raum toll gestaltet haben. Die vielen Rätsel zu lösen ist eine schöne Teambuilding-Maßnahme.“

Fazit Hieronymus Schneider: „Ich dachte, dass das für mich als 66-Jährigen nichts ist. Trotzdem nahm ich das Angebot zu einem Selbstversuch an, man muss ja eigene Eindrücke sammeln. Spätestens am dem zweiten Raum tauchte ich komplett in die Spielwelt ein und vergaß, was draußen ist. Die Rätsel sind wirklich knifflig und gar nicht leicht durchschaubar und die Zeit läuft unerbittlich weiter. Letztlich hat uns der Escape-Room besiegt. Nach unserem Versuch verspürte ich Lust, das Ganze noch einmal zu machen. Doch einen zweiten Versuch gibt es nicht, sonst wäre der Reiz des Unbekannten ja verloren. Jedenfalls macht ein Escape-Room auch einem Senioren über 65 Jahren Spaß.“

Fazit Michael Lindner: „Schlüssel suchen und sich freuen, ihn gefunden zu haben? Das kenne ich leider nur allzu gut. Aber beim Escape Room macht es deutlich mehr Spaß, als die Suche nach dem Autoschlüssel. Auch wenn wir es nicht bis zum Ende geschafft haben, bin ich ein bisschen Stolz auf unsere Leistung. Und in einem bin ich mir sicher: Das wird nicht mein letzter Escape Room gewesen sein – dafür macht es zu viel Spaß.“

Kontakt: Wer einmal den Escape Room in Untermeitingen selbst ausprobieren möchte, schreibt eine E-Mail mit seinem Wunschtermin an escaperoom@junges-lechfeld.de. Die Veranstalter treten dann mit dem Interessenten in Verbindung. Die Kosten pro Person betragen 15 Euro.

Lesen Sie hier das Gespräch mit den "Erfindern" des Untermeitinger Escape Rooms: Auf die richtige Illusion kommt es im Escape Room an

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