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Landkreis

23.04.2019

Gemeindechefs fordern: Bürgermeister ist kein Nebenjob

Stadtwappen und Schriftzug am Königsbrunner Rathaus, das 1967 pünktlich zur Stadterhebung erbaut wurde.
Bild: Hermann Schmid

Plus Sie warnen vor dem Ausbleiben an Bewerbern. Ansprüche der Bürger und staatlich veranlasste Bürokratie fordern Arbeit in Vollzeit.

Es bahnt sich eine Diskussion ums Bürgermeisteramt in kleinen und mittleren Kommunen an. Rudolf Schneider bewirbt sich 2020 in Klosterlechfeld um das Amt des Gemeindechefs, er sagt aber auch: Eigentlich sei diese Aufgabe ehrenamtlich nicht zu schaffen. Er fordert noch mehr, als eine hauptamtliche Anstellung der Bürgermeister. Alle Gemeinden bräuchten eine „professionelle Administration“ mit entsprechend ausgebildeten Personal. Nicht überall sei das finanzierbar. Sein Kollege Rupert Fiehl gibt ihm in Kleinaitingen da recht: Den Bürger interessiere es nicht, wie der Bürgermeister eingestuft sei; er erwarte ein leistungsorientiertes Lenken der Gemeinde.

Ein starker Verfechter von hauptberuflichen Bürgermeistern ist auch Wehringens Gemeindechef Manfred Nerlinger. Er verfügt zwar über eine starke Verwaltung, für ein bloßes Ehrenamt an der Spitze seien jedoch die Verantwortung und der Termindruck viel zu groß.

Komplexe Aufgaben und Bürokratisierung fordern Zeit

Schützenhilfe bekommen die ehrenamtlich tätigen Bürgermeister von den Kollegen in den Städten im Landkreis-Süden. In Bobingen sagt Bürgermeister Bernd Müller: „Ich persönlich meine, dass „Gemeindechef“ ein Amt ist, das ausnahmslos hauptberuflich ausgeübt werden sollte, zumal die Komplexität der Aufgabenstellungen und die damit verbundene Verantwortung bei der Leitung einer Gemeinde den Einsatz erfordert, der nicht nebenbei, quasi „nach Feierabend“ , leistbar ist.“

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In Königsbrunn argumentiert Bürgermeister Franz Feigl: „Aufgrund der zunehmenden Bürokratisierung, die den Bürgermeister einer Gemeinde trotz der wertvollen Dienste der Verwaltung in den Verwaltungsgemeinschaften immer mehr beansprucht, halte ich es für unverzichtbar, dass mehr Kollegen hauptamtliche Bürgermeister werden.“

Bürgermeister Lorenz Müller sieht es nicht anders. „Gerade die eher zunehmende Flut an Neuerungen und Vorschriften macht es aus meiner Sicht auch in kleineren Kommunen fast unmöglich, das Amt des ehrenamtlich zu leisten.“

Weniger Vergütung, gleiche Ansprüche

In den übrigen Gemeinden im Südteil des Augsburger Landes klingt die Forderung teils noch schärfer. In Graben weist Andreas Scharf auf die Einkommenssituation hin: Ehrenamtliche Bürgermeister würden genauso viel wie die hauptamtlichen Kollegen leisten und die Bürger hätten die gleichen Ansprüche und Erwartungen. Dennoch verdienen die Ehrenamtlichen weniger und müssen oft noch einen anderen Beruf ausüben.

In Untermeitingen berichtet Simon Schropp: „Das Modell des Bürgermeisters im sogenannten ,Nebenamt’ ist überholt. Niemand kann neben einer normaler beruflichen Tätigkeit diese Tätigkeit in der Freizeit ausführen. Allein die terminlichen Verpflichtungen tagsüber erfordern eine hohe Flexibilität. Viele Arbeitgeber können einem diese Freiheiten nicht einräumen. Ein Bürgermeister muss seinen Fokus und die Energie voll und ganz auf die Gemeinde mit all den Herausforderungen richten können.“ Er fürchtet, dass es künftig zu wenig Bewerber für das wichtige Amt geben werde.

Ganz klar sagt auch Erwin Goßner in Großaitingen: „Die Bürgermeister kleinerer Gemeinden haben nicht weniger Aufgaben, Probleme und Verantwortung. Bürgermeister ist ein Vollzeit-Beruf.“

Einig sind sich auch die Bürgermeister der Staudengemeinden: „Um eine Gemeinde heute führen und entwickeln zu können, sind viele Kontakte und Termine notwendig“, sagt Josef Böck. Dieser Zeitaufwand sei im Ehrenamt bei Gemeinden ab einer Größe wie Langenneufnach nicht mehr nebenher zu bewältigen. Er selbst habe das Ehren- wie ein Hauptamt wahrgenommen. 2020 tritt der dienstälteste Gemeindechef der Region nicht mehr für eine weitere Amtszeit an.

Robert Wippel aus Scherstetten sagt, dass selbst in kleinen Gemeinden der Bürgermeister immer Ansprechpartner sein, sich mit den Gesetzen auskennen und auf Probleme kompetent und flexibel reagieren müsse. „Das ist nur als Vollzeitjob möglich“, sagt Wippel.

In die gleiche Kerbe schlägt Hans Biechele in Mickhausen: Er sei überzeugt, dass es in naher Zukunft immer weniger ehrenamtliche Bürgermeister geben wird. „Nebenher zum Beruf ist diese Tätigkeit nicht vereinbar.“(mit rusi)

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