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Kultur

23.09.2013

Geschlechtertanz beendet Saison im Lesepark

Plätzchen nach einem Rezept von Hildegard von Bingen verteilte Andrea Planckh vor der Veranstaltung an die Besucher.
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Plätzchen nach einem Rezept von Hildegard von Bingen verteilte Andrea Planckh vor der Veranstaltung an die Besucher.

Augsburger Schauspiel zeigt am Mercateum Handelsgeschichten aus der Zeit vor 500 Jahren. Pause bis Mai

Königsbrunn Mit einer besonderen Matinee samt Zeitreise 500 Jahre zurück ging gestern die Lesepark-Saison zu Ende. Heute werden die Skulpturen und die zum Bücherschrank umgebaute Telefonzelle abgebaut und für den Winter eingemottet. Seit Juni war der Lesepark geöffnet. Im Laufe des Sommers gab es dort verschiedene Aktionen. Kulturbüroleiterin Ursula Off-Melcher, die die über 120 Besucher gestern begrüßte, war sichtlich über den Zuspruch zufrieden. „Ich wurde so oft auf die quietschgelbe Telefonzelle angesprochen“, erzählte sie am Rande der Veranstaltung, die Leute fänden die Idee, sich einfach mit einem Buch zu bedienen, klasse. Aber auch die Ausstellungseröffnungen mit den Holzfiguren von Josef Lang und die Metall-Skulpturen der Familien Ludescher wurden von vielen Königsbrunnern besucht und gelobt. Gestern genossen die Königsbrunner rund um das Mercateum ein spätmittelalterliches Spektakel.

Aus Augsburg kam die Geschlechtertanzgruppe. In ihren prächtigen historischen Gewändern zeigten sie, welche Tänze bei den Patriziergeschlechtern vor rund 500 Jahren en vogue waren – und dass es nicht nur auf den Tanz ankam, sondern auch auf die Gespräche dazwischen. Die Zusammenkünfte in der Tanzstube nutzen die mächtigen Kaufmannsfamilien für Politik und Geschäft, erläuterte Anna, die Kammerzofe von Sibylla Fugger (gespielt von der Königsbrunnerin Ursula Stingl).

So ereiferten sich Bürgermeistergattin Langhammer und Kaufmannsgemahlin Sibylla Fugger in ihren feinen Kleidern aus schwerem Samt und edlem Brokat über einen Mönch aus Wittenberg. „Wir werden die Verbannung von Sammet und Seide geflissentlich überhören“, waren sie sich einig. Wertvoll waren zu dieser Zeit die Gewürze. Zehn Pfefferkörner waren damals ein „formidables Gastgeschenk“. So verteilte der Augsburger Medikus gestern an 2. Bürgermeisterin Barbara Jaser und die anderen Besucher kleine Pfefferbeutel.

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Einen anderen Leckerbissen bekamen die Gäste von der Interessensgemeinschaft Historisches Fechten: einen Nervenkeks. Das Gebäck nach einem Rezept von Hildegard von Bingen soll die Sinne schärfen. „Wichtig sind die Gewürze darin“, erzählte Andrea Planckh. Man brauche vier Teile Zimt, einen Teil Nelken und einen Teil Muskatnuss und Mandeln für ein fröhliches Gemüt. Die Männer der Gruppe zeigten derweil, wie die Kaufleute zu jener Zeit am langen Messer übten. Die Übungen waren wichtig, denn der Weg nach Venedig war lang und gefährlich. Doch außer mit raubendem Gesindel hatten die Augsburger Kaufleute noch mit vielen anderen Widrigkeiten zu kämpfen.

In einem populärwissenschaftlichen Vortrag erläuterte Manuel Widmann vom Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte der Universität Augsburg, die Tücken, die auf die Händler warteten. „Quellen zeigen, dass die venezianischen Zwischenhändler die Augsburger Kaufleute ganz schön über den Tisch gezogen haben“, so Widmann.

Im Mai soll der Lesepark wieder eröffnet werden. Darüber freut sich besonders Dr. Dr. Wolfgang Knabe von der Mercator-Forschungsgruppe: „Der Lesepark hat dem Mercateum gut getan. Der gesamte Bereich wurde mit Leben gefüllt.“

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