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Kreis Augsburg

15.12.2018

Gold! Kranfahrer aus Langerringen gewinnt TV-Show

Johann Tiefnig aus Langerringen ist einer der zwölf Kandidaten, die sich auf die große Suche nach dem Edelmetall begeben haben. Er
Bild: Nicolas Armer/DMAX

Plus Er hat es geschafft: Kim-Johann Tiefnig zählt zu den Gewinnern der TV-Show "Goldrausch am Yukon". Beim "Public Viewing" im Sportheim kochen die Emotionen.

Es ist 22.12 Uhr, als Kim-Johann Tiefnigs Handy heiß läuft. Im Sekundentakt blinkt nun das Gerät, Glückwünsche sausen über das Display, 100 Nachrichten in 30 Minuten. Von alledem bekommt der 37-Jährige nichts mehr mit: Er lässt sich jetzt feiern. Freunde, Bekannte, Langerringer fallen dem rauschebärtigen Mann um den Hals. Seinetwegen sind sie ins Sportheim gekommen, hier haben sie das Finale der TV-Show „Goldrausch am Yukon“ verfolgt. Jetzt steht fest: Der Kranfahrer Tiefnig ist der Gewinner des Abenteuers.

Zwischen rote Christbaumkugeln und überaus goldenen Sternen im weihnachtlich dekorierten Sportheim mengt sich ab 20.15 Uhr der Wilde Westen. Auf der Großleinwand läuft das „Goldrausch“-Finale im Livestream, die Küche serviert Cheeseburger, draußen brutzelt ein Grill. Schwäbisches Geplauder im Vereinsheim, kanadische Wälder auf dem Bildschirm.

40 Tage hatte Tiefnig am Yukon verbracht, in einer anderen Welt, fernab seiner Wahlheimat Langerringen und seiner Geburtsstadt Hamburg. In acht Folgen musste er sich vor dem erfahrenen Claimbesitzer David Millar als Goldgräber beweisen, jedes Mal schied einer der zwölf Konkurrenten aus. Der Gewinn, nach dem sie streben: Der Sieger darf eine Saison lang nach Edelmetall schürfen.

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Kim-Johann Tiefnig: Ein Musterexemplar für den Männersender DMAX

Auf dem Bildschirm mahnt Millar: „Wer glaubt, dass er sich hier auf Urlaub freuen kann, der kann gleich wieder heimfahren.“ In Langerringen sieht Tiefnig die Bilder, lacht und kommentiert: „Es war der beste Urlaub seit 20 Jahren.“ Er weiß schon, wer siegreich aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist.

Tiefnigs Freundin, Veronika Link, hat jede Folge gesehen und freut sich für ihn: „Wenn man die Chance zu so einem Abenteuer hat, dann sollte man es machen“, sagt sie. Und ihr Lebensgefährte ist ein Typ, den die Produzenten der Show nicht hätten erfinden können: prämierter Bartträger, ehemals Militär, heute Dachdecker und Kranfahrer. Ein Musterexemplar für den Männersender DMAX. Tiefnig bedient hier Bagger und „Loader“ als wären es Playmobil-Gefährte und zeigt seine Souveränität auf ganz eigene Weise: Sonnenbrille auf der Stirn, Energydrink in der Hand, Zigarette zwischen den Lippen. Passend zu den Bildern trägt ein Kommentator die Geschichte von den zwölf deutschen Goldgräbern vor. Die Stimme klingt nach Zigarrenqualm, mal dramatisch, mal lakonisch: „Nach zwei Schluck Frühstück wacht auch Kim auf.“ Nahaufnahme Tiefnig, frühmorgens vor dem Tipi, nippend am Energydrink. Er blickt in die Ferne – und stößt lauthals auf, sodass es in Langerringen zwischen der weihnachtlichen Deko hallt. Im Vereinsheim ertönt lautes Männerlachen.

Das Finale treibt das Show-Konzept auf die Spitze. Die Macher erhöhen die Dosis der Männlichkeit um gefühlt zwei Schaufelbaggerladungen: Mehr Sprüche und Flüche, noch mehr Drama. Die Suche nach dem Gold bringt der Truppe um Tiefnig zunächst wenig Edelmetall und viel Arbeit. Das einzige was hier tatsächlich golden funkelt, ist ein technisches, rostiges Monstrum – die Goldwaschmaschine. Schon seit zwei Folgen versuchen die Goldgräber, das kaputte Vehikel in Gang zu bringen, das Stein und Matsch von Nuggets trennt. Tiefnig raucht und der Motor der Pumpe qualmt. Dann manövriert er die meterhohe Trommel mit dem Bagger durch den Schlamm. „16 Stunden bin ich auf dem Bagger gesessen“, erzählt er in Langerringen und schüttelt fast ungläubig den Kopf. Immer wieder kommentiert er das Geschehen auf der Leinwand, lacht und zetert. In dramatischen Momenten faltet er die Hände vor seinem Bart.

Ein Aufschrei geht durch das Sportheim, Tiefnigs Fäuste knallen auf den Tisch

Der Goldrausch ist nicht „Deutschland sucht den Superstar“, sondern ein Format eines kleinen Privatsenders – doch für Tiefnig, seine Freunde und Bekannten ist das, was da über den Bildschirm flimmert, eine große Freude. Das Finale spitzt sich zu, die rauchige Stimme aus dem Off rutscht noch eine Oktave tiefer, bis die verbliebenen Goldgräber zur letzten Entscheidung vor David Millar treten. Es folgt nun der Moment, auf den sich jede Casting-Show zum Ende hin zuspitzt, um zum Gipfel der Spannung zu gelangen – Zack. Werbung. Ein Aufschrei geht durch das Sportheim und Tiefnigs Fäuste knallen lautstark auf den Tisch. Jetzt eine Zigarettenpause zur Beruhigung.

Tiefnig weiß seit Wochen, wie dieses Abenteuer endete. Doch er sieht die Folge zum ersten Mal. Eben noch hat er gescherzt, nun wird er ganz still. Der ganze Raum schweigt mit ihm, als es weitergeht und blickt auf die Leinwand. In jenen letzten Sekunden beginnen Tiefnigs Augen zu glänzen – nun lässt vielleicht schon seine Mimik erahnen, wie er sich anfühlt, der Goldrausch am Yukon. Bis zum zweiten Mal ein Aufschrei durch den Raum geht: Jubel – Tiefnig ist einer der drei Sieger. Und das Handy läuft heiß.

„Der Plan ist auf jeden Fall, dass wir drei Gewinner nächstes Jahr im Frühjahr nach Kanada gehen“, erklärt Tiefnig. Die Vorbereitungen seien im Gange. „Familie, Freunde, Arbeitskollegen fragen mich natürlich, ob ich das Gold auch behalten durfte und ob ich es ihnen denn mal zeigen kann“, sagt Tiefnig. Am Ende waren es vier Unzen, die das Team unter Schweiß und Flüchen aus dem Morast befördert hat. 4500 Euro in fünf Stunden. Hochgerechnet auf eine Saison wäre das Edelmetall für eine halbe Million Euro. „Das Gold ist noch im Rohzustand und ich werde mir dann in Ruhe darüber Gedanken machen, was daraus vielleicht mal werden soll.“

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