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Bobingen

26.07.2018

Große Sprünge sind beim Bad nicht drin

Vertreter der Bobinger Stadtverwaltung werden sich nochmals mit den Planern zusammensetzen, um nach einer günstigeren Lösung für das neue Ganzjahresbad zu suchen.
Bild: Norbert Staub

17,8 Millionen soll die neue Bobinger Schwimmhalle kosten. Die Schätzung löst im Stadtrat wenig Begeisterung aus. Doch wo kann gespart werden?

Über das Raumprogramm für ein neues Ganzjahresbad hatte der Bobinger Stadtrat vor genau einem Jahr intensiv diskutiert. Jetzt stehen die Kosten dafür fest: 17,8 Millionen Euro wären notwendig, um auf dem Gelände des Aquamarin alle Wünsche und Vorstellungen zu realisieren. Zuviel, waren sich Sprecher aller Ratsfraktionen in der jüngsten Sitzung einig.

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Wegen der finanziellen Tragweite warnte Kämmerer Alexander Ziegler davor, die weiteren Planungsschritte in Auftrag zu geben: „Nur wenn sich die Stadt in den nächsten fünf Jahren auf dieses Großprojekt konzentriere, ist eine Finanzierung möglich – und die hängt maßgeblich von den Steuereinnahmen ab.“ Freiwillige Leistungen, vor allem im investiven Bereich, müssten wohl längere Zeit aufgeschoben werden.

Steuererhöhungen drohen

Beim Bad-Neubau handelt es sich um „nichtrentierliche Schulden“. Das heißt, dass die Steuerzahler sowohl für die Investition als auch für einen großen Teil der jährlichen Betriebskosten aufkommen müssen. Christian Kuhn, Geschäftsführer der deutschen Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft aus Herne, bezifferte das jährliche Defizit auf 1,6 Millionen Euro. Steuererhöhungen könnten die Folge für die Bobinger Bürger sein.

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Deshalb empfahl Ziegler den Räten, sich für eine endgültige Entscheidung Zeit zu nehmen und die vorliegende Planung weiter auf Einsparmöglichkeiten zu untersuchen. Außerdem besteht noch eine Chance, dass Bobingen das Riesenprojekt nicht ganz allein stemmen muss: Die Stadt steht noch in Verhandlungen mit Nachbarkommunen über deren mögliche Beteiligung; ferner laufen Gespräche mit Landratsamt und Saunapark.

Von den 17,8 Millionen entfallen 15,8 auf den Hallenbad-Neubau, erläuterten die Planer. Außerdem sind in dieser Summe unter anderem auch ein Solebecken für 504000 Euro, der Übergang zur Sauna mit 471000 Euro sowie zwei Whirlpools für 281000 Euro enthalten. Mittelfristig wären auch noch 291000 Euro für Reparaturarbeiten im Freibad erforderlich, sagte Kuhn.

Keine Klarheit über Förderprogramme

Meersalzgrotte und Multifunktionsraum, ein Cabrio-Dach und ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden, Räume für Gastronomie, Duschen und Umkleiden, dazu die Technik für Filter, Pumpen und Schwallwasserbehälter – die Präsentation und Potenzial-Analyse der Planer hörte sich zwar vielversprechend an. „Doch zu diesen Kosten ist das Ganze nicht darstellbar“, sagte Bürgermeister Bernd Müller, zumal es derzeit keine Klarheit über Förderprogramme für ein Bad gebe.

Wenn die Stadt an Eigenmitteln rund elf Millionen aufbringen könnte, läge der jährliche Schuldendienst immer noch zwischen 300000 und 350000 Euro. Dadurch wären zahlreiche andere Aufgaben und Projekte auf Jahre hinaus blockiert. „Von einer optimalen Lösung müssen wir uns wohl verabschieden“, stellte SPD-Fraktionschef Edmund Mannes fest. An der grundsätzlichen Einstellung der SPD, dass Bobingen ein Bad für Schulen und Vereine brauche, habe sich jedoch nichts geändert.

Monika Müller-Weigand (Grüne) erinnerte an die schon Jahre andauernden Debatten um das Aquamarin und meinte, man müsse die Kosten senken, aber einen Mehrwert schaffen. „Wenn wir handlungsfähig bleiben wollen, sind 17,8 Millionen nicht machbar“, betonte Zweiter Bürgermeister Klaus Förster (CSU). Seine Fraktion wolle eine Entscheidung nicht noch länger hinauszögern, aber ein Kostenvergleich zwischen einem Neubau und einer Generalsanierung des Hallenbads sei sinnvoll.

Das Risiko, dass das Hallenbad aufgrund seiner veralteten Technik nicht bis zum Baubeginn weiterbetrieben werden kann, müsse man eingehen und jetzt nicht die Flinte ins Korn werfen, so der Bürgermeister. Der Stadtrat habe in den vergangenen Jahren eine „mustergültig transparente Debatte“ über das Millionenprojekt geführt.

Gegen drei Stimmen wurde schließlich beschlossen, dass sich Vertreter der Stadtverwaltung nochmals mit den Planern zusammensetzen sollen; danach ist ein Workshop geplant, bei dem die Ratsmitglieder nach einem realistischen Betriebs- und Finanzierungskonzept suchen wollen. Über den Vorschlag der FBU, nördlich der Krumbacher Straße ein Naherholungsgebiet zu schaffen (wir berichteten), wurde in der Sitzung nicht gesprochen.

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